In Wolfratshausen und Umgebung:Natürliches Wachstum anregen

Luftbild Wolfratshausen

Vielfältige Vegetation fanden die Wolfratshauser Grünen unter anderem noch an der Loisach, im Bergwald und hinter den Gebäuden der Marktstraße.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Grünen diskutieren Lösungsansätze für mehr ökologisch wertvolle Flächen im Stadtgebiet

Von Wolfgang Schäl, Wolfratshausen

Es ist eine fatale Kettenreaktion: Luftverschmutzung, chemische Keule und Intensivbewirtschaftung in der Landwirtschaft, das Umpflügen von Feldrändern und allgemeiner Flächenfraß - das alles sind Faktoren, die der Artenvielfalt zusetzen. Mittlerweile hat auch das Insektensterben eingesetzt, das Vögeln und Fledermäusen zunehmend die Nahrungsgrundlage entzieht. Vor diesen Hintergrund haben die Wolfratshauser Grünen Überlegungen angestellt, wie dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten sei, und bei einem Schwerpunktabend zum Thema "Naturnahes Grün für und in Wolfratshausen" über mögliche Lösungsansätze nachgedacht.

Justyna Czajka, Vorstandsmitglied des Ortsverbandes, hatte sich im Vorfeld auf die Suche begeben, wo es in der Stadt noch ökologisch wertvolle, naturnahe Flächen gibt, "Wiesen, wo es noch summt und brummt", und war auf diverse Blumenarten gestoßen, deren Namen allenfalls dem botanisch Interessierten noch geläufig sind, so etwa der Blaue Heinrich, die Nachtkerze, der Wiesen-Pippau und die Witwenblume. Fündig wurde sie auf Flächen, die nicht bepflanzt und gestaltet, sondern einfach sich selbst überlassen und gerade deshalb besonders wertvoll sind. Vielfältige Vegetation fand Czajka unter anderem an Isar und Loisach, im Bergwald, in Farchet, am Geretsrieder B 11-Kreisel, an der Angerwiese und am Gipsenweg, beim Weidacher Feuerwehrhaus, an der Happschen Apotheke, und hinter der Drogerie Müller, wo die Vegetation geradezu "märchenhaft und verzaubert" wirke. Umso heftiger prangerte Heinz Wensauer an, dass die Stadt ausgerechnet im Happschen Garten einen Parkplatz bauen wolle. Das sei "grauenhaft" und "eine Todsünde".

Naturnahe Arten finden sich nach Aussage eines Diskussionsteilnehmers auch im Bereich von Bahngleisen. Ein Zuhörer wies allerdings darauf hin, dass allein die Deutsche Bahn für 50 Prozent des gesamten Glyphosatverbrauchs verantwortlich sei. Stadtrat Hans Schmidt konstatierte insgesamt aber ein mittlerweile gewachsenes Bewusstsein für naturnahe Flächen und plädierte dafür, auch Straßenbegleitgrün im großen Rahmen als Magerwiesen zu gestalten. Uneinig waren sich die Gesprächsteilnehmer über die ökologischen Auswirkungen des Springkrautes. Der Meinung, dass diese alle anderen Arten überwuchernde, ursprünglich aus Indien eingewanderte Pflanze großflächig ausgerissen werden sollte, widersetzte sich ein an der Debatte beteiligter Landwirt und Imker - für Wildbienen sei das Springkraut durchaus eine wichtige Nahrungsquelle.

Im Zusammenhang mit dem Thema Flächenverbrauch sprach sich Schmidt für ein Gewerbeflächenkataster aus. Es sei nachvollziehbar, wenn Gemeinden sich um Wachstum bemühten, dieses aber müsse sich "an den Menschen orientieren". Zwar sei man im hiesigen Landkreis mit dem Flächenverbrauch noch relativ sparsam, trotzdem aber sei es wichtig, "immer erst einmal nachzudenken, bevor man den Bagger anrollen lässt".

Einig waren sich Gäste des Abends darin, dass man ein ökologisches Umdenken nur erreichen könne, "indem man diejenigen anspricht, die überhaupt ansprechbar sind". Für entsprechende Motivation gelte es beispielsweise an den Schulen zu sorgen. Darüber hinaus gebe es allerlei Kurse wie "Urban Gardening", die es ermöglichten, in der Stadt Flächen auch für den Anbau von Gemüse zu nutzen.

© SZ vom 04.07.2018
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