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Kabarett:Eher unten rum

4. Flussfestival Wolfratshausen 2019

Martin Frank weiß, womit er seinen Fans Freude macht.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Hintergründig? Martin Frank beim Flussfestival

Der Bayerische Rundfunk hat ihn eine "unbändige Rampensau" genannt, und diesem Titel macht Martin Frank mit "Es kommt wie's kommt" gleich beim Warm-up alle Ehre. Das Publikum in der rappelvollen Muschel beim Flussfestival erhebt sich brav auf seinen Befehl und bejubelt den jungen Comedian zur Begrüßung. Auch beim Datensammeln macht es auskunftsfreudig mit, und so ist bald klar: Die Mehrheit der Fans an diesem Abend ist aus ganz Bayern angereist, auch aus Franks Heimat im Landkreis Passau.

In seinem neuen Programm geht es wieder um seinen autobiografischen Hindernislauf, die Entwicklung vom Dorfkind in Hutthurm zum Stadtbürger in München. Auf dem Weg zur Rampensau hat der einstige Verwaltungsangestellte sein Abi nachgeholt und eine Schauspielausbildung absolviert. Auch beim Mozarteum habe er sich beworben, erzählt er - und gibt eine Kostprobe: die Torero-Arie aus der Oper Carmen auf Bairisch. Das klingt sonor. Zum Glück für seine Fans fiel er jedoch durch und spezialisierte sich fortan auf die Verkörperung niederbayerischer Urviecher und Körner fressender Stadthipster.

Bei Befruchtung, Geburt, Leben und Sterben auf dem Land geht es laut Frank nicht zimperlich zu, das muss Wiebke aus Düsseldorf beim Anblick einer "verrecktn Henna" von Franks Oma erfahren. Und beim Sex wird's zuweilen derb, das weiß der Comedian vom dumpf schweigenden Papa, dem er beim künstlichen Besamen zuschaut. Die Oma wiederum drängt ihn zu heiraten, weil er doch erst 49 weibliche Rindviecher auf dem Hof habe und noch Platz "für eine weitere Milchkuh" wäre. Beim Tinder-Treffen mit einer Osteuropäerin verzichtet er auf weitere Vergnügungen, weil er sich sonst ein Tattoo unter der Gürtellinie hätte stechen lassen müssen, Aufschrift: "Kein Trinkwasser!" oder "Ozapft is!" Bei den Städtern hingegen müsse man sich überlegen, was man bei Geschlecht ankreuzen solle - die Alternativen würden "ja immer mehr". Omas Vorschlag lautet, bei "Wolpertinger" das Kreuz machen. Es folgt ein Disput zwischen zwei Modeschöpfern, die sich im klischeehaften Schwulen-Sprachduktus beschuldigen, nicht den richtigen Style rüberzubringen. Den Du-kannst-mich-mal-Ausbruch des einen interpretiert der andere als Versöhnungsangebot.

Und das Publikum? Lacht Tränen. Über Frauenfeindliches, Furz- und Schwulenwitze? Ja, das dürfe der Martin Frank, befindet ein Wolfratshauser in der Pause, weil das nämlich noch so sei in Niederbayern, das sei "deren Humor". Ein anderer sagt, es ginge ihm "unten rum" doch manches zu weit, aber der Martin Frank sei ja noch jung. Fans aus Weilheim finden alles rundherum super und vermuten, dass das "bestimmt hintergründig" gemeint sei. Und schließlich solle man nicht alles auf die Goldwaage legen.

Nach der Pause bleibt Frank weitgehend "oben rum", mokiert sich über das Gebaren der Städter, Superfood und Work-Life-Balance. Es geht es um studierte Deppen, Mietwucher und Selbstdarsteller. Auch da hält Frank mit seinem Sprechtempo, gezielt eingesetzter Mimik und Gestik das Publikum auf höchstem Aufmerksamkeitsniveau. Zum Thema Selfiewahnsinn sind dann alle wieder gefordert, sich nackig zu machen für ein Gruppenfoto, damit auf Instagram endlich mal echte hässliche Menschen erscheinen.

Ohne Zugaben kommt der Comedian dem vor Begeisterung trampelnden Publikum nicht davon. Nach einem charmanten Dankeschön ans Flussfestival-Team erklärt er, warum eine Kuh vier Zitzen habe: eine für Vollmilch, eine für Magermilch, eine für Biomilch und nach einer Handvoll Kaffeebohnen eine für Latte Macchiato. Unten rum finden er und seine Fans es halt doch am lustigsten.