Jazz: max.babEin See voller Kuhpisse

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Mit max.bab ist der Geretsrieder Benjamin Schäfer erfolgreich. Jetzt träumt er für die Jazzband "Das rote Gras" von Seen voller Kuhpisse.

Barbara Szymanski

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Ruhig und träumerisch ist der Einstieg. Gelassener Bläsersatz, Stimmen summen. Einmal mehr löst sich Atonalität auf in Harmonie und einem unaufgeregten Melodiethema durch sanfte, dunkle, kaum vibrierende Saitenstriche. "L'étang de pissevache" heißt der Titel dieses Stücks auf der neuen CD der jungen, internationalen Jazzgruppe Das rote Gras.

Benny Schäfer spielt mit seinem Kontrabass jetzt auch bei "Das rote Gras".
Benny Schäfer spielt mit seinem Kontrabass jetzt auch bei "Das rote Gras". Hartmut Pöstges

Benjamin Schäfer, Bassist und Mitglied der Geretsrieder Jazzformation max.bab, hat diese Nummer komponiert und sich getraut, ihr einen ziemlich frechen Namen zu geben, der frei übersetzt heißt: Ein See voller Kuhpisse. Gewässer, die so röchen, gebe es an der französischen Mittelmeerküste, erzählt er. Es seien versumpfende Salzwasserseen. Nicht der Geruch, sondern die wundervolle Landschaft rund um die Salzsümpfe hätten ihn zu diesem träumerischen Stück inspiriert.

Auch sonst kommt die neue CD ziemlich geheimnisvoll daher. Ein weißes Cover, darauf steht in relativ kleinen Buchstaben "Das rote Gras", darunter "Zipotam". Auch das wie hingewischte rosa Symbol führt nicht weiter. Doch Benny Schäfer kann alles aufklären: Den Bandnamen "Das rote Gras" hätten sich die Musiker aus Frankreich und Deutschland gegeben, weil sie den Jazzmusiker, Journalisten und surrealen Schriftsteller Boris Vian sehr mögen.

Fast alle verschlängen seine Romane wie "Der Schaum der Tage" oder eben "Das rote Gras". Zipotam - der Titel der neuen CD - sei ein Kunstwort, das sich aus Nilpferd (französisch: hippopotame) und Feuerzeug (zipo) zusammensetze. Das Symbol schließlich habe Ella, die zweijährige Tochter des Posaunisten Mathias Götz, gemalt.

Hört man die CD, ist klar, worum es geht: jungen, melodischen, fein verzahnten, instrumentalen Jazz, der nur manchmal durch einen kleinen Chor unterstützt wird. Zwei Nummern nehmen Themen von Bach auf. Die Band abstrahiert und skizziert die Stücke konzertant. Und dieses Konzertante, das anstrengend Atonale, das sich immer swingend und lyrisch auflöst, die melodischen Ausflüge, das fühlbar von der Natur Inspirierte und das feine Zusammenspiel ohne langatmige Soli, das ist der Sound der Band und ihrer ungewöhnlichen Instrumentierung mit Altflöte, Trompete, Gitarre, Cello, Banjo, Schlagzeug, Saxofon, Piano und Schäfers Kontrabass.

Die Jazzband begibt sich derzeit auf eine kleine Tournee durch Deutschland. Stationen sind Berlin, Dresden, Leipzig, am 30. November in der Blackbox im Münchner Gasteig und - Benjamin Schäfer sei Dank - auch im "Hinterhalt".

Gastspiel der Jazzband "Das rote Gras", Kulturbühne "Hinterhalt" in Gelting, Leitenstraße 40, Sonntag, 28. November, 20 Uhr.

© SZ vom 25.11.2010 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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