Interaktiver Unfallatlas Schnell, schneller, tot

Der Kesselberg zwischen Kochel- und Walchensee ist für Motorradfahrer besonders gefährlich. Die Serpentinenstrecke zählt zu den unfallträchtigsten Straßen in Bayern. Auch auf der Garmischer Autobahn A 95 kracht es oft, wie der Unfallatlas im Internet zeigt.

Von Benjamin Engel

Die Rüttelstreifen am Kesselberg sollten Biker zum vernünftigen Fahren bewegen. Doch aus Sicht des Staatlichen Bauamts in Weilheim hatte diese Maßnahmen kaum Erfolg. Deshalb wurden die Rüttelstreifen im April nach vierjähriger Testphase wieder abmontiert.

(Foto: Manfred Neubauer)

Wer sicher ans Ziel kommen möchte, sollte Landstraßen meiden. Im Vorjahr sind im Landkreis elf Personen infolge von Verkehrsunfällen gestorben - ausschließlich auf Bundes- und Staatsstraßen. Bei Icking waren zwei 19-jährige Schäftlarner nach einem Überholmanöver auf der B 11 gegen einen Baum gekracht. Auf der B 472 um Bichl kamen bei zwei Unfällen ein Motorrad- und zwei Autofahrer ums Leben. 2017 gab es 3714 Unfälle, also 8,8 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Zahl der Verletzten (769 Personen) ging um 0,6 Prozent zurück.

Wie häufig es auf den Straßen zu Unfällen kommt, bei den es Verletzte gibt, veröffentlichen die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder nun in einem interaktiven Unfallatlas im Internet für die Jahre 2016 und 2017.

Rund um die vier Städte der Region - Wolfratshausen, Geretsried, Bad Tölz sowie Penzberg - kommt es am häufigsten zu Zusammenstößen. Immer wieder kracht es auch auf der Garmischer Autobahn A 95. Für Motorradfahrer ist der Kesselberg zwischen Kochel- und Walchensee besonders gefährlich. Die Serpentinenstrecke zählt zu den unfallträchtigsten Straßenabschnitten in ganz Bayern. Allerdings sind dort auch besonders viele Motorradfahrer unterwegs. Auf neun Kilometern schraubt sich die Straße über rund 250 Höhenmeter bis zum Sattel zwischen Jochberg und Herzogstand hinauf, um danach in Kehren zum Walchensee hinunterzuführen. Der Unfallatlas macht genau sichtbar, wo es kracht. Demnach gab es am Kesselberg 2016 und 2017 jeweils an die 20 Unfälle mit Personenschaden.

An der Plattform im Internet beteiligen sich derzeit neun von 16 Bundesländern. In Bayern können die Nutzer das Straßennetz jeder Kommune detailgenau heranzoomen. In starker Vergrößerung werden rote Punkte sichtbar. Damit ist im Unfallatlas je ein Unfall mit Personenschaden markiert. Wer darauf klickt, kann weitere Informationen abrufen, etwa ob es Leicht-, Schwerverletzte oder Tote gab. Die Unfälle lassen sich danach filtern, ob Fußgänger, Rad-, Auto- oder Motorradfahrer beteiligt waren. Für die Statistik erfassen die Statistischen Ämter allerdings nur die von der Polizei gemeldeten Unfälle. Nicht anzeigen lassen sich Zusammenstöße mit Sachschaden.

An so viele trockene Tage am Kesselberg wie im vergangenen Sommer - und damit ideales Motorradwetter - kann sich Steffen Wiedemann in keinem anderen Jahr erinnern. Er leitet die Polizeistation in Kochel am See. Damit ist er mit Kollegen häufig als erster an der Strecke, wenn es Unfälle gibt. Seiner Einschätzung nach hat es trotz des schönen Wetters heuer auf den Serpentinen kaum häufiger gekracht als im Vorjahr. Doch für belastbare Zahlen aus dieser Saison müsse die Polizeistatik erst noch ausgewertet werden, sagt Wiedemann. Im April hatte das Staatliche Bauamt Weilheim die sogenannten Rüttelstreifen am Kesselberg nach vierjähriger Testphase abmontiert. Die niedrigen, quer über die Straße montierten Schwellen sollten die Unfallzahlen bei Motorradfahrern senken. Aus Sicht des Staatlichen Bauamts in Weilheim hatte die Maßnahme kaum Erfolg.

In Wolfratshausen sind die Königsdorfer und die Sauerlacher Straße am unfallträchtigsten. Auf beiden Strecken waren unter den Verletzten auch einige Radfahrer. Im Mai hatte der Wolfratshauser Stadtrat beschlossen, dass Radfahrer auf den Hauptverkehrsstraßen künftig einen Schutzstreifen bekommen. In der Kreisstadt Bad Tölz häufen sich die Unfälle etwa an der Kreuzung von Sachsenkamer Straße und Bundesstraße 472 beim Eisstadion. Öfter kracht es ebenso an der Kreuzung mit der Bundesstraße 13 südlich des Moraltparks oder rund um die Einmündung der Osterleite in die Bahnhofstraße.

Vergleichsweise oft gab es Unfälle mit Verletzten auf der B 11 bei Wolfratshausen und Geretsried. Gleiches gilt für die Staatsstraße 2070 von Wolfratshausen Richtung Egling. In Penzberg zählen die Seeshaupter, Karl- und Bichler sowie die Bahnhofstraße zu den Strecken mit den meisten Verletzten. Zudem nehmen im Landkreis Autos, Motorräder, Busse und Lastwagen weiter zu. Laut Bayerischem Landesamt für Statistik waren 2017 im Landkreis 97 973 Fahrzeuge zugelassen. Vor sechs Jahren waren es erst 89 507.