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Bad Tölz-Wolfratshausen:Langes Warten auf den Pikser

GRÖBENZELL: Corona Impfung im Altenheim St. Anton

850 Menschen wurden im Landkreis bislang geimpft – nun sollen am Wochenende weitere Impfdosen eintreffen.

(Foto: Leonhard Simon)

Weil erst am Wochenende die nächsten Vakzindosen im Landkreis eintreffen sollen, bittet das Landratsamt die Bürger vorerst noch um Geduld. Die Impfzentren stehen zwar bereit - können aber noch nicht öffnen.

Von Felix Haselsteiner, Wolfratshausen

Im Awo-Seniorenzentrum in Wolfratshausen ist der Start in das Jahr 2021 so positiv verlaufen, wie man sich das vorgestellt hatte. Damals, als im Herbst klar wurde, dass Impfstoffe gegen Covid-19 baldige Realität und kein ferner Zukunftstraum sind, war plötzlich Licht am Ende des Pandemie-Tunnels zu sehen. Nun haben immerhin die Schwächsten der Gesellschaft den Schutz bekommen, der bald alle erreichen soll.

Am 2. Januar kam das mobile Impfteam ins Demenzzentrum in Wolfratshausen, alle impfwilligen Bewohner und Pflegekräfte konnten sich an diesem Tag impfen lassen. "Etwa die Hälfte der Bewohner wollte geimpft werden", sagt Qualitätsmanagerin Gabi Strauhal, "bei den Pflegekräften waren es etwas weniger." Im Demenzzentrum, wo die meisten Patienten die Entscheidung über eine Impfung nicht selbst treffen konnten, so Strauhal, sei das eine durchaus normale Quote - die sich noch verbessern könnte. Bei keinem der Geimpften sei irgendeine Nebenwirkung zu sehen gewesen, nicht einmal Kopfschmerzen hätten die Leute gehabt, sagt Strauhal. Daher wollten sich nun einige weitere Pflegekräfte doch noch impfen lassen, am liebsten in zweieinhalb Wochen, wenn das mobile Impfteam erneut kommt, um die zweite Dosis der Impfung zu verabreichen. "Uns wurde gesagt, dass das möglich sei", sagt Strauhal. Es ginge schließlich darum, möglichst viele zu impfen, auch wenn manche nicht von Anfang an dabei sein wollen.

Die Impfungen an sich seien völlig reibungslos abgelaufen, so das Feedback des Demenzzentrums. Allein der bürokratisch Vorlauf habe sich lang hingezogen, da habe es "mehrere Hürden" gegeben. Und Hürden könnten auch in den kommenden Wochen noch auftauchen, wenn nicht mehr nur die Bewohner der Pflege- und Seniorenheime, sondern langsam auch der Rest der Bevölkerung geimpft werden soll. Am Wochenende sollen die nächsten Dosen des Impfstoffs im Landkreis ankommen, teilt das Landratsamt mit. Dann soll es sofort weitergehen mit den Impfungen, die bislang 850 Menschen in der Region erhalten haben. "Die mobilen Impfteams stehen bereit, sodass, auch wenn die Information sehr kurzfristig angekündigt wird, sofort alles Nötige veranlasst werden kann", sagt Marlis Peischer, Pressesprecherin im Landratsamt. Die mobilen Impfteams sollen dann planmäßig die restlichen Heime versorgen - erst danach sind die Senioren dran, die zu Hause leben.

Laut der Prioritätenliste des Bundes folgen nach Pflegeheimbewohnern und Pflegekräften die über 80-jährigen, die in der kommenden Woche ein Schreiben mit den Anmeldemodalitäten erhalten sollen und über den "voraussichtlichen Impfstart in den Impfzentren informiert werden", so Peischer. Wann genau es jedoch so weit sein wird, steht immer noch nicht fest. "Noch steht der Impfstoff nicht in der Menge zur Verfügung, dass man in den Impfzentren tatsächlich mit der Impfung beginnen könnte", heißt es vom Landratsamt. Die mobilen Teams seien derzeit die einzigen, die Impfungen durchführen. Die Frage nach Öffnung der Impfzentren dürfte jedoch immer lauter werden, denn Versorgungsschwierigkeiten beschäftigen nicht nur den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, sondern das gesamte Bundesgebiet.

Aktuell ist auch die Telefon-Hotline, bei der man sich über die bevorstehenden Impfungen und möglichen Termine informieren kann, noch nicht aktiv. "Um Ärger über ins Leere laufenden Anrufe oder Terminabsagen, weil der Impfstoff vielleicht doch noch nicht eingetroffen ist, möglichst zu vermeiden, hat man sich dazu entschieden, abzuwarten, bis alle Details geklärt sind", so Peischer. Somit bleibt es vorerst dabei, dass ironischerweise die Bürger gefordert sind, wenn es ums Impfen geht: Das Landratsamt jedenfalls bittet um "etwas Geduld".

© SZ vom 08.01.2021
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