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Kino im Kloster:Hansi Kraus - ein Lausbub in Beuerberg

Von 1964 bis 1969 wurden rund ums Kloster Ludwig Thomas berühmte Geschichten verfilmt. Die besten Szenen spielten sich jedoch hinter den Kulissen ab.

Interview von Stephanie Schwaderer

Der Münchner Schauspieler Hansi Kraus unternimmt an diesem Freitag einen Ausflug in seine Kindheit: Der 64-Jährige kommt nach Beuerberg, wo rund ums Kloster in den Sechzigerjahren Ludwig Thomas "Lausbubengeschichten" gedreht wurden. An diesem Wochenende sind zum Abschluss der Kloster-Kino-Reihe die ersten beide Teile zu sehen. Hansi Kraus, der Hauptdarsteller, weiß darüber einiges zu erzählen.

SZ: Sie waren gerade zwölf, als Sie das erste Mal vor der Kamera standen. Erinnern Sie sich an Ihren ersten Drehtag?

Hansi Kraus: Ich war bitter enttäuscht. Man hatte mir den Himmel auf Erden versprochen: Du darfst einen Film machen und Erwachsene ärgern, das wird lustig. Tatsächlich war es das Gegenteil. Am Set wurde ich wie ein Profi behandelt, dabei hatte ich von nichts eine Ahnung. Ich hab damals gesagt: Dann geh ich lieber in die Schule, da hab ich zumindest am Nachmittag frei. Helmut Käutner, der Regisseur, hat dann durchgesetzt, dass man mich an die lange Leine ließ. Das ging zwar auf die Kosten der Aufnahmeleitung und der Kostümabteilung, aber von da an hatte auch ich meinen Spaß.

Wie sah der aus?

Ich war viel mit der Dorfjugend unterwegs, am liebsten mit dem Sohn des Tierarztes. Am Set wird ja 80 Prozent der Zeit verwartet. In den Drehpausen habe ich immer gefragt: Wie viel Zeit hab ich? Dann hieß es meist, eine halbe Stunde. Die habe ich nie eingehalten. Man musste mich immer suchen. Und dann war ich meistens völlig verdreckt.

Sie waren dem Ludwig, den Sie spielten, gar nicht so unähnlich?

Meine Eltern haben mir erzählt, dass die Beuerberger ihre Kinder ins Haus gerufen haben, wenn ich über den Hof kam. Aber das ist wohl ein bisschen übertrieben.

Was haben Sie angestellt?

Ich hatte einige Lieblingsplätze und bin mit den Kindern um die Häuser gezogen. Einmal haben wir aus einem Weiher einen Karpfen gefischt. Ein Bub hat ihn umgebracht und zu mir gesagt: Den bringst jetzt zum Wirt! Und das habe ich dann auch gemacht. Allerdings hab ich den Karpfen, um nicht erwischt zu werden, unter meine Jacke gesteckt. Am Set hieß es dann prompt: Hansi, zieh mal die Jacke aus, heute ist es ja so warm. Und dann kam natürlich alles raus: Mein Hemd war nass und ganz verschleimt, wieder einmal musste die Kostümabteilung ran.

Wie viel Zeit haben Sie in Beuerberg verbracht?

Der erste Film hatte 31 Drehtage, an 30 davon war ich dabei. Ein Großteil der Szenen wurde in Beuerberg gedreht, vor allem im Klosterhof. Und dann kam jedes Jahr ein weiterer Film dazu von 1964 bis 1969. Aber ich habe nie in Beuerberg übernachtet. Wir sind immer hin- und hergefahren.

Wie sind Sie zu dieser Rolle gekommen?

Durch die Abendzeitung, die hatte damals einen Aufruf gestartet. Meine Eltern haben mich mit sanfter Gewalt dazu gebracht, einen Brief zu schreiben, und haben ein Foto von mir dazugelegt, wie ich in der Badehose gerade aus der Isar steige. Als einer von 200 Buben bin ich dann in die nächste Runde gekommen, in der man begutachtet wurde. Das Treffen fand im Franziskaner statt. Die Casting-Leute gingen herum und schickten den ein oder anderen zu einem Tisch, wo sie ihre Adresse hinterlegen sollten. Mich haben sie nicht ausgewählt. Aber ich habe das Ganze beobachtet und bin dann einfach selber hingegangen und habe meine Adresse abgegeben. Und dann habe ich die Rolle bekommen.

Ein Lausbub waren Sie also. Wollten Sie unbedingt Schauspieler werden?

Nein, mit zwölf wollte ich Tierarzt werden. Aber dann habe ich es geliebt, jedes Jahr einen Film zu machen, erst die Lausbuben-, dann die Lümmelfilme.

Haben Sie es je bereut, Ihre Adresse untergeschmuggelt zu haben?

Bereut eigentlich nie. Die Schauspielerei ist ein hartes Brot. Aber sie macht auch großen Spaß. Vor allem am Theater - auch wenn man dort weniger als beim Film verdient. Seit zehn Jahren bin ich Mitglied der Iberl-Bühne, und da wollte ich schon immer hin.

Wann haben Sie die Lausbubengeschichten zuletzt gesehen?

Das ist mindestens 20 Jahre her. Ich hab mir diese Filme ja bei so vielen Premieren anschauen müssen.

Und am Freitag?

Mal sehen, wie lange ich bleibe. Aber im Kloster auf einer großen Leinwand - das könnte schon schön werden.

Kino im Kloster (Klosterstraße 2, Beuerberg): Lausbubengeschichten (Teil 1), Freitag, 5. August, Einführung mit Hansi Kraus, Beginn 20.30 Uhr; Lausbubengeschichten (Teil 2), Samstag, 6. August, Beginn 21.30 Uhr; Eintritt frei; bei schönem Wetter Open Air, bei Regen im Kloster; Infos unter www.dimu-freising.de/klausur-vom-leben-im-kloster

© SZ vom 04.08.2016

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