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Interessenskonflikt am Erlenweg:Widerstand gegen Holzpalais

Münsings Gemeinderat lehnt Bauprojekt in Sankt Heinrich ab

Von Benjamin Engel, Münsing

Es ist ein beispielhafter Interessenkonflikt. Ein Grundstückseigentümer hat seine Baupläne am Erlenweg in Sankt Heinrich schon mehrfach verändert, jetzt sollen in der kleinen Ortschaft am Südostende des Starnberger Sees zwei Doppelhäuser und ein Fünf-Parteien-Mehrfamilienhaus plus Tiefgarage mit 14 Stellplätzen entstehen. Die als Holzpalais der gehobenen Kategorie vermarkteten Wohngebäude möchte er möglichst lukrativ verkaufen. Doch der Mehrheit der Gemeinderäte ist diese Bebauung schlicht zu groß. Daher hat das Gremium das Projekt bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr abgelehnt, auch wenn die Rechtslage dies wohl nicht zulassen dürfte.

Das Tölzer Landratsamt hat nach dem negativen Votum der Gemeinderäte im Februar darauf verwiesen, dass die Baugenehmigung nicht verweigert werden kann. Auch die 1,20 Meter hohe Schallschutzwand auf der 80 Zentimeter hohen Böschung zur Seeshaupter Straße entspricht inzwischen der kommunalen Einfriedungssatzung. Eine Holzständerbauweise ist vorgesehen. Um die alten Bäume am Grundstück besser zu schützen, soll das nördliche Doppelhaus sogar eineinhalb Meter verschoben worden. Für die Münsinger Bauverwaltung ist das Vorhaben daher rechtlich zulässig, auch wenn Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) die Entwicklung für bedauerlich hält.

Der Dorfcharakter der Ortschaft mit kaum 150 Einwohnern ist durch Projekte wie dieses aus Sicht einiger Gemeinderäte jedenfalls ernsthaft bedroht. "Ich bedaure zutiefst, wie sich Sankt Heinrich verändert hat", sagte Susanne Huber (Freie Wähler). Für die Fischermeisterin aus altansässiger Familie sind am Erlenweg einfach zu viele Wohnungen geplant. Durch solche Bauprojekte würden zunehmend gut betuchte Städter angezogen, meinte sie. Die Zusammensetzung der Einwohnerschaft werde sich verändern. Dass das Tölzer Landratsamt die Bebauung für möglich halte, beklagte sie. Vor allem die Lärmschutzwand störte sie: "Wenn das alle nachahmen, werden wir wie Grünwald."

Auf dem Grundstück stand laut Huber einst ein kleiner Bungalow inmitten eines intakten Ökosystems an einem Bachlauf. Daher habe es einen "Hauch von Hohn" für sie, dass der jetzige Eigentümer an die Gemeinde geschrieben habe, das Ortsbild von Sankt Heinrich werde wieder schöner, wenn er das Projekt realisieren könne. Die vielen Bauvorhaben der vergangenen Jahre vertrage Sankt Heinrich nicht, stimmte Thomas Schurz (CSU) ein. Der Bauwerber müsse verstehen, dass ein bisschen weniger ein bisschen mehr sei, und dass man nicht alles der Rendite unterordnen sollte.

Das ändert aber nichts daran, dass das wohl Baurecht für das Projekt besteht - worauf auch Bürgermeister Grasl verwies. Mit einer klaren Mehrheit von zwölf zu sieben Stimmen entschied sich das Gremium aber letztlich erneut gegen das Bauvorhaben. Jetzt muss das Tölzer Landratsamt weiter prüfen.

© SZ vom 29.07.2020

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