Immobilien Bauboom in Wolfratshausen

Das Geschäft brummt: Kapitalanleger investieren in Wolfratshausen in Büros, Läden und Wohnungen. Interessiert sind Angestellte größerer Unternehmen wie Linde und Peroxid, aber auch des Geheimdienstes.

Von Wolfgang Schäl

Die Stadt Wolfratshausen steht vor einem regelrechten Bauboom, an allen Ecken und Enden werden im kommenden Jahr die Bagger anrollen. Größtes Vorhaben ist derzeit die Nutzung der Angerwiese in Weidach. Auf dem 36000 Quadratmeter großen Gelände das von der Anger- und Auenstraße sowie vom Mühlpointweg umschlossen wird, entstehen demnächst 45 neue Häuser. Das unansehnliche Aldi-Gelände an der Königsdorfer Straße ist nach langem Leerstand vor wenigen Tagen endlich verkauft worden, hier sollen voraussichtlich 36 Wohnungs-, Büro- und Ladeneinheiten hochgezogen werden, auch Ärzte werden sich hier niederlassen.

Aus alt mach neu: Wo früher der Wolfratshauser stand, sollen Wohnungen und Büros entstehen.

(Foto: Manfred Neubauer)

An der Sauerlacher Straße 52 bis 54, wo eines der wenigen noch alten Wolfratshauser Bürgerhäuser abgebrochen wurde, sind 16 hochmoderne, luxuriöse Wohnungen geplant, und an der Isarstraße, wo die Stadt bisher ihre Obdachlosen untergebracht hat, werden nach deren Umzug in die neuen Räume an der Münchner Straße ebenfalls Wohnungen aus dem Boden wachsen - 13 Einheiten und vier Reihenhäuser.

Dazu kommt noch die Verwertung des alten Postgeländes und des Opel-Obermaier-Grundstücks an der Bahnhofstraße. "Es rührt sich was", frohlockt dementsprechend Immobilienmakler Carlheinz Bartsch, der sich nicht nur über die Bautätigkeit selbst freut, sondern auch über das gewaltige Interesse der Kunden. Nach seiner Beobachtung investieren viele verunsicherte Kapitalanleger mit Blick auf schwankende Aktienkurse und die zur Zeit niedrigen Zinsen lieber in Immobilien, auch wenn sie nicht selbst in die Häuser einziehen wollen.

So sind nach den Worten des Maklers von den 45 Häusern, die auf der Angerwiese entstehen, schon 43 reserviert und davon wiederum 20 verbrieft. Und von den 13 Wohnungen an der Isarstraße stehen nur noch zwei zum Verkauf. "Ich habe eigentlich täglich Notartermine", versichert Bartsch, der auf die günstige Verkehrslage, den hohen Freizeitwert der Stadt und auf die im Vergleich zum Münchner Süden noch günstigen Preise hinweist.

Das Mietniveau setzt Bartsch bei Neubauwohnungen bei rund zehn Euro pro Quadratmeter an, beim Kauf - etwa beim Aldi-Projekt an der Königsdorfer Straße - veranschlagt er 2500 bis 3200 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Die Häuser an der Auenstraße bewegen sich Bartsch zufolge zwischen 370000 und 470000 Euro. Als Interessenten melden sich Angestellte größerer Unternehmen wie Linde und Peroxid, aber auch des Bundesnachrichtendienstes, die den S-Bahn-Anschluss schätzen.

Ob die Stadt bei einer so stürmischen Entwicklung mit der Infrastruktur nachkommt? Bürgermeister Helmut Forster sieht da keinen Anlass zur Sorge. Was die Zahl der Kindergartenplätze betrifft, habe man sich gut aufgestellt, sagt er mit Blick auf die neue Tagesstätte "Auf der Haid". Bis alle Maßnahmen umgesetzt sind, werde es mindestens zwei Jahre dauern, und dann müsse man ja immer noch die demografische Entwicklung dagegenrechnen.

Trotz der Wohnprojekte werde man jederzeit über freie Kapazitäten in den Kitas verfügen, ist sich das Ratsoberhaupt sicher. Für diese Zwecke stelle man ja ohnehin jedes Jahr neue Bedarfsermittlungen an. Nachdem die Stadt Millionen in ihre Schulen investiert habe, sehe man auch hier keinen Engpass - "wir sind gut aufgestellt", sagt Forster, eine Aussage, die er nicht zuletzt auf die Abwasserentsorgung bezieht. "Bei den Gleichwerten haben wir immer noch Luft." Allenfalls der Verkehr könnte sich aus Forsters Sicht stark verdichten. "Aber was sollen wir da machen? - Wohnen ist eben ein Grundrecht."