Kampfkandidatur:Demmel tritt gegen Niedermaier an

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Will für die CSU Landrat werden: der Königsdorfer Bürgermeister Anton Demmel. (Foto: Hartmut Pöstges)

Der Königsdorfer Bürgermeister ist der Kandidat der CSU um das Amt des Landrats bei der Kommunalwahl 2020. Erst vor einem Jahr ist er der Partei beigetreten - nachdem er die Freien Wähler im Streit verlassen hatte.

Von Claudia Koestler, Bad Tölz-Wolfratshausen

Der Kommunalwahlkampf ist eröffnet, die CSU hat ihren designierten Landratskandidaten vorgestellt: Der Königsdorfer Anton Demmel wird im Frühjahr 2020 gegen den amtierenden Landrat Josef Niedermaier von den Freien Wählern antreten. Das erklärten die Vertreter der CSU-Kreisversammlung unter Vorsitz von Martin Bachhuber am Dienstag. Demmel, derzeit Bürgermeister von Königsdorf, wurde laut Bachhuber am vergangenen Wochenende in der Klausurtagung der Kreis-CSU zum Kandidaten bestimmt. Offiziell nominiert werden soll der 47-Jährige dann am 23. Mai in der Kreisvertreterversammlung.

"Die Entscheidung ist nicht ad hoc gefallen", sagte Bachhuber. Und auch Demmel erklärte, "dass die Kandidatur wohl keinen mehr überraschen dürfte". Denn dass die einstigen Parteifreunde Demmel und Niedermaier sich inzwischen als Gegner gegenüber stehen, ist lange bekannt. Der Königsdorfer Bürgermeister war nach einem heftigem Streit mit dem Landrat im Januar 2015 aus der Fraktion der Freien Wähler ausgetreten. Entzündet hatte sich der Streit an der Frage nach sauberem Trinkwasser für Königsdorf. Weil wiederholt Keime gefunden worden waren, hatte das Gesundheitsamt den Bau einer Ultrafiltrationsanlage für Königsdorf und Geretsried und bis zu ihrer Fertigstellung die Chlorierung angeordnet. Demmel aber stemmte sich mit den Geretsrieder Stadtwerken gegen das fachliche Urteil des Gesundheitsamts, das er als überzogen und zu teuer ansah. Das Verwaltungsgericht lehnte schließlich die Klagen von Geretsried und Königsdorf gegen die Anordnung ab. Inzwischen aber hatten sich die einstigen Fraktionskollegen Demmel und Niedermaier, der als Landrat auch Chef des Gesundheitsamtes ist, komplett entzweit. In einer Pressekonferenz 2015 begründete Demmel den Austritt gar mit Diskreditierung durch die Kreisbehörde. Im Januar 2018 trat Demmel schließlich der CSU bei.

"Ich sage es offen und ehrlich: Ich weiß um seine Geradlinigkeit, und auch um seine riesige Unterstützung auf der Liste der Freien Wähler bei der vergangenen Wahl", sagte Bachhuber nun am Dienstag. Er schätze Demmel als konservativen Politiker, der Königsdorfer selbst setzte gar noch ein "erz-" davor. Seit etwa einem Jahr habe sich Demmel tatkräftig in der CSU-Fraktion eingebracht. Doch weil der Kreisvorsitzende ein Placet für die Kandidatur des "Neulings" aus der gesamten Kreisgruppe wollte, hatte Bachhuber vorher ein Stimmungsbild schriftlich abfragen lassen. Das Ergebnis: keine Nein-Stimme und lediglich wenige Enthaltungen, was zu einer über 90-prozentigen Zustimmung geführt habe.

Mit 47 Jahren stehe er, verheiratet und Vater von zwei Kindern, "mitten im Leben, da kann man sich noch einmal verändern", sagte Demmel, und zählte kurz seinen beruflichen Werdegang auf: Er ist Diplomfinanzwirt, war viele Jahre bei der Stadt Bad Tölz beschäftigt, bis er 2008 zum Bürgermeister gewählt wurde, und arbeitet nebenbei in der Bayerischen Verwaltungsschule.

In seiner Motivation für die Kandidatur ließ er am Dienstag bereits klare Kritik an der derzeitigen Kreispolitik respektive dem Landrat durchklingen: "Es wäre wichtig, Entscheidungsreife herbeizuführen. Probleme gehören gelöst, nicht erklärt." Denn: "Man kann auch schuldig werden durch Nichtstun." Schwerpunkte wolle er vor allem bei den Pflichtaufgaben setzen, etwa bei der Grundversorgung durch Krankenhäuser, den Pflegeplätzen, aber auch beim Öffentlichen Nahverkehr. Ob seiner Chancen bemühte der frühere Eishockeyspieler eine Sportmetapher: "Man geht raus, um zu gewinnen." Trotzdem gebe es einen Plan B, sollte er nicht gewählt werden, respektive sogar deren drei: "Ich habe eine Rückkehroption zur Stadt Bad Tölz, nach zwei Amtsperioden als Bürgermeister gibt es Versorgungsbezüge, die allerdings nicht hoch sind, oder aber ich könnte zur Verwaltungsschule zurück."

Für Königsdorf wird es jedoch - egal wie die Wahl ausgeht - eine Zäsur geben, sprich, einen neuen Bürgermeister. Denn Demmel schließt für sich die Fortführung dieses Amtes aus. Einen Nachfolge-Kandidaten will die Königsdorfer CSU am Donnerstag präsentieren. Derweil gibt sich Demmel nicht nur ehrgeizig, sondern auch siegessicher: "Mir würde es schon gewaltig stinken, wenn ich nicht zeigen könnte, was alles in dem Amt als Landrat steckt, was man alles draus machen kann."

© SZ vom 30.01.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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