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Innerparteiliche Debatten:Einfach anders

Die Grünen in Schäftlarn nutzen den Wahlkampf, um an ihrem Programm zu feilen. Bei acht Themenabenden dürfen die Bürger ihre Ideen einbringen

Der Unterschied zwischen CSU und Grünen hätte in Schäftlarn kaum größer ausfallen können. So zumindest wirkt es auf den ersten Blick, wenn beide Parteien ihre Wahlprogramme vorstellen. Christian Fürst, Bürgermeisterkandidat der CSU, hat seine Ideen am Mittwochabend leidenschaftlich im vollen Saal eines Gasthauses kundgetan. Fragen gab es nach der 45-minütigen Rede so gut wie keine, Frauen waren bei den Anwesenden in der Unterzahl. Die Grünen indes wollen ihr Wahlprogramm mit den Schäftlarner Bürgern bei acht Themenabenden diskutieren. Bei Bier und Bio-Knabbereien hat ihr Bürgermeisterkandidat Marcel Tonnar die Veranstaltungsreihe am Donnerstag eröffnet.

Bei der ersten Runde ging es um "Grünes Wirtschaften". "Ich habe mein eigenes Ingenieurbüro", stieg Tonnar in das Thema ein, "eigentlich bei meinen Eltern in Niederried. Das kann ich wegen der schlechten Datenanbindung aber nicht nutzen." Die Forderung des 49-Jährigen gleicht der von der CSU-Konkurrenz: Glasfaserleitungen bis vor jede Haustüre, möglichst schnell, mit dem Angebot der Deutschen Glasfaser. Nach einer Diskussion über das Telekommunikationsunternehmen klemmte Tonnar die erste Karteikarte an die eigens dafür angebrachte Leine: "Glasfaser". An der Schnur wurden die Ideen des Abends aufgereiht.

Kommunalwahl 2020

Marcel Tonnar tritt für die Grünen in Schäftlarn an.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Grünen wollen lokale Unternehmer in Schäftlarn ansiedeln. Bei der Vorstellungsrunde am Donnerstagabend stellte sich nämlich heraus: Einige der rund 20 Anwesenden haben zwar ein eigenes Gewerbe, aber eben nicht in Schäftlarn. Deshalb soll es eine Börse für Gewerbebetreibende geben, bei der diese Räume zur Miete finden können. Koordinieren soll dies ein durch Fördergelder finanzierter Wirtschaftsbeauftragter. "Das Konzept haben wir zwar schon initiiert, aber nichts ist passiert", sagte Gastgeber und Gemeinderat Christian Lankes. Eine weitere Idee, die laut Lankes im Rathaus "in der Versenkung verschwunden" sei: Ein Ort, um verschiedene Handwerker zusammenzuführen, sowie ein Raum für junge Menschen mit Startup-Ideen.

Und mit diesem Punkt ist man auch schon beim wichtigsten Thema des Wahlkampfs: Die Raumnot in Schäftlarn. Diese resultiert groteskerweise auch aus dem Umstand, dass viele Leute ihre Immobilien lieber leer stehen lassen, statt diese zu vermieten. Tonnar ist der Auffassung: "Man muss intensiv auf die Eigentümer zugehen und ihnen Absicherungen geben. Vielleicht haben sie Angst, die Leute nicht mehr rauszubekommen."

Die Grünen wollen bestehende Gebäude auch deshalb so gut wie möglich nutzen, um außerhalb des Ortszentrums keine neuen Flächen versiegeln zu müssen. Miriam Fröhlich, 28 Jahre alte Listenkandidatin der Grünen, fragte: "Perspektivisch gesehen: Wollen wir das wirklich blockieren?" Tonnars Antwort: "Platz und leer stehende Gebäude sind genug da. Zum Beispiel die Fläche am Kloster."

Marcel Tonnar:

"Man muss intensiv auf die Eigentümer zugehen und ihnen Absicherungen geben. Vielleicht haben sie Angst, die Leute nicht mehr aus ihren Häusern rauszubekommen."

Auch bei den kommenden Diskussionsabenden der Öko-Partei wird es um Raumnutzung gehen. Am Donnerstag, 23. Januar, wird die Sporthallenproblematik im Fokus stehen. Die Grünen fordern - im Gegensatz zu den anderen Parteien in Schäftlarn - keine Mehrzweckhalle. Vielmehr wünschen sie sich drei verschiedene Hallen, darunter eine neue für den Vereinssport. Zudem soll die Grundschulhalle renoviert werden und eine alte Scheune für Festlichkeiten aller Art umgebaut werden. "Langfristig ist mein Traum ein Kulturstadl, weil ich ja auch in der Blasmusik bin", sagte Tonnar.

Am 7. Februar wollen die Grünen von 19.30 Uhr an im Currywurscht & Co über die "Wachstumsregion München" sprechen. Wie die anderen Parteien sind auch sie der Auffassung: "Wir wollen dem Siedlungsdruck aus München nicht nachgeben, der irrsinnige Pendlerströme verursacht", sagte Lankes. Am 13. Februar soll es in seiner Schreinerei von 19.30 Uhr an um altersgerechtes Wohnen gehen. Tonnar schweben Mehrgenerationenhäuser vor, sowie extern betreute Wohnungen. Einen von der Stadt mitfinanzierten Bus für Senioren solle es außerdem geben. Der Ingenieur, dessen Eltern in Schäftlarn leben, erläuterte: "Den Bus kann man anrufen, damit man abgeholt und zum Arzt gebracht wird." Am 15. Februar wollen die Grünen im Currywurscht & Co von 15 Uhr an mit Schäftlarns Jugendlichen über deren Wünsche sprechen. Wie alle Parteien fordern die Grünen einen Jugendraum. Die beiden jüngsten Anwesenden am Donnerstagabend, zwei Männer, 18 und 21, waren sich jedoch einig: "Im Großen und Ganzen soll Schäftlarn so bleiben, wie es ist." Die Wiese an der B11 beispielsweise solle nicht verbaut werden, damit man dort auch weiter Schlitten fahren könne. Die Termine für die weiteren Themenabende der Grünen in Schäftlarn: "Workshop Ortsentwicklung", Samstag, 25. Januar, 15-17 Uhr, Currywurscht & Co; "Kinder sind unsere Zukunft", Donnerstag, 30. Januar, 20-22 Uhr, Steiger & Lankes; "Biologische Landwirtschaft", Mittwoch, 4. März, 19.30-22 Uhr, Ort noch unbekannt

© SZ vom 18.01.2020
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