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Jahresschau der Künstlervereinigung Lenggries:Flüchtige Suchtmittel

Betörend schön: Antonia Leitners Installation "Apate".

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Kunstwoche in Lenggries steht heuer unter dem Motto "Transparenz". Gemälde, Skulpturen und Installationen ziehen den Betrachter durch ihre Ungreifbarkeit in ihren Bann

Die "Kunstwoche" der Künstlervereinigung Lenggries (KVL) ist immer einen Ausflug - und ja, warum nicht: auch eine Reise wert. Aber diesmal ist dem Team um Heidi Gohde und Günter Unbescheid eine besonders sehenswerte Schau gelungen. Besucher der Vernissage wurden am Freitagabend schon im Freien verzaubert. Hinter der Installation "In einer anderen Haut" der österreichischen Gast-Künstlerin Gabriela Nepo-Stieldorf ging gerade die Sonne unter, und so schimmerte durch die vier halbdurchsichtigen Torsi aus Polyester warmes Licht und schuf eine einzigartig poetische Impression. Schnell vergänglich freilich, denn sobald die Sonne weg ist, verfliegt dieser Zauber.

Das ist bei Anotonia Leitners "Apate" anders. Die Installation, die den Namen einer Dämonin der griechischen Mythologie trägt, zieht Betrachter bei jedem Licht in ihren Bann. Leitner hat vor eine gewölbte Edelstahlfläche eine teils glatte, teils strukturierte Plastik aus Edelstahl und Bronze gehängt, die sich spiegelt und je nach Perspektive schwebt, schwimmt, schmilzt, sich vergrößert, doppelt erscheint, ihre polierte Seite zeigt oder ihre genarbte. Dazu taucht der Betrachter selbst in diesem Zerrspiegel auf, verschwindet, macht dem Pfarrheim hinter sich Platz, dem Grün der Wiese, der knarzigen Rinde eines Baums. Wer ganz langsam vor der "Apate" entlangschreitet und den Blick immer auf sie gerichtet lässt, wird versinken in dieser kunstvollen Erzählung, wird sich am Ende schwindelig fühlen und immer wieder von vorn beginnen wollen. Eine Droge fürs Auge. Ganz legal.

Die Münsinger Ruth Kohler durchschreitet die "Gassen" von Marina Hermanns Installation "Coloured City".

(Foto: Felicitas Amler)

www.kv-lenggries.de

Transparenz - mit Buntstift erzeugt von Jürgen Dreistein.

(Foto: Harry Wolfsbauer)