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Jugendschutz und Internet:Licht und Schatten der Medien

Jugendschutz-Beauftragte Johanna Beysel appelliert an die Eltern, ihren Nachwuchs beim Umgang mit Medien zu begleiten.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Bei einem Fachtag im Tölzer Landratsamt erklärt die Expertin Johanna Beysel den sinnvollen Umgang mit Handy und Web.

Von Thomas Kubina

Es waren nicht unbedingt besorgte, aber zumindest nachdenkliche Gesichter, die sich am Samstag im großen Sitzungssaal des Landratsamtes abzeichneten, als Johanna Beysel den Eltern die durchschnittliche Mediennutzungszeit von Kindern nannte. Ihr zufolge verbringen Kinder hierzulande täglich insgesamt rund 3,8 Stunden am Fernsehbildschirm, im Internet, in Büchern oder auch an der Konsole. "Medien sind nicht immer gleich Sucht, sondern Alltag", erklärte dazu die Kinder- und Jugendschutz-Beauftragte des Landratsamtes Bad Tölz-Wolfratshausen.

Im Rahmen des Fachtages "Familie und Medien" referierten neben Beysel auch Sozialpädagogen und Medienbeauftragte zu den Fragen der Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen. Beysel selbst sprach zum Thema "Medienmündigkeit" und rückte in ihrem Vortrag zwei Probleme in den Fokus: Suchtvorbeugung und die Grenzen im Medienumgang. "Wir wollen die Kinder auf einen guten Lebensweg schicken. Dazu sollten die Eltern möglichst gut gebildet sein", sagte sie.

Daher stellte sie ihren Zuhörern sieben Bausteine vor, die einem möglichen Suchtverhalten zuvorkommen sollen. Darunter befinden sich: Seelische Sicherheit, realistische Vorbilder, Anerkennung und Bestätigung, Freiraum und Beständigkeit, Bewegung und gesunde Ernährung, Freunde und eine verständnisvolle Umwelt, aber auch Träume und Lebensziele. Es geht also um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Mediennutzung und sozialem Leben; weiter betont sie: "Vorbilder sind nicht Youtube-Stars oder fiktive Superhelden, sondern Menschen des Alltags."

Zwar würde der Begriff Sucht hinsichtlich des Umgangs mit Medien noch lange nicht vollständig geklärt sein. Sucht aber könnte sich bereits durch ein bestimmtes Ausweichverhalten entwickeln wie zum Beispiel mit der Nutzung von Smartphones an der Bushaltestelle, sagte Beysel.

An dieser Stelle sind die Eltern gefragt. Diese sollten das Konsumverhalten ihrer Kinder regulieren. Nicht nur die Strukturen des Internets seien bei unerfahrener Nutzung zu komplex für Kinder, sondern auch die Webseiten. Diese seien mit verführerischen Inhalten ausgestattet, da sich Werbung und Entertainment auf niederschwellige Weise vermischen würden. Wieder im Blick: "Youtuber", die in ihren Videos gezielt Werbung für bestimmte Marken schalten würden, sagte Beysel.

Die Eltern können den potenziellen Gefahren des Internets entgegensteuern, indem sie zum Beispiel mit ihren Kindern einen Mediennutzungsvertrag erstellen, die Kindersicherung auf den Geräten aktivieren oder sich altersgerechten und informierenden Webseiten wie "fragFinn.de" oder "internet-abc.de" bedienen. Letztlich seien es Regeln, die zwischen Kindern und Eltern verhandelt werden sollten. Das schaffe Transparenz und beuge Sucht vor, betonte Beysel.

© SZ vom 08.05.2018/stsw

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