Vor zwei Jahren haben sich die Volkshochschulen (VHS) der Städte Wolfratshausen, Geretsried, Bad Tölz und der Gemeinde Lenggries zusammengetan. Ein Schritt, um Synergien zu nutzen: Kompetenzen wurden gebündelt und der Erfahrungsaustausch unter den Teams erleichtert, die nun Aufgaben gemeinsam bearbeiten, die ehedem jede Volkshochschule für sich lösen musste.
Die Volkshochschulen firmieren unter dem gemeinsamen Namen „Isar-VHS“. Dennoch haben alle vier ihre Eigenständigkeit und regionale Verankerung bewahrt. Ausgangspunkt für die Gründung waren die Anforderungen des Bayerischen Volkshochschulverbandes, der seinen kleineren Mitgliedern empfahl, sich unter anderem aus finanziellen Gründen in Verbünden zu organisieren. Die enge interkommunale Zusammenarbeit erwies sich als Erfolgsmodell. Das haben sowohl die Bürgermeister der beteiligten Kommunen als auch die Leiterinnen und Leiter der VHS nun bei einem Pressegespräch bestätigt.
Der Zusammenschluss sei die „beste Idee, die wir je hatten“, sagte Geretsrieds Bürgermeister Patrik Kohlert. Und Marcus Stiegler, Leiter der Tölzer VHS, bilanzierte, der Verbund habe die anfängliche Erwartungshaltung mehr als übertroffen. Das beweise unter anderem das Siegel „Recognised by EFQM – 2 Star for Sustainaible Performance 2026“, das die Isar-VHS erneut erhalten habe, und zwar mit voller Punktzahl. Alle drei Jahre müssen sich die Volkshochschulen laut den Vorgaben des bayerischen Gesetzes zur Förderung der Erwachsenenbildung zertifizieren lassen, um staatliche Fördermittel zu erhalten. Die Isar-VHS hat sich für das international anerkannte EFQM-Modell entschieden. Punkte gab es nicht allein für die Qualität der Organisation, besonders gewürdigt wurde auch die Zusammenarbeit innerhalb des Verbundes.
„Ein Wahnsinnsprogramm“, sagt Bürgermeister Heilinglechner
Dass nicht nur die Bürgerinnen und Bürger der vier Kommunen von dem vielfältigen Programm profitieren, hob der Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner hervor. Alle 21 Landkreis-Gemeinden könnten partizipieren. „Die Erwachsenenbildung ist eine gemeindliche Aufgabe“, so Mehner. Sein Wolfratshauser Amtskollege Klaus Heilinglechner ergänzte, die VHS sei personell nicht „großartig aufgestellt“, biete dafür aber ein „Wahnsinnsprogramm“. Der Verbund sei eine Erleichterung, so Heilinglechner.
Der Zusammenschluss bietet viele praktische Vorteile: Verwaltungsabläufe können effizienter gestaltet werden. Es gibt ein einheitliches Qualitätsmanagement und einheitlich gültige allgemeine Geschäftsbedingungen, Preise und Honorare. Stiegler hob auch die gemeinsame Werbung und den gemeinsamen Internet-Auftritt hervor. Der Austausch untereinander sei hilfreich, sagte Beate Ruda von der Geretsrieder VHS. Gemeinsam plane man etwa das Jahresprogramm. Einmal im Monat treffe man sich, um Themen abzuarbeiten. Sabrina Schwarz (VHS Lenggries) betonte, für die Bürgerinnen und Bürger sei es praktisch, dass sie sich in allen Geschäftsstellen für Kurse einschreiben könnten – egal, wo diese stattfinden. Sei ein Kurs etwa in Lenggries ausgebucht, könne man die Interessenten an einen zum gleichen Thema in Bad Tölz weitervermitteln.
Die Volkshochschulen in Deutschland haben eine lange Tradition. Die Erwachsenenbildung wurzelt im 18. Jahrhundert – einerseits im Wandel von einer Agrar- zur Industriegesellschaft und andererseits in der Philosophie der Aufklärung. Die Bayerische Verfassung widmet der Erwachsenenbildung den Artikel 139: „Die Erwachsenenbildung ist durch Volkshochschulen und sonstige mit öffentlichen Mitteln unterstützte Einrichtungen zu fördern.“

