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Im Hollerhaus Icking-Irschenhausen:Beflügelnde Schwarzmalerei

Die Ebenhauser Künstlerin Christiane Leimklef zeigt originelle Bilder, Zeichnungen und Skulpturen unter dem Titel "Von oben bis unten"

Ob Schwarz nun eine Farbe ist oder nicht, darüber zerbricht sich Christiane Leimklef nicht den Kopf. "Mit Schwarz kann ich alles sagen. Jeder Strich hat sofort eine Bedeutung." Und doch huschen in die ausdrucksstarken Bilder im Hollerhaus in Irschenhausen gelegentlich Farbtöne hinein, als hätten sie sich verirrt. Mal ein wenig Rot oder ein bisschen Braun wie von dünnem Kaffee. Dem Betrachter bietet sich somit die Chance, dass seine Augen irgendwie einhaken und geführt werden können. Diese bewusst sparsam eingesetzte Farbgebung verleiht manchen Blättern aber vor allem noch mehr Plastizität und innere Spannung.

Hat sich das Auge genug beschäftigt, möchte man gerne weiterforschen - mit den Händen. Zumindest bei den Bildern, welche die Ebenhauser Malerin aus Steinchen und Erden von den Kanarischen Inseln komponiert hat. Die Farben der Vulkaninseln sind zwar streng genommen ereignislos. Aber da ist dieses Glitzern, dieses Geheimnisvolle, die so ein Vulkanausbruch nach Erkalten der Lava hinterlässt an zermahlenem Gestein: rostiges Rot, Ocker, bläuliche oder braune Töne, selten tiefes Schwarz wie zum Beispiel Elfenbeinschwarz oder Lampenschwarz, sondern eher gesprächige Grautöne.

Obwohl die Farbe Schwarz dominiert, wirken Christiane Leimklefs Arbeiten leicht und lebendig.

(Foto: Privat)

Ein Exponat von Leimklef erweckt den Eindruck, als sei da ein Stück vom Timanfaya Nationalpark auf Lanzarote auf den Bilduntergrund geraten. Dieses Material findet sich auch eingebunden in Tusche- oder Pinselstriche und wird somit zu einer Materialkomposition, wenn man denn nahe an das Bild herantritt. Die Fernwirkung ist wieder einmal so frei und leicht wie bei vielen Bildern auf Papier und Pappe von Christiane Leimklef.

Acht Jahre lang hat sie Unterricht bei dem Eurasburger Maler Walter Raum, genommen, der 2009 gestorben ist. Auch er hat gestisch und expressiv gearbeitet, auch bei ihm stand Schwarz oft im Mittelpunkt seines Schaffens.

Ihre Ausstellung im Hollerhaus hat die Malerin mit "Von oben bis unten" betitelt. Sie beschäftigt sich wie immer mit dem Menschen und seinen Befindlichkeiten. Mal ist er hoch oben mit seinen Gefühlen oder auf einen Berg gestiegen, dann wieder unten am Boden, geerdet oder vielleicht auch verstört. Auch die Natur spielt eine große Rolle. Nicht das protzige Grün der Bäume und Wiesen, nicht Berge und Seen, sondern das Morbide, die Hinterlassenschaften.

Unter dem Motto "Von oben bis unten" präsentiert die Künstlerin im Hollerhaus Bilder und Skulpturen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Ganz spielerisch geht Leimklef damit um und kreiert kleine unspektakuläre Skulpturen aus Fundstücken wie rostigem Draht, Steinen, Federn, Holz. Zauberhaft der goldfarbene Hund, der wie der kleine Prinz von Saint-Exupéry auf einem halbrunden Etwas selbstbewusst thront. Die Skulpturen sind figürlich. Auch ein mittelformatiges Bild zeigt Motorräder in voller Fahrt. Das ist ungewöhnlich für Leimklef, die sich sonst lieber geheimnisvoll ausdrückt, aber ein echter Blickfang.

Überhaupt erscheint diese Präsentation fast schon wie eine Art Retrospektive mit Materialbildern, Federzeichnungen, abstrahierten Kompositionen und Skulpturen, wenn auch die großen Bilder wegen der Besonderheit dieser Galerie außen vor bleiben mussten. Vieles, was die Malerin bewegt und in Szene setzt an Menschlichem und Tierischem, geschieht auf Papier, das oft mitspielt, indem es nicht glatt ist, sondern sich mitunter wölbt und schräge Kanten hat. "Leinwand hemmt den Malfluss", sagt die Künstlerin. Wenn sie Tuschefeder oder Pinsel ansetzt, dann gibt es kaum ein Atemholen, kaum ein Absetzen: Es fließt - in Schwarz mit ein wenig verirrter Farbe.

Ihre Kunst rückt Mensch und Natur auf originelle Weise in den Blickpunkt.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Christiane Leimklef: "Von oben bis unten", Ausstellung im Hollerhaus, Neufahrner Weg 3, Irschenhausen, bis 23. Februar, geöffnet Samstag und Sonntag 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung; Rahmenveranstaltungen: Samstag, 15. Februar, 20 Uhr, Brexit or not Brexit - Die ultimative Brexit-Revue von und mit Vanessa Magson and friends; Faschingssamstag, 22. Februar, 20 Uhr, "Musica della Strada" mit Mulo Francel, Phillip Sterzer und Andreas Binder, Anmeldung erbeten unter Telefon 08178/4408

© SZ vom 15.02.2020