Im "Hinterhalt" A kloana Bua fürs PiPaPöchen

Gerd Holzheimer liest "Der kleine Prinz" auf Bairisch

Von Laura Geigenberger, Geretsried

Gerd Holzheimer liest, Friedrich Custodio Spieser und Monika Drasch machen dazu die passende Musik.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Würde sich der Meister Eder an einem Abend dazu entschließen, seinem Pumuckl aus dem "kleinen Prinzen" vorzulesen, könnte es in etwa so klingen: "I hob den Buam ogschaut, ois waar's da Heilige Geist persönlich. Er hod ned so ausgschaugt, ois hätt er se verlaufn, mittn in dera Wüstn, sakrisch weit furt vo da nächstn Menschenseel." Wer die Geschichte nicht kennt, würde kaum darauf kommen, dass sich hinter der Mundart das Märchen eines französischen Autors aus den Vierzigerjahren verbirgt, so sehr fügen sich das Bairische und der Märchenton des Originaltextes zusammen.

Dem Schriftsteller Gerd Holzheimer war das sehr wichtig gewesen. "Schee und melodisch" sollte es klingen, wenn er Antoine de Saint-Exupérys "kleinem Prinzen" das Oberbairische beibringt. Von dem Augenblick, an dem er als finaler Gast der Geretsrieder Kulturtage "PiPaPöchen" grußlos die Bühne im Geltinger "Hinterhalt" betrat, sich setzte und zu lesen begann, war klar: Es ist ihm hervorragend gelungen.

Holzheimers Lesung aus "Da kloa Prinz", seiner bairischen Übersetzung des französischen Märchenklassikers, wechselte sich ab mit Marienliedern, Sternenmusik und niederbayerischen "Ari'n", gespielt von den Musikern Monika Drasch und Friedrich Custodio Spieser, die zusammen das Duo wunderweis bilden. Ihre Stimmen, begleitet von Blockflöte, Zither und gar einer Drehleier verliehen der Vorstellung einen einzigartigen Hörbuchcharakter.

Holzheimer hatte seinen kleinen Kreis an Zuschauern von Beginn an auf die märchenhafte Reise mitgenommen. Indem er den "komischen kloana Bua vom Asteroidn mit da Nummera B sechshundertzwoife" vorstellte, ohne vorherigen Gruß und nur mit einer kurzen Zusammenfassung des Anfangskapitels, warf er das Publikum sofort ins Geschehen. Ganz still war es im Saal, als der Schriftsteller mit seiner melodischen Stimme und in feinster Meister-Eder-Erzählweise vom "Schof" berichtete, das der Prinz gemalt haben wollte, und das "fesche Bleamerl" beschrieb, das in französischem Akzent ein Mittagessen forderte.

Nur einmal - es ging schon auf die Pause zu - ließ der Autor die Märchenblase platzen. "Vazäin" wollte er, wie er denn darauf gekommen sei, den französischen Klassiker ins Bairische zu übertragen. Ausgerechnet er, der sich damals als Schüler mit den Worten "Au zwick, des is ma zu schwer" nach einer Stunde wieder aus dem Französisch-Wahlkurs abgemeldet habe. Seine Idee sei es "ned gwen", sondern die vom Verlag. Dieser habe nicht lockergelassen. "Dabei bin i doch Schriftsteller und koa Übersetza", so Holzheimer. Und das Bairische sei doch eigentlich auch keine Schriftsprache - laut Holzheimer kann man es also nur "foisch" schreiben. Und überhaupt, "derf ma des", den feinen Märchenton von Saint-Exupéry in eine derbe Mundart übertragen? "Scho", meint der Schriftsteller. Immerhin habe schon Abt Placidus im 18. Jahrhundert erkannt: "Das Bairische ist die wahre Sprache Gottes."