In der Wolfratshauser LoisachhalleSchwindelerregendes Niveau

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Vor 26 Jahren fand das Philharmonische Orchester Isartal zusammen. Mit künstlerischem Leiter Christoph Adt hat sich das Ensemble weiterentwickelt.
Vor 26 Jahren fand das Philharmonische Orchester Isartal zusammen. Mit künstlerischem Leiter Christoph Adt hat sich das Ensemble weiterentwickelt. Harry Wolfsbauer

Das Philharmonische Orchester Isartal begeistert mit einem Jubiläumskonzert

Von Reinhard Szyszka, Wolfratshausen

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Einer muss das letzte Wort haben. Als Dirigent Christoph Adt am Samstag den strahlenden Schlussakkord von Tschaikowskis Schwanensee-Suite abgewinkt hatte, klapperte noch ein einzelner tiefer Ton im Fagott hinterher. Der "Schuldige" lief sicherlich rot an, doch Adt und das Publikum nahmen es mit Humor. In der kleinen Panne entlud sich die Anspannung nach einem langen und anspruchsvollen Konzertabend, der durch vier Epochen der Musik geführt hatte.

Fast auf den Tag genau vor 26 Jahren hatte das Orchester sein allererstes Konzert gegeben - unter anderem Namen, mit einem anderen Dirigenten. Der Abend am Samstag bot eine eindrucksvolle Leistungsschau, welche enorme Steigerung in diesen 26 Jahren erreicht worden ist und auf welches für Laien geradezu schwindelerregende Niveau Adt das Orchester geführt hat. Nun ist Adt nicht der Mann, bei der Qualität oder bei den Tempi Abstriche zu machen, wenn er ein Laienensemble vor sich hat. Die Verantwortung gegenüber den Werken und die musikalische Wahrhaftigkeit bestimmen die Interpretation. Gemeinsam mit dem Vereinsvorstand stellt Adt Programme zusammen, die für das Orchester eine Herausforderung darstellen. Nur wer die Messlatte hoch legt, kann besser werden.

Der Abend in der gut besuchten Loisachhalle begann mit der Karelia-Suite von Jean Sibelius, einem spätromantischen Werk, geschrieben für einen Festumzug. Das geradezu jahrmarkthafte Tschingderassassa der beiden Ecksätze stellte die Blechbläser vor anspruchsvolle Aufgaben. Die Hörner bewältigten die gefürchteten Solostellen zu Beginn ohne Kiekser - na ja, fast ohne Kiekser -, und auch die Trompeten glänzten. Beim Mittelsatz gelang es den Musikern, eine wehmütige Stimmung heraufzubeschwören.

Dann der Sprung in die Wiener Klassik mit Mozarts Sinfonia Concertante für Violine, Viola und Orchester. Die beiden Solisten, der Geiger Erich Höbarth und der Bratschist Hariolf Schlichtig, hätten unterschiedlicher kaum sein können. Während Höbarth an manchen Stellen fast schwebte und sein Instrument scheinbar mühelos zum Jubeln brachte, musste Schlichtig deutlich mehr "ackern". Dies schlug sich auch in den kontrastierenden Klangfarben nieder, die besonders bei den gemeinsamen Kadenzen auffielen: ätherisch-himmlisch der eine, kräftig-erdverbunden der andere. Dennoch gelang den beiden Künstlern eine völlig ausgewogene und schlüssige Interpretation des herrlichen Mozart-Werks - woran auch das Orchester seinen Anteil hatte. Mit 22 Geigern, zehn Bratschen, zehn Celli und sechs Kontrabässen war die Streichergruppe eigentlich viel zu stark besetzt für Mozart. Adt bestand aber darauf, dass jeder mitspielen durfte, und es gelang ihm das Kunststück, ein tragendes Piano zu zaubern, das die Solisten niemals zudeckte.

Für die Qualität des Orchesters spricht auch, dass Höbarth und Schlichtig nach ihrem Auftritt nicht einfach ihre Gage kassierten und verschwanden, sondern sich den zweiten Teil vom Saal aus anhörten. Dieser zweite Teil begann mit einem Barockwerk, dem Weihnachts-Concerto von Arcangelo Corelli, mit dem das Orchester vor 26 Jahren das allererste Konzert eröffnet hatte. Der Basso Continuo war aus logistischen Gründen nicht mit Cembalo besetzt, sondern mit Harfe, weil dieses Instrument beim nachfolgenden Werk ohnehin benötigt wurde. Die Harfe als Cembalo-Ersatz klang gewöhnungsbedürftig; die Streicher aber zeigten hier ihr Können, ihre Klangkultur und ihre tadellose Intonation.

Der Abend in der Wolfratshauser Loisachhalle klang aus mit Tschaikowskis Schwanensee-Suite. Bei dieser hochromantischen Musik glänzte das Orchester in allen Klangfarben. Die Holzbläser hatten ihren großen Auftritt beim Tanz der Schwäne, und bei der nachfolgenden Szene zeigten Konzertmeisterin Valerie Nothaft und Cellist Philipp Braunschweig ihre solistischen Qualitäten. Adt hatte die beiden letzten Sätze getauscht und ließ die Suite mit dem schwungvoll-schmissigen Csárdás ausklingen.

Danach war die Begeisterung des Publikums groß, doch Dirigent und Orchester waren nach dem langen Programm sichtlich erschöpft und verzichteten verständlicherweise auf eine Zugabe.

© SZ vom 05.12.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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