Süddeutsche Zeitung

Teure Kinderbetreuung:Lenggries erhöht Kita-Gebühren

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Eltern müssen vom 1. September an deutlich tiefer in die Tasche greifen. Der Grund für die Entscheidung sind die gestiegenen Personalkosten und die Eröffnung des dritten Kindergartens.

Von Petra Schneider, Lenggries

Eltern müssen in Lenggries vom 1. September an mehr für die Kinderbetreuung zahlen. Nach längerer Diskussion hat der Gemeinderat jetzt den neuen Gebühren, die vor allem in den Krippen deutlich nach oben gehen, mit vier Gegenstimmen von Grünen und SPD zugestimmt. Demnach zahlen Eltern für täglich vier bis fünf Stunden Betreuung im Kindergarten - was auf 80 Prozent zutrifft - statt 80 nun 120 Euro monatlich. Für jedes weitere Kind reduziert sich der Betrag um jeweils zehn Euro. In der Krippe werden für diese Betreuungszeit 240 Euro fällig, zuvor waren es 140 Euro. Für Geschwisterkinder gibt es in der Krippe 20 Euro Ermäßigung.

Zuletzt wurde der Satz vor zehn Jahren angepasst, seitdem hat sich das Defizit vor allem wegen gestiegener Personalkosten und der Eröffnung eines dritten Kindergartens in der Gemeinde mehr als verdoppelt. Trotz des deutlichen Sprungs liege Lenggries im Landkreisvergleich nun "ziemlich genau im Durchschnitt", sagte Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG). Die Mehrkosten werden außerdem durch den "Elternbeitragszuschuss" abgefedert: Seit 2019 zahlt der Freistaat 100 Euro für jedes Kind, die automatisch an die Einrichtung überwiesen werden. Für die Kleinsten können Eltern das "Bayerische Krippengeld" beantragen: Je nach Einkommen sind ebenfalls bis zu 100 Euro Zuschuss möglich. Außerdem könne eine Übernahme der Kosten durch das Jugendamt beantragt werden, sagte Klaffenbacher.

Wie sich die Erhöhung, die zuvor mit Kita-Leitungen und Elternbeiräten abgestimmt worden war, konkret auswirkt, erläuterte Kämmerer Michael Wenig. So zahlt eine Familie mit zwei Kindern, die vier bis fünf Stunden im Kindergarten betreut werden, 30 Euro im Monat. Bei dieser Konstellation mussten Eltern bislang nichts zahlen, weil der staatliche Zuschuss die Gebühren deckte. Allerdings erst seit 2019; vorher wurden 80 Euro fällig. Familien mit einem Krippen- und einem Kindergartenkind zahlen bei einer Betreuungszeit von sieben bis acht Stunden statt 190 nun 348 Euro monatlich. Durch die Gebührenerhöhung ergeben sich für die Gemeinde Mehreinnahmen von 130 000 Euro; bei einem jährlichen Defizit von knapp 1,4 Millionen Euro sei das allerdings "ein Tropfen auf den heißen Stein", wie Christine Rinner (CSU) sagte.

Viel Zustimmung gab es im Gemeinderat für einen Vorschlag der Kita-Leitungen: Demnach sollen Bestellung und Abrechnung der Mittagessen künftig nicht mehr vom Personal, sondern von einem externen Dienstleister übernommen werden. Vom 1. September an kommen deshalb zu den 3,50 Euro Essensgeld 20 Cent Verwaltungsgeld. Die Vergabe der Abrechnung entlaste das Personal, das dadurch mehr Zeit für die Betreuung habe, sagte Klaffenbacher. Auch die Eltern profitierten, denn sie könnten das Mittagessen kurzfristig stornieren, wenn ihr Kind krank sei.

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