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Kabarett in Penzberg:Jagd nach der ultimativen Story

Starkbier - der Film Penzberg 2021

Die frühere Bürgermeisterin (links) tritt beim Kochduell "Grill die Elke" gegen ihren Herausforderer und Nachfolger (Mitte) an.

(Foto: OH)

Das Oberlandler Volkstheater ersetzt wegen Corona den Starkbieranstich mit einem Film

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Die Stadt Penzberg im Fokus rasender Reporter - das ist die Grundidee des Starkbier-Films, den das Oberlandler Volkstheater anstelle des traditionellen Derbleckens auf die Beine gestellt hat. Und es gibt so einiges, das eines kritischen, wie humoristischen Blickes bedarf. Nicht zuletzt die zahlreichen Großbaustellen, die dann doch manchen an die unendliche Geschichte des Berliner Flughafens erinnern.

Corona macht es Kulturschaffenden generell nicht leicht. Da geht es dem Oberlandler Volkstheater nicht anders als anderen. Zum zweiten Mal in Folge musste das Ensemble wegen der Pandemie auf den herkömmlichen Starkbieranstich samt Fastenpredigt und Singspiel in der Stadthalle verzichten. 2020 versuchten sich die Oberlandler mit einem Livestream. Und das mit Erfolg. Doch in diesem Jahr entschloss sich das Ensemble, einen neuen Weg zu gehen. Trotz sich ständig ändernder Corona-Vorschriften drehten die Laiendarsteller einen Film, der am Samstag zur besten Sendezeit Premiere feierte.

Drehbuchschreiber, Schauspieler und Techniker mussten coronakonform agieren. Das war alles andere als leicht. Ursprünglich sollte der Dreh bereits im Dezember 2020 starten. Das verhinderte der zweite Lockdown. Letztlich hätten die Oberlandler erst Ende Februar/Anfang März loslegen können, erzählt Claudia Herdrich, die zusammen mit Barbara Buchczyk die Regie führte. Trotz aller Widrigkeiten wollte man nicht auf das Derblecken verzichten, erzählt sie weiter, schließlich gebe es so viel aus Penzberg zu berichten. Allein schon der neue Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) samt Stadtrat böten ausreichend Stoff.

Auf der Jagd nach der ultimativen Story kommt man in Penzberg an einer Baustelle nicht vorbei: das neue Familienbad. Karla Kolumna alias Anni Pelg jedenfalls zählt sie zu den "verrücktesten Großbaustellen" Deutschlands und sieht eine Analogie zum BER. Bestätigt wird ihre dies von Herrn Krawutke (Benno Arnstadt), Bauleiter aus Berlin. Auf die teure Umplanung, die beim Familienbad notwendig wurde, sei man, was die Kosten angeht, auf gutem Wege, es dem Berliner Flughafen nachzumachen. Das komme davon, so Krawutke, wenn ein Stararchitekt engagiert werde, dessen Pläne mehr Visionen denn realisierbar seien. Da könne es schon passieren, dass der Bau fünf Millionen Euro teurer werde, nur weil das Dach zu klein geplant war. Weiter geht es zum Wohngebiet Birkenstraße West. Auch dort gibt Herr Krawutke seinen Senf zum Verfahren. Um im Bieterverfahren der Stadt zum Zuge zu kommen, müsse man so viel Geld auf der hohen Kante haben, dass noch die Enkel die Hypothek abstottern müssten, lautet sein Resümee.

Als weitere Reporter treten Stefan Köbler und Barbara Buchczyk auf. Sie suchen nach der großen Enthüllung im Epizentrum der Macht, sprich dem Rathaus, oder im Nonnenwald, wo das Energie-Startup Marvel Fusion die Nachbarschaft verstrahlt. Durch den Film führt Stefan David als Moderator.

Doch was wäre das Penzberger Starkbierfest ohne Bruder Servatius. Da der Fastenprediger, gespielt von Rainer Hofmann, nicht von der Stadthallen-Bühne aus derblecken darf, gewährt "Starkbier TV" einen Blick in seine heiligen Hallen. Oder genauer: in sein Wohnzimmer. Denn Bruder Servatius ist im Home-Office und kämpft dort gegen die Tücken der Technik. Wie gut, dass er seine "Perle Marie" (Irmgard Hofmann) zur Seite hat. Die lässt zwar den Schweinsbraten anbrennen, dafür weiß sie, wo die Kamera am Laptop ist.

Zu guter Letzt heißt es "Grill die Elke". Die frühere Bürgermeisterin Elke Zehetner (SPD), gespielt von Catrin Bocksberger, tritt beim Kochduell gegen ihren Herausforderer und Nachfolger Stefan Korpan an. Mag Film oft Fiktion sein, hier ist doch das wahre Leben die Grundlage des Drehbuchs. Korpan gewinnt mit seinem Menü und "grillt die Elke".

Der Link zu "Starkbier. Der Film" ist auf der Homepage des Oberlandler Volkstheaters zu finden oder bei Youtube

© SZ vom 03.05.2021
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