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In Bad Tölz:Günstige Wohnungen für Familien

Das alte Holzner-Anwesen an der Königsdorfer Straße muss dem neuen Mehrfamilienhaus der Stadt weichen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Stadt plant mehrstöckiges Wohnhaus in Holzbauweise an der Königsdorfer Straße

Nach dem Bau von 18 preisgünstigen Domizilen an der Osterleite wendet sich die Stadt Bad Tölz dem nächsten Sozialprojekt dieser Art zu. Sie will das Anwesen Königsdorfer Straße 77 abreißen und durch einen Neubau mit insgesamt neun Mietwohnungen ersetzen. Darin sollen vor allem Familien eine bezahlbare Unterkunft finden. Die Stadträte im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss billigten am Donnerstagabend grundsätzlich den Entwurf für das dreigeschossige Gebäude, forderten allerdings Verbesserungen für die Fassade und die Lüftung.

Das Besondere an dem Plan: Der Neubau soll in Bad Tölz das erste mehrstöckige Wohngebäude sein, das aus Holz errichtet ist. Dafür muss das alte Anwesen weichen, in dem früher einmal Anton Holzner lebte. Der Rechtsanwalt, der katholisch-konservativen Kreisen angehörte, war nach dem Zweiten Weltkrieg von der amerikanischen Militärregierung als Bürgermeister eingesetzt worden. In dem neuen Mehrfamilienhaus, das 32,5 Meter lang und 11,2 Meter breit ist, sind sechs Vierzimmerwohnungen mit je 89,2 Quadratmetern vorgesehen, dazu drei Dreizimmerwohnungen mit je 77,37 Quadratmetern.

Jedes Domizil hat auf der Westseite einen Balkon, der nicht nach außen ragt, sondern in das Gebäude eingerückt ist. Die Mitte des Wohnhauses prägt eine große Fensterfront, die den Blick in ein Kalttreppenhaus mit Aufzug freigibt. Auf der Ostseite dominieren schmale Fenster die Fassade, hinter ihnen befindet sich unter anderem die Küche. Das Souterrain, das für den Hochwasserschutz um einen Meter angehoben wird, beherbergt die Keller für die Mieter, einen Fahrradraum, Lager, einen Trockenraum. Draußen sind noch ein einstöckiges Nebengebäude, ein Gemeinschaftsplatz und ein Kinderspielplatz vorgesehen, die man ebenso wie das Haupthaus barrierefrei über eine Rampe erreicht. 25 Parkplätze sind vor dem Neubau zur Königsdorfer Straße hin angeordnet.

"Schön, dass wir so ein Projekt haben", befand Stadträtin Margit Kirste (FWG). Dem Lob ließ sie allerdings ein großes Aber folgen: Weil die bezahlbare Mietwohnungen brauchen. Für CSU-Fraktionssprecher Ingo Mehner wäre das soziale Wohnbauprojekt in dieser Form "ein kleiner Gegenakzent" im Badeteil, wo meist Senioren leben. Das Kurviertel würden damit "eine Verjüngung erleben", sagte er.

Die Architektur missfiel Andrea Grundhuber (Grüne). Die sei doch arg gewöhnungsbedürftig, meinte sie. Zum einen wegen der großen Fensterfront im Treppenhaus, zum anderen aber wegen der schmalen Fenster auf der Ostseite, die sie als "Schießscharten" apostrophierte. "Wir sind jetzt nicht im Krieg", rügte Grundhuber und fragte: "Können wir nicht ein normales Haus bauen?" Außerdem kritisierte sie die dezentralen Lüftungsanlagen, die Bauamtsleiter Christian Fürstberger mit dem Hinweis auf die Energieeinsparverordnung (EnEV) verteidigte.

Sorgen wegen des Brandschutzes trieben René Mühlberger (CSU) um. Der Stadtrat und Leiter der Geretsrieder Feuerwehrschule äußerte zwar Verständnis für den ökologischen Aspekt der Holzbauweise. Dennoch forderte er die Stadtverwaltung auf, nochmals zu prüfen, "ob der ordinäre Ziegelstein hier nicht seine Berechtigung hat". Ein mehrgeschossiges Wohnhaus ganz mit Holz auszustatten, "das war vor ein paar Jahren noch undenkbar", sagte Mühlberger.