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In Eurasburg:Sammelaktion für Wildblumen

Die Gemeinde soll bunter blühen, Bürger sollen mitmachen

Im Mai wurde in den Eurasburger Privatgärten eine positive Veränderung beobachtet: "Auf vielen Flächen, die in anderen Jahren oft bereits gemäht waren, standen noch Wiesen mit langen Grashalmen und viele Blumen dazwischen. Auf schon gemähten Flächen ragten größere Margeriten-Inseln über den Rasen hinaus. Hummeln, Wildbienen und Schwebfliegen waren schon unterwegs, auch Fliegen, Käfer und Schmetterlingsraupen, Nahrung für die Jungvögel im Nest." Das schreiben Wolfgang Neuerburg, Leiter der Lokalen Agenda, und Carola Belloni, Umwelt- und Energiebeauftragte der Gemeinde Eurasburg, in einer Pressemeldung. Dies sei ein "wunderbarer Anfang", doch nun gehe es weiter: Eurasburg soll auch außerhalb der Gärten und ganzjährig bunter werden. Dafür will die Agenda der Gemeinde Wildblumen auf öffentlichen Flächen ausbringen, um so für Bienen und andere Insekten eine Lebensgrundlage zu schaffen.

In der Wildnis öffneten sich Blüten gestaffelt über den Sommer hinweg, so dass eigentlich immer Nahrung für Insekten vorhanden sein könnte, wenn es denn genügend Pflanzen gäbe. Auf den landwirtschaftlichen Flächen blühe jedoch nach Mai kaum mehr etwas und dann hungerten Bienen und deren wilde Verwandte. Auf gekaufte Samenmischungen zurückzugreifen sei allerdings nicht immer eine gute Idee, erklären die beiden. Oft stammten die Samen aus gezüchteten Beständen, kämen aus anderen Klimazonen, seien andere Böden gewohnt und verschwänden schnell wieder. Auch Bienenblumen wie die Phacelia gehörten eigentlich nicht in die heimische Natur, sie komme aus Amerika und sei nicht winterhart. "Alles, was wir bräuchten, ist hier in unserer Gegend zu finden auf versteckten Magerwiesen oder auch in manchen wildbelassenen Gärten oder an sonnigen, spätgemähten Hängen", schreiben Neuerburg und Belloni.

Die Eurasburger Agenda bittet deshalb die Bürger um Mithilfe. Wer auf seinem Grundstück Wildblumen hat, sollte sie bis fast zur Samenreife stehen lassen, dann die Stengel mit Samenkapsel abschneiden und kopfüber ein, zwei Wochen in einer Papiertüte oder in einem Stoffbeutel aufhängen, bis die trockenen Samen sich herauslösen lassen oder von alleine abfallen - in die Tüte. Man könne die Pflanzen auch auf Papier legen und so trocknen lassen. Bei Pflanzen mit großen Samen sollte ein Teil per Hand in einer Papiertüte gesammelt werden. Keinesfalls sollte Plastik verwendet werden, da Schimmelbefall drohe.

Bürger könnten den gesamten Sommer über sammeln, auch in der Natur, "aber natürlich immer nur ein bisschen, damit der Standort erhalten bleibt", schreiben Neuerburg und Belloni. Wichtig sei, dass keine gesetzlich geschützten, seltenen Pflanzen gesammelt und keine landwirtschaftlichen Wiesen betreten werden. Auch das giftige Jakobs-Keuzkraut dürfe keinesfalls als Samen ins Saatgut hineingelangen.

Um die Pflanzenart zu bestimmen, sollten Sammler entweder in Pflanzenbüchern nachschauen, sich im Internet kundig machen oder ein Foto schießen, wenn Zweifel bestehen, und dieses dann per E-Mail an umweltenergie@eurasburg.de schicken. "Dann melden wir uns", versprechen die beiden.

Den genauen Ablauf der Sammelaktion und welche Arten sich eignen können Interessierte auf www.eurasburg.de/umwelt nachlesen oder unter dem Reiter "Verbände und Agenda". Das Projekt wird anschließend in die zweite Phase, nämlich in die Erstellung der Pflanzeninseln, gehen: das Ausmagern mit Sand und Kies. Erst in der dritten Phase werde dann auf diesen Magerinseln ausgesät. Alle, die mithelfen wollen, können sich per E-Mail an wolfgangneuerburg@gmx.de wenden.

Die Samen wiederum sollten mit dem Stichwort "Wildblumensamen" sowie Ort, Datum und Zusammensetzung der Arten gekennzeichnet und im Rathaus in Eurasburg abgegeben werden. Kleine Mengen können auch im Briefkasten am Eingang eingeworfen werden.

© SZ vom 03.06.2020 / cjk

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