Im LandkreisFestanstellung fürs Leben im Alter

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Nach 28 Jahren gibt Peter Schöbel (li., neben Ernst Wieser) die Leitung des Seniorentreffs auf. Eva-Maria Rühling (2. v. re.) will nun eine Vollzeitstelle für die Seniorenarbeit schaffen, die Agnes Seiffarth (re.) besetzen soll.
Nach 28 Jahren gibt Peter Schöbel (li., neben Ernst Wieser) die Leitung des Seniorentreffs auf. Eva-Maria Rühling (2. v. re.) will nun eine Vollzeitstelle für die Seniorenarbeit schaffen, die Agnes Seiffarth (re.) besetzen soll. (Foto: Manfred Neubauer)

Der Wolfratshauser Nachbarschaftshilfeverein Bürger für Bürger findet seit Jahren keinen Nachfolger für die Leitung des Seniorentreffs. Nun will er eine Vollzeitstelle schaffen, finanziert von der Stadt

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

Bürger für Bürger in Wolfratshausen gehört mit fast 1400 Mitgliedern und mehr als 200 Helfern zu den größten Nachbarschaftsvereinen im Landkreis. Nun will der Verein die Seniorenarbeit, eines seiner wichtigsten Segmente, professionalisieren: Die beiden Ressorts Seniorenhilfe, bei der Ehrenamtliche betagten Bürgerinnen und Bürgern mit verschiedenen Diensten im Alltag helfen, und der Seniorentreff, der mit circa 250 Veranstaltungen im Jahr ein wichtiger Anker zahlreicher meist alleinstehender, älterer Damen und Herren ist, sollen zusammengelegt, für die Leitung der Seniorenarbeit eine Vollzeitstelle geschaffen werden - finanziert werden soll sie über einen Zuschuss der Stadt. Das Konzept unter dem Titel "Gut älter werden in Wolfratshausen" hat die Vorsitzende des Vereins, Eva-Maria Rühling, im Rathaus eingereicht.

Die Vollzeitstelle sei notwendig, um die wichtige Seniorenarbeit fortführen zu können, sagt Rühling. Denn Peter Schöbel, der den Seniorentreff seit mehr als 28 Jahren leitet, will schon länger aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Bereits vor drei Jahren hat der heute 78-Jährige den Wunsch geäußert, seine Tätigkeit niederzulegen. Rühling hat sich seitdem bemüht, einen Nachfolger zu finden - ohne Erfolg. "Ich habe jeden, der mir unter die Finger gekommen ist, gefragt." Ein Ersatz für Schöbel, der in all den Jahren nicht nur unzählige ehrenamtliche Stunden für die Organisation des Seniorentreffs gearbeitet, sondern auch seine Übungsleiterpauschale von 3000 Euro pro Jahr an den Verein zurückgespendet habe, sei nicht in Sicht.

Wolle man die Leistungen des Seniorentreffs mit mehr als 250 Veranstaltungen im Jahr in den Bereichen Freizeit und Hobby, Bildung und Kultur, Sport und Gesundheit aufrecht erhalten, "müssen wir jetzt unsere gesamte Seniorenarbeit neu organisieren, umstrukturieren und die beiden Ressorts Seniorenhilfe und Seniorentreff zusammenfassen", erklärt Rühling. Die Seniorenhilfe betreue derzeit mit circa 70 Helfern rund 95 Senioren. "Dabei ist sehr viel zu organisieren, zu besuchen, zu beraten", erklärt sie. Auch gebe es einen hohen Büroaufwand, da der Verein zahlreiche Leistungen auch mit den Krankenkassen abrechnen dürfe. "Einfach nur nebenbei und ehrenamtlich lassen sich diese beiden großen Ressorts nicht mehr betreuen."

Außerdem habe sich die Gesellschaft verändert, erklärt Rühling: Für viele hilfswillige Senioren sei es nicht mehr so leicht, nur ehrenamtlich zu arbeiten, weil sie sich zur kargen Rente etwas dazuverdienen müssten. Andere Neurentner wollten sich nach einem intensiven Arbeitsleben nicht erneut einen unbezahlten "Fulltime-Job" aufhalsen.

Zur Höhe der benötigten Mittel will Rühling vorerst nichts sagen. Schließlich habe sie das zwölfseitige Konzept erst im Rathaus eingereicht, nun müsse sich der Stadtrat damit befassen. Aus dem ursprünglichen Antrag, den der Verein "Bürger für Bürger" vor der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Kultur, Jugend, Sport und Soziales zurückgezogen hatte, weil das Konzept zu "Gut älter werden in Wolfratshausen" noch nicht vorlag, geht indes hervor, dass man mit etwa 40 000 Euro rechnet. Bislang zahlt die Stadt dem Verein zwei Minijobs für die Leitungen der Ressorts Vorkindergarten und Seniorenhilfe, sowie Mietzuschüsse für Räume an der Kräuterstraße und das "Pumpenhäuschen" am Loisachufer - insgesamt rund 32 000 Euro im Jahr.

Eine Besetzung für den neuen Posten hat Rühling bereits gefunden: Agnes Seiffahrth, die bislang nebenberuflich die Seniorenhilfe leitet, soll die geplante Vollzeitstelle übernehmen. "Sie ist die Idealbesetzung", ist Rühling überzeugt. Geplant sei, dass Seiffarth die neue Stelle zum April dieses Jahres antrete. So lange habe sich Schöbel bereit erklärt, zu bleiben und sie in sein bisheriges Ressort einzuarbeiten. "Der Bereich ist sehr vielfältig", sagt Rühling über den Seniorentreff. "Man muss viele Angebote finden an unterschiedlichen Orten der Stadt, es gibt viele Übungsleiter, mit denen man sprechen muss." Dank zahlreicher Spenden, die der Verein in den vergangenen Wochen und Monaten eintreiben konnte, ließen sich die ersten Monate noch ohne Zuschuss finanzieren, sagt Rühling. Sie hoffe aber auf einen baldigen Vertrag zwischen Stadt und Verein, der die Vollzeitstelle und damit die Fortführung der Seniorenarbeit langfristig sichere. Ob der Stadtrat dem Antrag trotz klammer Finanzlage zustimmt, wird sich zeigen. Mit dem vorgelegten Konzept des Vereins befassten sich derzeit die zuständigen Sachgebiete der Verwaltung, sagt Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW). "Wir versuchen, es mit den Vorstellungen der Stadt Wolfratshausen in Einklang zu bringen." Das Thema werde zeitnah im Ausschuss behandelt.

© SZ vom 04.02.2022 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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