Infoabend in Icking Sorge wegen Geothermie

Die Bürger haben viele Fragen zum geplanten Kraftwerk.

Von Claudia Koestler

Mit der geplanten Geothermieanlage auf Ickinger Flur könnte der Landkreis der erste werden, der die Energiewende vor 2035 schafft. Doch der Weg dorthin ist noch weit, und die Bürger bewegen zahlreiche Sorgen und Fragen, die sie bei der Informationsveranstaltung der Gemeinde am Donnerstag beantwortet wissen wollten. Insbesondere die Frage des Standorts der maximal 8500 Quadratmeter großen Anlage - "eine für Icking völlig untypische Ausdehnung", sagte Bürgermeisterin Margit Menrad - und die Immissionen wurden angesprochen. Kritisch hinterfragten die Ickinger außerdem die Erdbebengefahr und die Nutzung der Wärme neben der Stromerzeugung.

Bereits Ende Dezember hatte der Scoping-Termin mit Vertretern der Forstbehörde, der Naturschutzbehörde, des Landratsamtes und der Autobahndirektion stattgefunden. Dabei sollte geklärt werden, ob die Anlage nicht besser in der angrenzenden, gemeindlichen Waldfläche aufgehoben wäre. Doch laut Planer Uwe Feickert hätten beide Varianten keine signifikanten Unterschiede in Sachen Sichtbarkeit und Lärmemission ergeben. Da der Wald, eingestuft als Schutzwald, ökologisch wertvoller sei als das Feld, werde dieses präferiert. Für ihn sei die Standortdiskussion aber noch nicht abgeschlossen, er sehe noch Verbesserungsmöglichkeiten - etwa durch einen erweiterten Wall oder eine Verlagerung der Anlage nach Süden.

Inga Moeck vom Leibniz-Institut Hannover bestätigte als unabhängige Expertin zwar, dass es Zusammenhänge zwischen Geothermie und Erdbeben gebe, "aber schwach im Vergleich" zu natürlicher Seismizität und anderer Bergbautechniken als Auslöser. In Unterhaching seien viele Mikrobeben registriert worden, die man aber nicht bemerke. Ihr Appell: "Fordern Sie vom Betreiber, ein Messnetzwerk aufzubauen."

Die Haftung aber ist laut Markus Wiendieck, Geschäftsführer der Projektplaner Erdwärme Bayern, klar geregelt: Wenn ein Schaden auftrete, müsse der Betreiber der Anlage nachweisen, dass er ihn nicht verursacht hat. Dass sich weitere Industrieanlagen ansiedeln könnten, die die Wärme nutzen, "das können und wollen wir mit dem Bebauungsplan verhindern", sagte Feickert. Sie aber für ein Fernwärmenetz zu nutzen, wollte Menrad nicht ausschließen. "Aber wir werden das nicht bis zur geplanten Inbetriebnahme der Anlage 2020 schaffen", erklärte sie. Denn Icking habe keine Wohnblöcke, sondern viele einzelne Häuser, was lange Leitungen und somit hohe Kosten bedeute. Inga Moeck rief aber auf: "Nutzen sie die Wärme, die ist nämlich in Zukunft eines der großen Probleme in Deutschland."

Der städtebauliche Vertrag, den die Gemeinde plant, regle unter anderem die Finanzierung eines eventuellen Rückbaus und die Kosten der Erschließung, versprach Menrad. Strom- und Rohrleitungen würden unter Flur gelegt, eine Belastung der Umwelt ist laut Wiendieck durch die hermetischen Bohrleitungen ausgeschlossen. Das Verkehrsaufkommen sei jedoch schwer zu prognostizieren. Für das Attenhauser Bohrloch sei die Zufahrt über die Raststätte Höhenrain unter der Autobahn hindurch vorgesehen. Wie der Walchstadter Bohrplatz erreicht werde, sei noch unklar, sagte Menrad. Das Fazit eines Bürgers ("hohes Risiko, keine ausgereifte Planung") wollten weder Moeck noch Wiendieck so stehen lassen: Die Fakten sprächen das Gegenteil. Doch "einen konkreten Vorteil für Icking kann ich im Moment nicht erkennen", gab Menrad zu. Außer, man sehe das große Ganze: "Wir haben uns immerhin der Energiewende verpflichtet."