bedeckt München 18°
vgwortpixel

Im Kloster Beuerberg:Tugendhaft in der Corona-Krise

Kloster Beuerberg ist zum fünften Mal Ausstellungsort.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Diözesanmuseum öffnet zu Pfingsten die neue Ausstellung

Der klösterliche Grundwert des Gehorsams hat durch die Corona-Pandemie an Aktualität gewonnen. Menschen müssen sich fragen, wie sie klug, gerecht, tapfer und maßvoll leben können. Was sollen sie hoffen, lieben oder glauben? Wer darüber nachdenkt, ist thematisch schon mitten in der neuen Ausstellung im Kloster Beuerberg. Sie fragt unter dem Titel "Tugendreich. Neue Zeiten - alte Werte?", nach welchen Grundprinzipien jeder Mensch seinen Alltag gestaltet. Doch bei der nunmehr fünften Schau in den früheren Ordensmauern ist vieles anders als in den Vorjahren. Sie öffnet fast einen Monat später als geplant, am Pfingstsamstag, 30. Mai, und zeigt sich interaktiver als bisher. Bewegen können sich die Besucher nur unter strengen Abstands- und Hygieneregeln.

Daher kommen nur maximal 70 Personen gleichzeitig in die 1400 Quadratmeter großen Ausstellungsräume - und das auch nur mit Mund- und Nasenschutzmaske. Laut Johanna Eder vom kuratierenden Diözesanmuseum Freising wird es heuer keine Führungen geben. Auch das sonst umfangreiche Rahmenprogramm mit Konzerten, Workshops und vielem mehr kann bis auf weiteres nicht stattfinden. Geöffnet haben wird aber die Klosterküche unter Corona-Sonderbedingungen.

Vergangenen Mittwoch hat das Team um Christoph Kürzeder, Direktor des Diözesanmuseums, mit dem Aufbau der Ausstellung begonnen. Die Besucher sollen sich auf einer Art Lehr- oder Tugendpfad bewegen, beschreibt Kürzeder die Leitlinie. Es gehe darum zu erfahren, was Tugenden wollten und welche es überhaupt gebe.

Zu den Kardinaltugenden zählt die Mäßigung. Eine Station mit Gegenständen aus dem Kloster soll zum Nachdenken anregen, wie jeder das rechte Maß finden kann. "Wie viele Objekte habe ich, wie hat sich dieser Kosmos vervielfacht?", beschreibt Kürzeder die Fragestellung. Wer wolle, könne auch einen der Gegenstände mitnehmen. "So betreiben wir eine Art Upcycling."

Sakrale Objekte machen die einzelnen Tugenden sinnlich erfahrbar; das Urteil des Salomo etwa die Gerechtigkeit. Andere Begriffe wie die evangelischen Räte - Empfehlungen aus dem Evangelium - Armut, Keuschheit und Gehorsam bleiben für den heutigen Menschen sperrig. Daher sollen kleine Filmbeiträge die Bedeutung für das moderne soziale Leben veranschaulichen. Dafür haben die Ausstellungsmacher den gerade ausgeschiedenen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle und Abt Johannes Eckert von der Münchner Benediktinerabtei Sankt Bonifaz gewonnen.

Wer sich traut, kann sich zur Tugend der Klugheit auf ein spannendes Experiment einlassen. Mittels Künstlicher Intelligenz kann ein eigens installiertes Gesichtsprogramm wesentliche Merkmale der Besucher wie Alter oder Geschlecht erfassen. Dazu passende Weisheiten des Salesianer-Ordensgründers Franz von Sales würden eingeblendet, sagt Kürzeder. Denn mit der Klugheit hänge die Frage zusammen, wie jeder andere Menschen einschätzen könne.

Von einer sehr facettenreichen Ausstellung spricht Johanna Eder. Die Perspektive sei anthropologisch weit gefasst. Im Mittelpunkt stehe aber auch die Architektur des Klosters. Das könne man als Konzeptbau interpretieren, der seine Bewohner auf dem Weg zu einem tugendhaften Leben leiten wolle. Die Schau sei bis zum 1. November zu sehen. Für die folgende Ausstellung im kommenden Jahr zum 900-jährigen Bestehen des Klosters würden Teile neu arrangiert.

© SZ vom 14.05.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite