Kabarett  A Nixscheißerte

Stinkfaul, aber doch a G'studierte: Claudia Pichler bei ihrem Auftritt in der Alten Madlschule.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Claudia Pichler spielt in ihrem Soloprogramm "Ned blöd ... für a Frau!" mit Klischees, vor allem aber mit der bairischen Sprache.

Von Wolfgang Schäl

Claudia Pichler ist bairisch formuliert eine G'studierte, sogar eine Doktorarbeit hat sie geschrieben, obwohl diese Frau Dr. Pichler doch eine verdammt hübsche Person ist. Mal ehrlich: Kann jemand, der in einem so aufregend schmalen, mit zarten Spitzen verzierten Kleid auf die Bühne tritt, mit so aufreizend knallroten hochhackigen Pumps, dass ein Raunen durchs Publikum geht, kann so jemand wissenschaftlich ernst genommen werden? Und kann sie, die eine akademische Abhandlung ausgerechnet über Gerhard Polt verfasst hat, selber das Zeug zur Kabarettistin haben?

Überhaupt: Eine Dissertation über Polt, geht's eigentlich noch? Es geht schon, und wer tatsächlich daran zweifeln wollte, dass sie über ihre Forschungsarbeit hinaus eine höchst begabte, dem Well-Clan und ihrem legendären Protagonisten Polt zugetane Komödiantin ist, der wäre ihr schon auf den Leim gekrochen. Denn sie setzt sich höchst amüsant, selbstironisch und undogmatisch mit ihrem Frauenleben auseinander, sie sieht sich selber als eine, die "nixscheißert" ist. Eine, die sich was traut. Obwohl sie, wie sie von sich selber sagt, im Grunde doch eigentlich stinkfaul ist und es sich am liebsten sinnierenderweise auf ihrem Kanapee bequem macht, in das sie im Lauf der Zeit eine höchst behagliche Kuhle hineingelegen hat.

Man merkt sehr schnell, das Hochdeutsche ist nicht ihre Welt, ganz und gar nicht. Wer an diesem Abend in der alten, mal wieder bis auf den letzten Platz besetzten Tölzer Madlschule nicht Bairisch kann, sollte besser gleich wieder heimgehen. Denn er würde wenig bis gar nichts mitbekommen vom Leben der Münchnerin, von ihrer Vergangenheit, ihrer Großmutter, dem strengen Pfarrer ("heute sind das ja nur noch Teilzeit-Inder"), von ihrem österreichischen Vater, einem "überintegrierten Schluchtenscheißer", und der Schulzeit, in der man ihr vom Deutsch-Leistungskurs abgeraten hat. Wenn jemand so konsequent bairisch denkt und redet, hat man ihr zu verstehen gegeben, könne das beim Abitur auf kleinen Fall gut gehen. Zumal sie ausgerechnet noch aus Aubing kommt, "der Schwarte des Münchner Speckgürtels" - einer "Mischung aus Agrarkultur und sozialem Brennpunkt".

Geselliges Trinken lässt sich steigern

"Das Bairische liegt mir sehr am Herzen", beteuert Pichler, die zum Beweis schnell mal ein paar Begriffe aus dem Alltag durchdekliniert. Zum Beispiel zum Thema geselliges Trinken, das sich trefflich steigern lässt vom leichten Surri über das gemeine Besoffensein bis hin zum "Fetzen Rausch", den jemand im G'sicht hat.

Ähnliche Wortübungen gibt sie im Bereich der Adjektive zum Besten: "pumperlg'sund" zum Beispiel und "zaundürr". Ihr bayerisches Rigorosum hat sie ohnehin schon längst bestanden, in der Formation der Drei Haxn mit der Passauer Gymnasiallehrerin Anni Preuß und dem Ex-Biermösl-Blosn-Mitglied Michael Well. Da ging es freilich nicht nur um das gesprochene Wort, sondern auch um Musik. Als bayerische Komödiantin hat Pichler denn auch Instrumente in die Madlschule mitgebracht: eine Gitarre und eine rote Quetsche, ein Erbstück, wie sie anmerkt. "Mei Schwester hat's Haus kriagt, und i de Ziehharmonika".

Die aber nutzt ihr vermutlich weit mehr als die Immobilie, denn bayerisches Kabarett ohne Musik geht eigentlich nicht. Und so hat Claudia Pichler auch ihren Tölzer Auftritt genutzt, um in die Saiten und Tasten zu greifen, "zum Üben", wie sie sagt. Schließlich sei dies ja erst ihr fünfter Auftritt mit dem ersten Soloprogramm. "Und i hob eigentlich gar net damit g'rechnet, dass da jemand kimmt." Manchmal ist Claudia Pichler auch ein bisschen politisch und frauenbewegt. Zum Beispiel wenn es um den gerade erst begangenen Equal Pay Day geht: "Es stimmt gar nicht, dass Männer mehr verdienen als Frauen. Sie kriegen einfach nur mehr." Und die einzige Frau, die jemals den Hauptpreis beim bayerischen Kabarettwettbewerb bekommen habe, sei Luise Kinseher. "Und das ist auch schon wieder zwanzig Jahre her." Wenn Pichler sich das vor Augen hält, fällt ihr spontan eigentlich nur ein ziemlich bairisches Wort ein: "Watschenbaum."