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"Klangwelt Klassik":Anregend wie ein doppelter Espresso

Meistersolisten im Isartal

Tae-Hyung Kim (Klavier), Jehye Lee (Violine) und Samuel Lutzker (Violoncello) bei ihrem gefeierten Auftritt in Icking.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das junge Klaviertrio "Gaon" löst in Icking Begeisterungsstürme aus

Einen für westeuropäische Ohren sperrigen Namen haben sich die jungen Musiker des Klaviertrios Gaon ausgewählt. Der koreanische Begriff bedeutet soviel wie "Mittelpunkt der Erde", aber auch "erwärmen". Tatsächlich haben die Musiker den Gästen im Ickinger Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium am Samstagabend mächtig eingeheizt.

Gaon besteht aus der koreanischen Violonistin Jehye Lee, dem deutschen Cellisten Samuel Lutzger sowie dem koreanischen Pianisten Tae-Hyung Kim. 2013 haben sich die jungen Musiker, als Solisten bereits mit internationalen Preisen vom Tschaikowski-Wettbewerb bis zum Klavierwettbewerb Hastings ausgezeichnet, in München zusammengefunden. Auch als Trio haben sie seither renommierte Wettbewerbe gewonnen. In Icking wählten sie Ludwig van Beethovens Klaviertrio op.1 Nr. 1 in Es-Dur als klassischem Einstieg. Ein frühes Werk aus dem Jahre 1795, mit dem Beethoven die Gattung des Klaviertrios auf eine neue Ebene hebt, indem er die drei Instrumente gleichberechtigt agieren lässt. Das wurde umgehend deutlich: Da waren drei absolut ebenbürtige Partner am Werk, deren dichtes Zusammenspiel und packende Gestaltung vom ersten Takt an fesselten.

Ein weicher Klavieranschlag und warme Streicherfarben dominierten das Klangbild des ersten Satzes. Den zweiten eröffnet das Klavier mit einem zarten, sehnsüchtigen Motiv. Die Streicher steigen stockend, wie nachfragend, ein, ehe erst die Geige, dann auch das Cello die Klaviermelodie mit tief empfundenem Ausdruck singend weiter führen. Große Bewegung, ein munterer Austausch wie bei einem sehr lebhaften Gespräch, bei dem sich die Gesprächspartner die Bälle zuwerfen, kennzeichnet den dritten Satz. Höchst virtuos vorüber eilend, dabei mit deutlich fassbaren Konturen, schließt das Presto voller Elan und Esprit. Da ist der Jubel quasi vorprogrammiert; die empfangene Energie muss sich wieder entladen.

Mit Jean Françaix' Klaviertrio aus dem Jahre 1986 folgt Neue Musik, die indes niemanden verschrecken will, sondern gut fassbar, auf unterhaltsame Art, Stile und Klangmuster auslotet. Françaix, der nicht nur als Komponist, sondern auch als Klaviervirtuose erfolgreich war, wurde von vielen Kollegen und Kritikern wegen seines eklektischen Kompositionsstils angefeindet, was sagen will, dass er in seinen Werken Einflüsse von Poulenc, Milhaud oder Schostakowitsch sowie tänzerische Rhythmen, inspiriert von Samba und Tango, verarbeitet. Die daraus resultierende verspielte Vielfalt und permanente Wandlungsfähigkeit erweist sich für den Hörer im zweiten Satz als nicht ganz unanstrengend.

Doch das folgende Andante bringt die nötige Erholung, nimmt sich zurück, wird ruhig und bedacht, ohne an Spannung einzubüßen. Im abschließenden Allegrissimo geht's dafür wieder heftig zur Sache. Leidenschaftlich aufgewühlt regt es den Kreislauf an wie ein guter, doppelter Espresso. Doch bevor es gesundheitlich bedenklich werden kann, folgt unversehens eine leise, fast gespenstisch fahle Passage, ehe das Werk im kurzen Schlusstaumel endet.

Das einzige Klaviertrio Maurice Ravels, entstanden 1914, beschließt das Konzert. Sanft und verspielt beginnt das Klavier, die Streicher steigen behutsam ein - und dann folgt in einem großen Aufschwung eine leidenschaftliche Entwicklung mit großer Klangopulenz. Dieser große Ton steht dem Trio ebenso zu Gebote wie die zuvor schon mehrfach demonstrierte zarte Innerlichkeit. Ein bewegter Zwiegesang zwischen Geige und Cello entzückt darauf. Extrovertiert, ja exaltiert, bunt schillernd zeigt sich der zweite Satz, in großem Gegensatz zum geheimnisvoll eingeleiteten dritten. Nun dominiert die tiefe Lage den Klang, die Geige leuchtet dunkel. Atemlose Spannung, die sich in einem gewaltigen Aufschwung entlädt, ehe sie in die fast beklemmende Intensität zurück geht. Großartig!

Die wuselnde Lebendigkeit des Finalsatzes verscheucht die Beklemmung. Das Werk endet mit elementarer Kraft und Vitalität, die entfesselten Jubel auslösen. Als Zugabe französischer Charme und pure Eleganz mit "Les chants de l'amour", wie mit edlem Pariser Duft zart parfümiert. Eine wieder ganz neue Farbe in diesem beglückenden Konzertabend.

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