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In Lenggries:Tanz in der Luft

Simone Heitinga Cirque du Soleil

Körperbeherrschung ganz oben: Simone Heitinga, die auch schon für den "Cirque du Soleil" tätig war, gibt im Klettergarten Lenggries Kurse für Yoga in luftigen Höhen.

Beim "Aerial Yoga" im Hochseilgarten Lenggries trainieren die Teilnehmer in hängenden Tüchern - und schaffen mühelos den Handstand

Von Sandra Freudenberg, Lenggries

Yoga wird ja inzwischen fast überall praktiziert: im Park, mit Hunden und Alpakas, in auf Saunatemperatur aufgeheizten Räumen oder auf Stand-up-Paddling-Brettern mitten auf dem See. In Lenggries gewinnt der indische Meditationssport nun sogar ungeahnte Höhen, denn er findet oben in der Luft statt. "Aerial Yoga" nennt sich die Spielart, die vereinfacht gesagt Yoga mit Unterstützung eines schaukelförmigen Tuches ist, das von der Decke hängt. Im Hochseilgarten Lenggries ist dieser Sport neuerdings unter freiem Himmel und an frischer Luft mit Blick in die Berge möglich: Die Artistin und Instruktorin Simone Heitinga und ihr Partner Axel Berger brauchen weniger als eine Stunde, um den Teilnehmern ein Gefühl von Tanzen in der Luft zu vermitteln.

Die zierliche Luft-Akrobatin Heitinga, ganz klassisch in Ballerina-Rosa gekleidet und jede Bewegung fließend ausführend, hantiert unter dem hölzernen Dach des Hochseilgartens umher: Yoga-Matten richtet sie exakt unter luftig in im Wind schwingenden Tüchern aus, das Mikrofon im brombeerschwarzen Haar muss noch einmal neu befestigt werden, und das eineinhalbjährige Töchterchen Mila Rosa will auf den Arm. Ihr Partner, der aus Gaißach stammende Axel Berger, prüft zum wiederholten Mal die Befestigungen der Tücher. In denen sollten die Teilnehmer ins Schwingen und bestenfalls in den Flow kommen, einen geistigen Schwebezustand.

Die beiden Veranstaltungs-Profis, beide waren beim "Cirque du Soleil Special Event" tätig, begrüßen die fünf Teilnehmer beim ersten "Aerial Yoga"-Kurs im Hochseilgarten warmherzig und aufmunternd. Einige von ihnen, so stellt sich heraus, haben weder besondere Kenntnisse über Yoga, noch artistische Fähigkeiten, die über einen Purzelbaum hinausgehen.

Spielerisch leitet die Tänzerin und Artistin die Gruppe Schritt für Schritt an, und bald haben sich alle ohne große Mühe in den Tuchsitz hinaufgeschwungen und schaukeln vergnügt vor sich hin.

Der einstige Bundestrainer der Fußballnationalmannschaft Sepp Herberger soll einmal gesagt haben, dass die Menschen ins Fußballstadion gehen, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht. Vielleicht ist dies auch die Motivation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sich in Lenggries die Luft zu wagen. Einmal oben in den Tüchern angekommen, fühlen sie sich jedenfalls sehr wohl. Nach weniger als 40 Minuten schweben alle Beteiligten kopfüber in der Luft, und unter Anleitung Heitingas gehen sie in die Mutter aller Yoga-Stellungen: den "Hund", bei dem man mit Händen, Gesäß und Füßen ein Dreieck bildet. Dann geht es wieder zurück in die Schaukelposition und von dort aus kurze Zeit später sogar in den Handstand.

Simone Heitinga Cirque du Soleil

Sieht einfach aus, ist es aber nicht: Simone Heitinga bei einem ihrer Aerial-Yoga-Kurse im Lenggrieser Hochseilgarten.

"So muss es sich angefühlt haben, als man als Kind schaukeln gelernt hat", erklärt Melanie aus Landshut nach dem Training. "Mühelos, ohne Aufwand in den Handstand", berichtet einer der männlichen Teilnehmer, "das hatte ich mir schon lange gewünscht."

Am Ende verlassen alle den Hochseilgarten mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen. Spielerisch zu lernen und sich wie in einer Manege zu fühlen lässt offenbar schöne Kindheitserinnerungen aufleben.

Das "Aerial Yoga" findet jeden Samstag- und Sonntagvormittag statt. Eine Einheit dauert circa eineinhalb Stunden und kostet 20 Euro. Maximal fünf Teilnehmer turnen mit je sechs Metern Abstand. Anmeldung unter Telefon 0175/ 9420051 oder per E-Mail an simone@aerialart.de

© SZ vom 01.09.2020

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