Millimeterarbeit im Tölzer Altstadtviertel:Mit der Feuerwehr durchs "Gries"

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Millimeterarbeit im Tölzer Altstadtviertel: Um durch die engen Gassen des Altstadtteils Gries zu kommen, müssen die Feuerwehrleute mit ihren Einsatzfahrzeugen manchmal Millimeterarbeit leisten.

Um durch die engen Gassen des Altstadtteils Gries zu kommen, müssen die Feuerwehrleute mit ihren Einsatzfahrzeugen manchmal Millimeterarbeit leisten.

(Foto: Manfred Neubauer)

Für die Brandbekämpfer war die Einfahrt über den Jungmayrplatz ein Alptraum, nach der Umgestaltung kommen sie mit dem Drehleiterfahrzeug viel leichter durch. Allerdings gibt es im Gries noch Engstellen durch geparkte Autos. Die Stadt ruft deshalb zum Offenhalten der Rettungswege auf.

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Andreas Mayr ist ein erfahrener Feuerwehrmann. Seit 38 Jahren ist er als Maschinist schon dabei - und ein Profi, wenn es um den Umgang mit Dreiachsern und anderen Lastwagen geht. Mit viel Feingefühl steuert er das Drehleiterfahrzeug durch eine Engstelle im alten Handwerkerviertel "Im Gries" in Bad Tölz, Meter für Meter voran, Zentimeter für Zentimeter vorbei an den links und rechts geparkten Autos. Kurz vor der nächsten Kreuzung stoppt er und zeigt mit Finger und Daumen, wie minimal der Abstand war. "Jetzt pressiert es ja nicht, aber wenn wir kommen, pressiert es in der Regel schon", sagt er. Um einmal zu demonstrieren, dass Rettungswege gerade in Tölz mit seinen oft verwinkelten Gassen offengehalten werden müssen, hatte die Stadt eine Rundfahrt durchs Gries organisiert. Jenem pittoresken Altstadtteil also, wo die Umgestaltung des Entrees mit dem Jungmayrplatz und der Botengasse jetzt abgeschlossen wurde.

Früher, sagt Maschinist Mayr, sei die Einfahrt in das alte Handwerkerviertel "eine Katastrophe" für die Feuerwehr gewesen. Und vom Jungmayrplatz sei man dann kaum hoch zum Gasthof Metzgerbräu unterhalb der Stadtpfarrkirche gekommen. "Jetzt ist es ein Traum", so Mayr. Die noch verbliebenen Parkplätze sind mit Nägeln gekennzeichnet, die Gehwege mit ihren Bordsteinen sind verschwunden, alles sieht rund um den Brunnen am Jungmayrplatz offen und weitläufiger aus. Der Wochen- und der Bauernmarkt fanden dort schon statt, künftig ist auch an Veranstaltungen und kleine Konzerte gedacht. Nachdem der erste Bauabschnitt der Umgestaltung im Gries beendet ist, habe man einmal zeigen wollen, ",warum es so wichtig ist, dass nicht alles zugeparkt wird", sagt Bürgermeister Ingo Mehner (CSU). Dabei gehe es nicht bloß um die Verkehrssicherheit, sondern "generell um die Sicherheit".

Vor dem Umbau gab es 114 Stellplätze in dem Altstadtviertel, fortan sollen es nur 85 sein. Die Reduzierung war laut Mehner nicht eine Idee der Stadt, sondern eine wesentliche Forderung der Impulsgruppe mit Stadträten, Anliegern und Gewerbetreibenden, die für die Umgestaltung des Gries gegründet wurde. Dort dürfen nur jene ihr Auto abstellen, die einen Anwohnerausweis haben. Eine solche Lizenz werde in Bad Tölz ausschließlich fürs Gries ausgestellt, sagte Mehner. Die Kosten sind alles andere als teuer. 20 Euro pro Jahr seien "sehr überschaubar", meint der Bürgermeister.

Allerdings ist damit kein Anspruch auf einen Parkplatz verknüpft. Wenn schon alles zugestellt ist, müssen Anwohner trotz Ausweis ihr Glück auf dem nahen Parkplatz der Stadtwerke oder am Isarkai versuchen. Dort könne man für 20 Cent von Samstag um 13 Uhr bis Montag im 8 Uhr parken, sagt Alexander Schindler, Sachgebietsleiter der Stadt für Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Auf den Straßen im Gries sollen, abseits des Jungmayrplatzes, die Stellflächen im nächsten Frühjahr noch markiert werden. Auch dies war ein Wunsch der Impulsgruppe, da in dem Viertel mit seinen engen Gassen oft Unklarheit herrsche, wo man überhaupt parken dürfe. Im Grunde sei dies überall möglich, wo es die allgemeinen Verkehrsvorschriften zulassen, sagt Schindler. Ein Beispiel: Bis zu fünf Meter vor einer Kreuzung sei das Parken erlaubt, dann nicht mehr. Dafür benötige man aber nicht eigens eine Hinweistafel. Seit 1997 habe man in Bad Tölz rund 1800 Verkehrsschilder abgebaut. "Damit wurde das Stadtbild aufgewertet, und der Verkehrsteilnehmer hat die wichtigen Schilder besser im Fokus."

Das traf jedoch nicht auf einen Autofahrer zu, der sein Vehikel auf Höhe der Krankenhausstraße 16 halb auf dem Gehweg geparkt hatte. Die Durchfahrtsbreite soll mindestens 3,50 Meter betragen, aber mit seinem Drehleiterfahrzeug kam Mayr da kaum noch durch. Im Ernstfall verstreichen dann wertvolle Minuten, ein solches Hindernis kann sogar Menschenleben kosten. Im Gries habe die Tölzer Feuerwehr pro Jahr zwischen zehn und 15 Einsätze, wobei es eher selten um einen klassischen Brand gehe, sagt Kommandant Thomas Fuchsgruber. Häufiger müssen Leute gerettet werden, die gesundheitliche Problemen haben, was über die engen Treppenhäusern der alten Gebäude kaum möglich ist. Mit der Drehleiter muss Mayr dann ganz nahe heran an die Fassaden, viel näher als etwa bei einem Feuer. Eine Verzögerung des Einsatzes durch gedankenlos geparkte Autos wäre auch fatal, wenn ein Brand in einem der Dächer ausbräche. Denn der könnte in dem alten Häuserensemble rasch übergreifen. Eine Gefahr, sagt Kommandant Fuchsgruber, die auch in der Marktstraße bestehe.

Die weitere Umgestaltung des Altstadtviertels liegt erst einmal auf Eis. Die Bauabschnitte zwei und drei sind noch nicht vom Stadtrat beschlossen. Der Grund: "Wir brauchen erst Klarheit wegen des Hochwasserschutzes", sagt Bürgermeister Mehner. Erst danach sei eine Planung sinnvoll. Werde beim Hochwasserschutz angenommen, dass der Rehgraben bei einer Überschwemmung "noch mehr Wasser bringen wird, als er je gebracht hat", dann seien im Gries "massivste Eingriffe" nötig, so Mehner. Aber daran denkt Maschinist Mayr nicht, der oft privat in dem Altstadtviertel spazieren geht: "Ich sehe dann, da geht es mit der Drehleiter nicht durch, und dort wird es eng."

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