Kinderbetreuung:Icking muss die Krippe ausbauen

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Konstante Geburtenrate, aber steigende Nachfrage: Die Krippe am Wenzberg braucht mehr als die vorhandenen 24 Plätze.

(Foto: Rainer Jensen/dpa)

Schon heuer können neun Kinder nicht aufgenommen werden. Der Gemeinderat will bei einem Ortstermin begutachten, wie eine Erweiterung am Wenzberg aussähe.

Von Claudia Koestler

Neun Kinder aus der Gemeinde Icking werden im kommenden Betreuungsjahr, das im September beginnt, trotz ihres Rechtsanspruchs keinen Platz in der örtlichen Kinderkrippe finden. Das teilte Bürgermeisterin Margit Menrad (UBI) am Montag im Gemeinderat mit. Wegen des steigenden Betreuungsbedarfs beschlossen die Räte einstimmig, die Krippe am Wenzberg um zwei Gruppen zu erweitern.

"Die letzte Einschreibung hat uns einigermaßen überrascht" hatte die Bürgermeisterin eingangs erklärt. Denn die Geburtenrate sei seit 2015 konstant. Im Dezember 2013 hatte die Kinderkrippe ihren Betrieb aufgenommen; 24 Kinder können in zwei Gruppen betreut werden. Damals war die Gemeinde laut Menrad von einem Betreuungsbedarf von 40 Prozent der unter Dreijährigen ausgegangen, und zu Beginn sei die Krippe nicht ausgelastet gewesen. Doch das änderte sich schnell: Bereits zum Ende des zweiten Jahres war sie Menrad zufolge voll belegt.

"In den Jahren 2014 bis 2016 lag der Betreuungsbedarf zwischen 52,7 Prozent und 58,8 Prozent", sagte die Bürgermeisterin. Die ursprüngliche Betreuungsquote war damit widerlegt und überholt. Und der Bedarf steige weiter, weil der Trend dahin gehe, Kinder bereits ab dem zweiten Lebensjahr in einer Krippe unterzubringen. Die aktuellen Zahlen für 2017 ergeben für Icking sogar eine Betreuungsquote von 61 Prozent: Die Gemeinde benötige 40 Plätze, was 3,4 Gruppen entspreche.

Um diesem Bedarf gerecht zu werden und nicht in absehbarer Zeit erneut an die Kapazitätsgrenzen zu stoßen, empfahl der Ausschuss Familie, Grundschule und soziale Einrichtungen die Erweiterung der bestehenden Krippe am Wenzberg um zwei Gruppen, was der Rat bestätigte.

Architekt Peter Scharf stellte vier Varianten für Erweiterungsbauten vor. Der erste Entwurf sah eine profilgleiche Verlängerung des bestehenden Baus vor, nur entsprechend der Grundstücksgrenze verschwenkt. Das verbrauche zwar wenig Fläche, bedeute aber den meisten Stress in der Bauphase durch den Abbruch mancher Gebäudeteile. "Die Variante empfehle ich Ihnen nicht", bilanzierte Scharf selbst, und die Räte schlossen sich mehrheitlich an. Die zweite Variante sah einen vom Bestand abgesetzten Erweiterungsbau mit Verbindungsgang vor, der um 90 Grad gedreht wird, so dass ein geschützter Hof entsteht. Der dritte Entwurf zeigt einen Block parallel zur Grundstücksgrenze, mit Abstand zum bestehenden Gebäude. Scharfs vierter Vorschlag war eine Variante dazu, bei der die Erweiterung allerdings nicht als Block, sondern modulartig in kleine Baukörper aufgeteilt wird, um die Höhenunterschiede im Gelände besser aufzufangen.

Nachdem die Räte intensiv debattiert hatten und Aspekte wie Verkehrssicherheit, Parkplatzbedarf und optische Verträglichkeit zu bedenken gaben, tendierten Einzelne zu den Varianten zwei und drei. Dennoch schälte sich noch kein klarer Favorit heraus. Vigdis Nipperdey (Ickinger Initiative) schlug deshalb eine Ortsbesichtigung vor: "Wir haben es nicht nötig, abstrakt über Papier zu entscheiden, wenn der Schauplatz doch gleich um die Ecke liegt." Dieser Meinung schloss sich das Gremium an: Voraussichtlich in zwei Wochen wollen die Räte die Situation an Ort und Stelle anschauen und mindestens zwei Varianten abstecken lassen, um eine Vorstellung von Lage und Größe zu erhalten. Erst danach soll ein Beschluss fallen.

Für die neun Ickinger Kinder, die von September an ohne Betreuungsplatz dastehen, wird die Krippenerweiterung allerdings zu spät kommen. Wie es für sie weitergehen wird, fragte Claudia Roederstein (UBI). "Kurzfristige Betreuung werden wir nicht bieten können", bedauerte Menrad. Allerdings sei in Gesprächen angeklungen, dass manche Eltern auf den Betreuungsplatz zunächst verzichten könnten. Für die anderen gebe es eventuell die Möglichkeit, nach Egling auszuweichen.

Das aber empfand Christian Mielich (SPD/Grüne) als unbefriedigend. "Es gilt schließlich nicht, ein paar Wochen zu überbrücken, sondern mindestens eineinhalb Jahre", sagte er im Hinblick auf die Planungs- und Bauzeit. Er plädierte für eine Interimslösung, "sei es Provisorium oder Container". Menrad gab jedoch zu bedenken, dass der Rechtsanspruch nicht auf die Gemeinde bezogen gelte, sondern auf die Umgebung - und dazu gehöre eben auch die Nachbarkommune Egling auf der anderen Isarseite.

© SZ vom 08.07.2017
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