Bad Tölz-Wolfratshausen:Haushalte im Landkreis verlieren 58 Millionen Euro

Lesezeit: 2 min

Gewerkschaft rechnet vor, wie sich Inflation und Kaufkraftverlust lokal auswirken und fordert spezielle Hilfen für Beschäftigte mit geringen Einkommen.

Von Claudia Koestler, Bad Tölz-Wolfratshausen

Wegen rasant steigender Preise gehen den Haushalten im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in diesem Jahr rund 58,1 Millionen Euro an Kaufkraft verloren - vorausgesetzt, die bisherige Teuerungsrate zieht nicht noch weiter an. Das rechnet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in einer Pressemitteilung vor. Allein bei Lebensmitteln müssten die Verbraucherinnen und Verbraucher mit Mehrausgaben von 27,1 Millionen Euro rechnen. Die NGG beruft sich hierbei auf eine regionale Kaufkraftanalyse des Pestel-Instituts (Hannover).

Danach sind Menschen mit schmalem Portemonnaie besonders betroffen: In den 22 500 Haushalten, in denen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Alleinerziehende und Singles mit einem monatlichen Nettoeinkommen von weniger als 2000 Euro leben, belaufen sich die hochgerechneten Kaufkraftverluste - vom Heizen bis zum Einkauf im Supermarkt - bis Jahresende auf 14 Millionen Euro. NGG-Regionalgeschäftsführer Manuel Halbmeier spricht von "alarmierenden Zahlen". Durch die Preissteigerungen drohten soziale Verwerfungen, wenn die Politik nicht durch weitere, gezielte Entlastungen gegensteuere. "Vom Kellner bis zur Bäckereifachverkäuferin - Beschäftigte, die keine Spitzenverdiener sind, müssen derzeit jeden Cent zweimal umdrehen. Wer ohnehin schauen muss, wie er bis zum Monatsende durchkommt, bei dem schlagen die aktuellen Mehrausgaben enorm zu Buche", sagt Halbmeier.

Laut Pestel-Institut sind die gestiegenen Lebensmittelpreise ein besonderer Inflationstreiber: Der durchschnittliche Haushalt im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hat in der ersten Jahreshälfte allein bei Nahrungsmitteln eine Zusatzbelastung von 38 Euro im Monat zu tragen. Die Mehrausgaben für Energie belaufen sich auf monatlich 34 Euro, Mobilität verteuerte sich um neun Euro. Nach Beobachtung der NGG treffen die Preissprünge im Supermarkt "ausgerechnet die Menschen besonders stark, die selbst mit Lebensmitteln arbeiten - ob im Restaurant, in der Brauerei oder in der Backwarenfabrik".

Zwar sei es der Gewerkschaft in diesem Jahr gelungen, durch Tarifabschlüsse etwa im Gastgewerbe kräftige Lohnerhöhungen zu erzielen. Die Inflation drohe jedoch, diese zunichte zu machen. "Was wir jetzt brauchen, sind spezielle Hilfen für Beschäftigte mit geringen Einkommen. Aber auch für Rentnerinnen und Rentner, Studierende und Arbeitsuchende. Die bisherigen Entlastungspakete der Bundesregierung reichten nicht aus. Der Geschäftsführer der NGG-Region Rosenheim-Oberbayern spricht sich für einen "Energiepreisdeckel" aus, um Privathaushalte vor explodierenden Kosten für Gas und Strom zu schützen. Dabei müssten alle Entlastungen sozial ausgewogen sein. Halbmeier: "Starke Schultern können mehr tragen als schwache. Deshalb wäre es auch konsequent, Reiche stärker an der Finanzierung der Krisenlasten zu beteiligen - zum Beispiel durch eine einmalige Vermögensabgabe."

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