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Infektionsschutz:Volksfest nein, Eismärchen ja

Unterhaching, Bürgerfest, nicht ganz plastikfrei, die Lebkuchenherzen sind aber in Folien aus Maisstärke eingepackt,

Kein Herzelverkauf in Penzberg heuer. Festwirt Christian Fahrenschon hat das Volksfest-to-go abgesagt.

(Foto: Angelika Bardehle)

Festwirt Christian Fahrenschon erteilt den Penzbergern überraschend eine Absage. Dafür soll das Schlittschuh-Vergnügen auf dem Stadtplatz trotz Corona-Krise zum siebten Mal stattfinden.

Von Alexandra Vecchiato

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht für die Penzberger. Die Gute: Die Stadt möchte der Corona-Krise zum Trotz in der kommenden Wintersaison "Hannis Eismärchen" durchführen. Das hat der Finanzausschuss des Stadtrats beschlossen. Die Schlechte: Es wird entgegen der Ankündigung kein Volksfest-to-go geben. Festwirt Christian Fahrenschon hat überraschend abgesagt. Als Alternative versucht Bürgermeister Stefan Korpan (CSU), ortsansässige Caterer und Standbetreiber für ein wenig Budenzauber in der Innenstadt zu gewinnen.

Es hatte nach einem guten Kompromiss ausgesehen. Der Stadtrat sprach sich im August dafür aus, dass Fahrenschon einige Fahrgeschäfte und Buden im Zentrum verteilt aufbauen könne. Dem traditionellen Volksfest auf der Berghalde hatte das Gremium zuvor wegen der Corona-Pandemie eine Absage erteilt. Mit der To-go-Variante schien Fahrenschon glücklich, allerdings nicht mit der Tatsache, dass die finanziell in diesem Jahr gebeutelten fahrenden Standbetreiber pro laufenden Meter sechs Euro entrichten sollten. Er habe bis Mittwoch keinen Kontakt zu Fahrenschon herstellen können, berichtete Korpan. Er werde weiter das Gespräch suchen. Für ihn sei die Nachricht, dass der Wirt nun doch nicht nach Penzberg kommen wolle, überraschend gewesen. Um die Ausgaben für die Standgebühren zu kompensieren, sei die Stadt bereit gewesen, Essensmarken im Gegenwert von 1000 Euro abzukaufen.

Fahrenschon hätte Standorte beim Bahnübergang, auf dem Thierer-Grundstück, vor dem Kaufhaus Rid und der Buchhandlung Rolles sowie vor der ehemaligen Metzgerei Zörner und der VR-Bank beziehen können, ebenso vor dem Gasthaus Koinschaufe, dem städtischem Parkplatz bei Rewe und dem Stadtplatz. Diese Orte sagten dem Wirt nicht zu. Ihm wurden andere offeriert, wo keine Gebühren fällig und dennoch Anschlüsse an Strom und Kanal vorhanden sind: Edeka, Baumarkt und ein Autohaus. Doch auch diese gefielen ihm letztlich nicht.

Anders als beim Volksfest obliegt die Organisation des Eismärchens der Stadt. Dass es im Winter 2020/2021 wieder das Schlittschuh-Vergnügen auf 600 Quadratmetern auf dem Stadtplatz geben solle, darüber war sich der Finanzausschuss einig. Auch wenn niemand absehen kann, wie sich das Infektionsgeschehen entwickeln wird. Sollten die Corona-Fallzahlen nicht drastisch steigen, findet das Eismärchen vom 5. Dezember 2020 bis 10. Januar 2021 statt.

Möglich ist die Durchführung nur mit einem Hygienekonzept, das das Landratsamt Weilheim-Schongau abgesegnet hat. Die Stadt hatte 250 Besucher beantragt, die sich gleichzeitig auf der Eisfläche und dem Schmankerlmarkt aufhalten dürfen. Die Kreisbehörde schlug 200 vor, mit dem Hinweis, auch nichts gegen 250 Personen zu haben. Letztlich einigte sich der Ausschuss auf 200 Personen: 150 auf der Eisfläche und 50 auf dem Markt gleichzeitig.

Die Einhaltung muss überwacht werden, was aufwendig ist. Zum einem muss das gesamte Areal mit einem 1,50 Meter hohen Zaun umgeben werden. Der Eingang wird auf die Rathausseite verlegt. Wer die Veranstaltung betritt, muss Namen und Telefonnummer hinterlassen, um gegebenenfalls eine Infektionskette nachvollziehen zu können. Um auf die Eisfläche zu gehen, müssen die Besucher einen Mundnasenschutz tragen, ebenso beim Verlassen. Stark frequentierte Bereiche und Gegenstände, wie Leihschlittschuhe oder Figuren, die Kindern als Laufhilfe auf der Eisfläche dienen, werden regelmäßig desinfiziert. Dazu ist mehr Personal notwendig. Vor allem drei zusätzliche Security-Kräfte schlagen finanziell zu Buche.

Mit Einnahmen von gut 100 000 Euro wie 2019/20 könne man nicht rechnen, sagte Organisator Tom Sendl. Er setzt 80 000 Euro an. Stattdessen aber mit höheren Ausgaben. Für zusätzliche Security, den Zaun und die Hygienemaßnahmen rechnet die Verwaltung mit Mehrkosten von etwa 33 000 Euro. Die Ausgaben werden insgesamt mit 170 000 Euro veranschlagt. Veranstaltungen wie die Roche-Disco wird es nicht geben. Sollte sich die Corona-Lage entspannen, sollen mehr Besucher zugelassen werden. Das Lärmschutzgutachten, das Veranstaltungen auf dem Stadtplatz unter Vorbehalt sieht, spielte keine Rolle in der Sitzung. Es soll im Oktober dem Stadtrat vorgestellt werden.

© SZ vom 18.09.2020/aip

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