Alternativer GottesdienstBeten auf der Kuhweide

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Heuballen statt Altar: beim „Bauernhofgottesdienst“ in Königsdorf gehen Prediger Peter Burkhard und seine Ministranten neue Wege.
Heuballen statt Altar: beim „Bauernhofgottesdienst“ in Königsdorf gehen Prediger Peter Burkhard und seine Ministranten neue Wege.
Privat/oh

Mit dem Projekt „Bauernhofkirche“ wollen Studierende der Katholischen Stiftungshochschule Benediktbeuern alte Traditionen überdenken. Die Premiere in Königsdorf ist gelungen.

Von Antonio-Gabriel Matošević, Königsdorf

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Kuhweide statt Kirchenschiff, Heuballen statt Steinaltar und Picknickdecken statt Holzbänke: Bei der „Bauernhofkirche“ laufen Gottesdienste anders ab, als man gemeinhin gewohnt ist. Ausgedacht haben sich das Konzept Studierende im Rahmen eines Seminars der Katholischen Stiftungshochschule Benediktbeuern unter der Leitung von Professor Joachim Burkard. Sie setzten sich mit der Frage auseinander, wie Kirche und deren Gottesdienste für Gläubige attraktiv gemacht und in deren Lebenswelt integriert werden könnten. In der Praxis getestet haben sie die Antwort auf diese Frage Anfang September beim Moarhof in Königsdorf in Form eines Bauernhofgottesdienstes.

Die auf den Hof verlegte Messe sei vorwiegend von jungen Familien besucht worden, teilt die Hochschule mit. Ihnen wurden nicht nur religiöse, sondern auch landwirtschaftliche Inhalte vermittelt: Studierende begleiteten den Gottesdienst mit moderner Kirchenmusik, Führungen durch den Kuhstall sowie ein Bauernhofquiz sollten den Besucherinnen und Besuchern den Milchviehbetrieb Walser näher bringen. Unterstützt wurde das Projekt unter anderem durch das Bistum Augsburg, den Pfarrverband Königsdorf-Beuerberg und die Andechser Molkerei. Etwa 100 Leute seien dem Angebot gefolgt, erzählt Schwester Hannah, Studierende und Mitorganisatorin. „Ich glaube, keiner hätte gedacht, dass wir das auch wirklich schaffen würden. Und dass es dann noch diese Resonanz hat“, sagt die 32-Jährige. Beworben wurde das Projekt zuvor mit Plakaten, aber auch über interne Whatsapp-Gruppen und Instagram. „Das hat mir noch mal gezeigt, dass Kirche einfach auch Beziehungsarbeit ist.“

Um die 100 Besucher soll die Bauernhofkirche auf dem Moarhof in Königsbeuern verzeichnet haben.
Um die 100 Besucher soll die Bauernhofkirche auf dem Moarhof in Königsbeuern verzeichnet haben.
Privat/oh

Das Konzept sei zunächst eigentlich nur eine Idee gewesen, erzählt die Studentin. Die Entstehung sei „eigentliche eine ziemlich witzige Geschichte“. Als sie mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen das gemeinsam entwickelte Konzept im Seminar vorgestellt hätten, sei es zunächst „vollkommen theoretisch“ gewesen. Bis ihr Professor gefragt habe, ob das Projekt denn schon umgesetzt worden sei. „Wir waren alle erst überfordert, weil wir nicht damit gerechnet hatten, dass das jetzt wirklich passiert“, sagt Schwester Hannah.

Die Studierenden haben mit ihrem Konzept drei große Ziele verfolgt, wie die 32-Jährige erklärt. Zum einen wollten sie zeigen, dass Kirche nicht nur in einem eigenen sakralen Raum stattfinden könne, sondern „überall da, wo Menschen sind“. Zudem sollten bewusst vorrangig junge Familien mit Kindern einbezogen werden. Denn die machten oft die Erfahrung, dass es schwierig sei, mit Kindern in die Kirche zu gehen: „Manchmal reichen die Körperteile gar nicht mehr aus, um das Kind stillzuhalten.“

Schwester Hannah. Studentin und Mitorganisatorin beim Projekt „Bauernhofkirche“.
Schwester Hannah. Studentin und Mitorganisatorin beim Projekt „Bauernhofkirche“.
Privat/OH

Es brauchte also einen Ort, an dem Eltern etwas von einem Gottesdienst haben, Kinder aber auch nicht stillsitzen müssen. „Und dann waren wir eben beim Thema Bauernhof“, erklärt Hannah. Damit war gleichzeitig auch das dritte Ziel erfüllt: das der Nachhaltigkeit. Es sollte Bewusstsein für die Lebensrealität von Bauern geschaffen werden, auch regionale Produkte vom Dorfladen und ansässigen Landwirten sollten angeboten werden.

Die Suche nach einem passenden Bauernhof sei nicht einfach gewesen, erzählt Schwester Hannah. Über Sonja Walser, die auch Referentin an der Fakultät ist, kam man dann aber an den Milchhof ihrer Familie. „Das hat sich dann als eine gute Kooperation und ein gutes Miteinander herausgestellt“, sagt die Organisatorin. „Das Schöne ist, dass Frau Walser selbst Kinder hat und Sozialpädagogin ist. Von dem her haben wir da einen gemeinsamen Boden für das Projekt gehabt.“ Um das Setting auszukosten, gab es auch nach dem Gottesdienst ein Programm: „Die Kinder durften zum Beispiel selbst eine Kuh melken oder in den Kuhstall rein“, berichtet Schwester Hannah. „Für die Eltern haben wir einen Brunch organisiert.“ So hätten die Eltern Zeit gehabt, sich auszutauschen, anstatt gleich wieder wegzumüssen.

Die Organisatoren auf dem Bauernhof: Bäuerin Sonja Walser (links) mit den Studierenden und Professor Joachim Burkard (Mitte).
Die Organisatoren auf dem Bauernhof: Bäuerin Sonja Walser (links) mit den Studierenden und Professor Joachim Burkard (Mitte).
Privat/oh

Als Franziskanerin habe sie das Event sehr genossen: „Diese Verbundenheit zur Natur gehört bei uns ganz wesentlich dazu“, sagt die 32-Jährige. „Und es war natürlich ein traumhaftes Ambiente mit Bergen und blauem Himmel im Hintergrund.“ Eine stimmige Atmosphäre, in der sich die Leute wohlgefühlt hätten. „Die Kinder sind dann halt auch mal aufgesprungen und zu den Kälbern gegangen. Es war entspannt.“

Schwester Hannah ist davon überzeugt, dass das Projekt Potenzial hat: „Immer da, wo die Kirche sich auf Menschen einlässt, kann dieses Konzept umgesetzt werden: ob auf dem Bauernhof, einer Wiese oder einem Spielplatz“, sagt sie. „Für mich war es immer das erste Ziel, dass die Kirche sich als Ort versteht, der etwas für die Menschen tut und nicht, dass der Mensch etwas für die Kirche tun muss, damit es sie weitergibt.“

Man könne sich schon fragen, ob der klassische Gottesdienst am Sonntag wirklich noch das einzig Wahre sei, oder ob die Kirche nicht verstärkt auch die Orte aufsuchen solle, an denen die Menschen sind.

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