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Jugendkultur:Idee mit Serien-Potenzial

Am Sonntag spielen sechs junge Bands beim "Loisach-Jam". Engagiert hat sie Mathias Heinzinger. Der neue Kulturassistent im Wolfratshauser Rathaus will es nicht bei diesem einen Jugend-Event belassen

Mathias Heinzinger ist seit zehn Monaten Assistent der Kulturbeauftragten Marion Klement im Wolfratshauser Rathaus. Am Sonntag geht sein erstes eigenes Projekt über die Flussbühne: "Loisach-Jam", eine Musikveranstaltung für junge Leute. Mit ihr will der 27-Jährige eine neue "Jugendkulturserie" in der Stadt einläuten.

SZ: Spielen Sie in einer Band?

Mathias Heinzinger: Oh nein! Ich höre gerne Musik, aber ich kann nicht einmal Noten lesen - muss man als Veranstaltungskaufmann zum Glück ja auch nicht.

Täuscht der Eindruck oder machen Jugendliche weniger Musik als früher?

In Wolfratshausen und Umgebung kenne ich mich noch nicht so gut aus, da muss ich mir erst mein Netzwerk aufbauen. Aber grundsätzlich habe ich nicht den Eindruck, dass es weniger Bands werden. Es ist eher so, dass sich die Interessen verlagern: weniger klassische Bands, dafür mehr DJ-Sets.

Für Sonntag haben Sie fünf Bands engagiert. Zwei davon - Moby Dick und Max - kommen aus dem Landkreis, die anderen von auswärts. Zudem waren Nachwuchsbands aus der Region aufgerufen, sich als Vorband zu bewerben. Wie viele haben sich gemeldet?

Vier, alle aus der Gegend und alle sehr gut. Wir haben uns für KRMA Music aus Geretsried entschieden, weil die etwas ganz Neues machen: Rock-Rap mit E-Gitarre, Schlagzeug und Bass. Die anderen Bewerber habe ich vertröstet: Es soll ja nicht bei einem Loisach-Jam bleiben.

In welcher Form wird denn gejammt?

Jammen bezieht sich ja nicht nur auf Musik. Jammen heißt, dass man verschiedene Dinge zusammenbringt, die miteinander harmonieren: Musik, Poetry Slams, vielleicht auch Workshops. Da hab ich viele Dinge im Kopf.

Für den ersten Loisach-Jam haben Sie neben der Musik eine Kunstausstellung angekündigt. Wer gestaltet die?

Tja, da bin ich noch immer auf der Suche. Leider hat sich noch niemand Passendes gemeldet. Es muss keine Malerei sein, ich dachte an junge Erwachsene, die T-Shirts gestalten oder stricken oder Taschen bedrucken und ihre Sachen einmal öffentlich zeigen wollen. Aber bislang haben sich nur gewerbliche Verkäufer gemeldet, die wollen wir nicht.

Also eher Handarbeit als Kunst?

Ja, genau. Ich werde jetzt noch ein paar Schulen abklappern. Auf Facebook steht der Aufruf erst seit zwei Monaten. Da muss man wohl noch andere Multiplikatoren einschalten.

Wie soll es nach der Auftaktveranstaltung weitergehen?

Erst einmal müssen wir die Resonanz abwarten. Dann möchte ich mich stärker mit dem Jugendzentrum "La Vida" vernetzen und die Schulen in der Region einbinden. Die Veranstaltungsreihe soll ja nicht nur für Wolfratshauser Jugendliche sein, sondern die Stadt nach außen hin repräsentieren. Wenn ich es zeitlich schaffe, würde ich gerne alle drei bis vier Monate eine solche Veranstaltung machen.

Wo könnten die stattfinden?

Überall! Wir sind nicht örtlich fixiert. An der Alten Floßlände, im Bergwald oder im Hof des Rathauscafés. Es gibt so viele Möglichkeiten.

Und bei schlechtem Wetter?

Mein Traum wäre es, das Isar-Kaufhaus mit einem Poetry-Slam zu bespielen.

Haben Sie dafür einen Etat zur Verfügung?

Nein, noch nicht. Das wäre mein Ziel. Der Stadtrat ist sehr aufgeschlossen.

Bekommen die Bands eine Gage?

2. Flussfestival Wolfratshausen 2015

Mathias Heinzinger hat beim Kreisjugendring München die Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann gemacht. Er zählt mit 27 Jahren zu den jüngsten Mitarbeitern.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Ja, das war mir wichtig. Auch wenn es nur eine kleine Aufwandsentschädigung ist, diese Form von Anerkennung ist wichtig. Bei acht Euro Eintritt spielen wir die Kosten natürlich nicht herein, aber im Vergleich wird das eher ein günstiger Abend.

Ihre bisherige Bilanz zum Flussfestival?

Phänomenal! Bühne, Wetter, Stimmung - alles passt. Die Leute sitzen bis um ein Uhr nachts draußen, trinken und unterhalten sich. Wir mussten schon einige hinausbegleiten.

Loisach-Jam mit SAM, Bbou & DJ Sticky, Famous Naked Gipsy Circus, Max, Moby Dick und KRMA Music, Sonntag, 12. Juli, 16 bis 22 Uhr, Alte Floßlände, Wolfratshausen, ab 14 Jahren, Eintritt 8 Euro