Im Straßenverkehr:Gegen Findling im Kreisverkehr

Kreisverkehr Osterleite

Mit seinen üppigen Blumen ist der Kreisverkehr aus der Lenggrieser Straße/An der Ostleite sommers eine Pracht - sogar in der Nacht.

(Foto: Manfred Neubauer)

Tölzer Grüne scheitern abermals mit dem Antrag, den Kreisel an der Lenggrieser Straße/Osterleite umzugestalten

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Der Kreisverkehr an der Einmündung der Osterleite in die Lenggrieser Straße in Bad Tölz ist sommers eine Augenweide. Die Verkehrsinsel in der Mitte blüht in allen Farben, immer wieder mal tauschen die Mitarbeiter des städtischen Bauhof die Blumensorten aus und sorgen so für Abwechslung. Daran soll sich auch künftig nichts ändern. Der Bau- und Stadtentwicklungsausschuss lehnte in seiner jüngsten Sitzung nach längerer Debatte einen Antrag der Grünen-Fraktion ab, das Rondell neu zu gestalten und einen Findling ins Zentrum des Rondells zu stellen.

Der Vorschlag sieht vor, den rund 15 Tonnen schweren Gesteinsbrocken, der derzeit am Eingang des städtischen Betriebshofs liegt, in der Mitte der Insel zu platzieren. Um den 2,40 mal 2,50 Meter großen und etwa 1,40 Meter hohen Findling sollen große Isarkiesel drapiert werden, der Rest soll eine Blühwiese sein. Damit, so die Grünen, zitiere man die Tölzer Kalkbrenner-Tradition und die Wildflusslandschaft der Isar. All dies sei pflegeleicht und lenke "wenig von der zentrale Aufgabe der Verkehrslenkung ab". Die Idee ist alles andere als neu: Die Grünen hatten den Antrag schon im Mai 2012 im Bauausschuss gestellt, waren damals jedoch gescheitert. Nach der Kommunalwahl im Vorjahr brachten ihn die Stadträte Franz Mayer-Schwendner und Dorothea Bigos erneut ein, das Thema wurde seinerzeit aber erst einmal vertragt.

Mit der Umgestaltung konnten sich die meisten Stadträte auch diesmal nicht anfreunden. Von Bürgerinnen und Bürgern sei er mehrmals angesprochen worden, ob eine solche Veränderung wirklich nötig sei, berichtete Michael Ernst (SPD). Außerdem stellte er die Frage, ob die Verkehrssicherheit nicht beeinflusste werde: "Wenn ich über den Kreisverkehr drüber brettere, dann hält mich der Findling sicher auf." Im Übrigen wundere er sich darüber, warum man einen der schönsten Kreisel in Bad Tölz zupflastern wolle. Zweifel äußerte Ernst auch an den angegebenen Kosten von rund 4000 Euro für den Transport und das Setzen des Findlings. Er glaube eher, dass die Ausgaben im fünfstelligen Bereich liegen, meinte er - zwischen 10 000 und 20 000 Euro. Dieses Geld solle man besser für die Kultur oder den Christkindlmarkt ausgeben. Den Sicherheitsbedenken widersprach Bürgermeister Ingo Mehner (CSU). "Es gibt keine Regelung, in der steht, dass so ein Stein nicht in der Mitte eines Kreisverkehrs liegen darf", sagte er.

Auch andere Stadträte mochten sich mit dem Vorschlag der Grünen nicht recht anfreunden. Julia Dostthaler (CSU) plädierte dafür, "in Corona-Zeiten eher soziale und kulturelle Projekte" zu fördern. Für CSU-Fraktionssprecher René Mühlberger ist der Findling vor dem Betriebshof an der rechten Stelle, am Kreisverkehr auf der Lenggrieser Straße "fehlt mir momentan nichts". Da die Stadt noch eine Reihe an neuen Kreiseln auf der Agenda habe, sollte man das Geld lieber dafür einsetzen. Für Karsten Bauer (CSU) ist ein Kreisverkehr, der begrünt ist, "ein Lichtblick". Weil dort "etwas Farbe ins Auge sticht", sagte er.

Dorothea Bigos konnte die Argumente gegen den Grünen-Antrag nicht so ganz verstehen. Ein Verkehrskreisel sei ja nicht geschaffen, um drüber zu brettern, sondern um das Rondell der Mitte herum zu fahren. Außerdem kenne sie auch Stimmen aus der Bevölkerung, die den Stein dort super fänden. Johannes Gundermann (Grüne) verwies mit Blick auf die Kosten darauf, dass man sich so den jährlichen Unterhalt weitgehend spare. Und Matthias Winter (CSU) meinte, durch die Umgestaltung erkenne man, "dass wir hier eine Findlingsgegend sind". Das sei "ein touristischer Aspekt", der man fördern sollte, hob Winter hervor.

© SZ vom 17.09.2021
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