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Im Nachbarlandkreis:Herausforderer der CSU

Landratskandidat Grüne 2020 WM

"Nachahmerhaft" nennt Karl-Heinz Grehl die Klimaschutzkonzepte der CSU und des Ministerpräsidenten Markus Söder.

(Foto: Manfred Neubauer)

Karl-Heinz Grehl, Landratskandidat der Grünen in Weilheim-Schongau, grenzt sich deutlich von der Partei der Amtsinhaberin ab. Klimaschutz, Mobilität und Integration sind seine Themen

Mit Verve hat Karl-Heinz Grehl es am Montag in seiner Bewerbungsrede um die Landratskandidatur in Weilheim-Schongau deutlich gemacht: Die Grünen seien die Herausforderer der CSU. Und von dieser grenzte er sich gleich thematisch ab. Die neuen Klimaschutzkonzepte der CSU um Markus Söder kritisierte er als nachahmerhaft; darin stehe keine Klimaschutzmaßnahme, " die wir nicht schon gedacht hätten". Mit 29 von 33 gültigen Stimmen wählte die Grünen-Kreisversammlung in Penzberg den stellvertretenden Landrat und einzigen Bewerber zu ihrem Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl 2020. Damit ist er ein Herausforderer der amtierenden Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU).

Seinen Schwerpunkt legt der 58-Jährige auf die Themen Siedlungsdruck, Integrationsarbeit, Mobilität und eine umfassende Umweltpolitik. Seine Maxime: "Alle Entscheidungen auf Klimafreundlichkeit und Gemeinwohl überprüfen." Schritte, wie den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) Ausstoß zu "bepreisen", reichen ihm nicht. Er glaube Veränderungen nur anhand messbarer Größen und das seien "die Tonnen CO2 die ausgestoßen und die Kilowattstunden, die eingespart werden".

Als konkrete Maßnahmen für den Landkreis Weilheim-Schongau nennt er den Ankauf von Moorflächen, um diese wieder zu befeuchten. "Diese bewirken eine hervorragende Senke für Kohlenstoffdioxid." Außerdem wolle er sich für einen Nationalpark in den Ammergauer Alpen einsetzten. Trotz allem wisse er, dass der Klimawandel bereits geschehe und sich der Landkreis darauf vorbereiten müsse. Land- und Forstwirtschaft müssten sich den Veränderungen anpassen. "Meine Welt ist gentechnikfrei und bio", so sein Credo.

Zur Frage, ob eine Anbindung an den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) möglich sei, äußert er sich zurückhaltend. Er sei zwar optimistischer, dass die Stadt München im Gegensatz zu den vergangen Jahren, "in denen uns der MVV bei Anfrage die kalte Schulter zeigte", wegen des Siedlungsdrucks Bereitschaft zeige, glaubt aber, das eine Anbindung nicht zeitnah umzusetzen sei.

Beim Thema Mobilität setzt er seinen Schwerpunkt in einer massiven Stärkung des Radverkehrs. Sein Ziel: "Wir müssen es schaffen, die Fahrradwege ordentlich auszubauen."

Alle Punkte konnte Grehl in seiner Bewerbungsrede für die Landratskandidatur gar nicht ansprechen, denn der Landtagsabgeordnete Andreas Krahl, Wahlleiter des Abends, verwies mehrmals auf die beschränkte Redezeit. Dafür kam in der anschließenden und stark genutzten Fragerunde ein Thema auf, das Grehl eine Herzensangelegenheit zu sein scheint: die Integrationspolitik. Die aktuelle hält er für gescheitert; er möchte sie nach der Maxime "Arbeit bedeutet Integration" verändern und verspricht, "Asyl wird mit mir anders werden". Er halte es für unsäglich, dass Somalier abgeschoben worden seien, die eine Ausbildung absolviert hätten und die der Arbeitsmarkt dringend brauche. Integration sollte seiner Ansicht nach dazu dienen, die Menschen langfristig am Leben und an der Arbeit teilhaben zu lassen.

Dem zunehmenden Siedlungsdruck möchte Grehl im Rahmen eines Regionalplans begegnen; hier sieht er vor allem Weilheim in der Pflicht. Als Oberzentrum müsse die Stadt seiner Ansicht nach mehr in die Schaffung bezahlbaren Wohnraums investieren. Weil Weilheim dieser Aufgabe nicht gerecht werde, verlagere sich der Siedlungsdruck in die kleinen Dörfer. Dies dürfe nicht sein. "Ein bayerisches Dorf soll ein Dorf bleiben, die Stadt soll für die Industrie zuständig sein", sagte er. Ein Negativbeispiel sieht er in dem Dorf Eberfing. "Wie ein Krebsgeschwüre wächst das Dorf in den Wald hinein."

Auf die Frage, wie er zu Industrie und Flächenverbrauch stehe, äußerte er sich differenziert. Einerseits sehe er das Problem, andererseits müsse man der Industrie Standorte für Produktionshallen anbieten. Vor allem angesichts der vielen Autozulieferer in der Region, die sich wegen der Umstrukturierung der großen Autobauer in einer Rezession befänden.