Mit dem Wechsel in ein neues Jahr wird es in dem Antikatelier Franck in Bad Tölz auch einen Wechsel der Generationen geben: Sohn Daniel Franck übernimmt den Laden und die Eltern Benno Franck und Paola Fontana widmen sich wieder verstärkt der Restaurationstätigkeit in der Werkstatt. Die ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Institution in der Kurstadt geworden.
Im Showroom von Antiquitäten Franck in der Lenggrieser Straße reihen sich Bauernschränke an Biedermeiermöbel unter hölzernen Wanduhren. Auf einem Tisch steht blau bemaltes Teeservice und der Weg führt vorbei an Puppenwagen und bunten Porzellanschweinen. Zwischen den Antiquitäten stehen die feuchtkalte Dezemberluft und Benno Franck mit schlohweißem Haar, er hat es im Nacken zusammengebunden und trägt einen roten Pullover. Es ist Totalabverkauf im Laden von Antiquitäten Franck. "Das Lager ist noch viel zu voll, wir brauchen Platz", erklärt Benno Franck. Im Hause Franck steht nämlich mit dem Jahreswechsel, spätestens aber im Februar, der Generationswechsel an. Sohn Daniel Franck übernimmt den Antiquitätenladen gegenüber der Werkstatt. Daniel sei vorwiegend Händler, sagt Benno Franck. Er und Partnerin Paola Fontana hingegen hätten immer in der Werkstatt gearbeitet, manchmal sogar nächtelang und zur Musik der Rolling Stones, ein natürlicher Muntermacher, wie er lachend bemerkt. Und jetzt wollen sie wieder zurück zu den Anfängen in ihrer Werkstatt: Hier wird gemalt, restauriert und poliert, die Wände sind voll mit Mustertafeln für Bauernschränke, Wandtafelungen und alten Hobeln. "Wir sind in alle Richtungen kreativ", sagt Benno Franck.
In diesen Räumen trifft man auch auf Paola Fontana. Die gebürtige Italienerin geht hier unter anderem der Malerei nach und führt gemeinsam mit Benno Franck die Werkstatt. Viele fragten, wie man denn 24 Stunden am Tag mit einem Mann zusammen sein kann, lacht sie. Nun, Benno Franck ist seit 50 Jahren an der Seite von Paola Fontana. "Wir ergänzen uns eben", sagt sie. Kennengelernt hat sich das Paar am Bodensee, wo Franck aus dem Norden nach der Malerlehre hingezogen war, und Paola Fontana als Gastarbeiterin aus dem Trentino tätig war.

Am Ende war es die Bauernmalerei, weshalb Benno und Paola nach Bad Tölz gekommen und dort geblieben sind. Zuvor hatte der gelernte Maler Benno Franck in Schleswig-Holstein Milchkannen bemalt- und wurde über einen Kontakt schließlich in einen Betrieb für Bauernmöbel ganz ans andere Ende der Republik, nach Bad Tölz, vermittelt. Ein Jahr hat Benno Franck in dem Tölzer Betrieb gearbeitet, um sich anschließend gemeinsam mit Paola Fontana selbständig zu machen im Bereich der Restaurierung - weil es ihm in dem vorherigen Betrieb zu eintönig geworden war, wie er erzählt.
Seit 1983 gibt es nun die Werkstatt Franck, anfangs in der Nockhergasse, seit 1989 am heutigen Standort in der Lenggrieser Straße, und sie ist in Bad Tölz längst zu einer Institution geworden. Auch über die Kurstadt hinaus hat sich das Team Franck-Fontana einen Namen in der Restaurierungsszene gemacht: Von Sylt über Südfrankreich und Österreich bis Italien seien sie nachgefragt worden, um etwa Wandbilder für Schlösser und alte Villen anzufertigen, erzählt Paola Fontana. Der Kontakt lief dabei meistens über Mundpropaganda von Innenarchitekten und Experten, einen Internetauftritt hat die Werkstatt bis heute nicht.

Die Bauernmalerei haben die beiden mittlerweile größtenteils eingestellt, die Nachfrage ist seit etwa 30 Jahren rückläufig, sagt Benno Franck. Auch die früher beliebten Schützenscheiben werden heutzutage nur noch selten bei ihnen in Auftrag gegeben. Den Betrieb für die traditionsreichen Tölzer Möbel etwa, in dem Benno Franck angefangen hat, gibt es heute nicht mehr und auch um den bemalten Bauernschrank steht es gerade schlecht, er hat in den vergangenen Jahrzehnten massiv an Wert verloren: "Kleinmöbel gehen heutzutage besser als große Möbel, die brauchen zu viel Platz." Viele Menschen hätten heute keinen Keller oder Dachboden mehr und niemand kaufe mehr ein Möbelstück, das ein Leben lang halten solle. "Die Jungen gehen sowieso lieber zu Ikea", sagt Benno Franck. Trotzdem ist der Antikmarkt für ihn ein zukunftsträchtiges Geschäft. Der Markt boome zwar nicht mehr so wie zu Francks Anfängen, wendet er ein, aber gute Ware könne man immer verkaufen. "Man braucht heute eben mehr Geduld."
Und so bleiben Paola Fontana und Benno Franck auch weiterhin in ihrer Werkstatt, malen, restaurieren, polieren und marmorieren. Und sie sammeln antike Objekte, die sie etwa bei Wohnungsauflassungen oder direkt von Anbietern erwerben. Das wichtigste Kriterium: "Es muss uns gefallen." Das sei geschäftlich wie privat so, wie Benno Franck erklärt. Wer durch den Showroom bummelt und sich schon an den vielen Ausstellungsobjekten nicht sattsehen kann, wäre überrascht, was es darüber hinaus bei Benno Franck und Paola Fontana daheim zu schauen gäbe. "Es ist halt unsere Welt, Räume einzurichten", sagt er.