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Im Erinnerungsort Badehaus:Schön und belastet

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So reizvoll kann Wasser sein: Fotos wie dieses von Antje Bultmann sind im Waldramer Badehaus zu sehen.

(Foto: Antje Bultmann/oh)

Bund Naturschutz zeigt Wasser-Ausstellung

Schöne Impressionen und ernüchternde Fakten: Die Ortsgruppe des Bundes Naturschutz (BN) zeigt im Erinnerungsort Badehaus eine Ausstellung mit dem lakonischen Titel "Wasser". Präsentiert werden Fotos der in Wolfratshausen lebenden Autorin und Künstlerin Antje Bultmann, dazu Textmaterial des BN.

Bultmanns Anliegen, so die Veranstalter, sei es, "mit faszinierenden Fotografien von Wasseroberflächen den Betrachter zu inspirieren, Wasser neu wahrzunehmen und zu erleben, wie kostbar und rätselhaft das nasse Element ist, ohne das es kein Leben gibt". Das ist auch das Thema der Naturschützer. "Gewässer sind Lebensadern der Natur", so der BN in der Einladung zur Ausstellung. Flüsse und Auen gehörten zu den artenreichsten Naturräumen Europas.

BN-Ortsgruppenvorsitzende Sigrid Bender erklärt, die Europäische Wasserrahmenrichtlinie, wonach alle Gewässer bis zum Jahr 2015 - in Ausnahmefällen bis 2027 - in einen "guten ökologischen" und "guten chemischen Zustand" zu bringen sind, sei in Deutschland erst zu acht Prozent, in Bayern zu 15 Prozent erfüllt. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sei die Lage nicht besser; Isar und Loisach müssten weiterhin renaturiert werden; besonders im nördlichen Bereich der Isar sei noch viel zurückzubauen, so Bender. Und die Belastungen mit Nitrat und Quecksilber seien zu hoch.

Die Ortsgruppe Wolfratshausen des Bunds Naturschutz zeigt die Ausstellung in Kooperation mit dem Erinnerungsort Badehaus. Dieser wurde im Oktober 2018 als Dokumentationsstätte dreier Epochen deutscher Zeitgeschichte eröffnet. Es war Teil des Lagers Föhrenwald, einer von 1940 an errichteten Siedlung der Nazis für Arbeiter der benachbarten Rüstungsbetriebe. Aus dem "Männerbrausebad" wurde nach der Befreiung ein Bad für Displaced Persons, die in Föhrenwald eine vorübergehende Heimstatt fanden; im Keller wurde eine Mikwe geschaffen, ein jüdisches Ritualbad. Als die letzten Juden Föhrenwald verlassen hatten und die katholische Kirche dort kinderreiche katholische Heimatvertriebene ansiedelte und den Ort in "Waldram" umbenannte, wurde der "Badebau" saniert und umgestaltet.

Ausstellung "Wasser", Vernissage am Sonntag, 7. April, 17 Uhr, Badehaus, Kolpingplatz 1 (bis 26. Juni). Begrüßung: Sigrid Bender und Sybille Krafft, Vorsitzende der Bürger fürs Badehaus. Der Eintritt ist frei.

© SZ vom 02.04.2019 / fam

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