Es ist beängstigend, wie leicht scheinbar stabile und über Jahre gewachsene Strukturen hinweggefegt werden können. Dazu muss man nicht in die USA schauen, es reicht ein Blick in die eigene Stadt oder Gemeinde. Seit mehr als zehn Jahren hat der Verein „Hilfe von Mensch zu Mensch“ in München und der Region verlässliche Integrationsarbeit für Geflüchtete geleistet. In vielen Fragen waren die Beraterinnen und Berater erste und kompetente Ansprechpartner – und dies aus Sicht der Steuerzahler zu einem äußerst günstigen Tarif. Dass es zwei einstigen Mitarbeitenden in München gelungen ist, erst den Ruf und dann die gesamte Organisation mit weitgehend haltlosen Vorwürfen gegen die Vereinsgründerin zu zerstören, macht sprachlos. Dass die Stadt München und alle umliegenden Landratsämter dabei zugeschaut haben, ebenfalls.
Die Lücken in der Integrationsberatung, die sich nun zwischen Icking und der Jachenau auftun, dürften sich schwer schließen lassen. Statt neun wird es künftig nur noch fünf Beraterstellen geben, und die werden nicht dezentral, sondern auf der Tölzer Flinthöhe angesiedelt sein. Das ist besser als nichts. Aber schnelle und pragmatische Lösungen lassen sich fraglos leichter finden, wenn man sich an einen vertrauten Menschen in der Nachbarschaft wenden kann, anstatt die Fahrt ins Landratsamt anzutreten.
Alarmierend und allzu kurz gedacht sind daher auch die Pläne des Freistaats, Security in kleineren Unterkünften einzusparen. Die Begründung, dort laufe doch alles gut und es seien kaum Polizeieinsätze nötig, ist ein Zirkelschluss. Dass kleine Probleme oft nicht größer werden, liegt vielfach an den Leuten in Uniform, die als erste Ansprechpartner fungieren und wissen, wie sich in ihrer Unterkunft die Wogen wieder glätten lassen – einfach von Mensch zu Mensch. Intakte gewachsene Strukturen zu zerstören, zahlt sich nicht aus. Allenfalls für die AfD.

