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Iffeldorfer Meisterkonzerte:Mit den Ohren tanzen

Das "Rubin-Trio" - Ferenc Kölcze, Klaus Kämper und Pablo Havenstein (von links) - beim Neujahrskonzert im Iffeldorfer Gemeindesaal.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Das "Rubin-Trio" begrüßt das neue Jahr an den Osterseen mit einer Mischung aus Klassik, Salonmusik und Tango Nuevo

"Wir reisen gemeinsam" - dieses Zitat aus einem Gedicht von Rose Ausländer war Leitmotiv für das Neujahrskonzert der Iffeldorfer Meisterkonzerte. Ferenc Kölcze, Geiger des Rubin-Trios, brach die Worte, mit denen die ungarisch-österreichische Schriftstellerin zu ihrer Zeit auf die Zerstrittenheit der gemeinsamen Welt hingewiesen hatte, geschickt auf das Konzertereignis an den Osterseen herunter. So sei das nämlich auch mit den Musikern, den Zuhörern und der Musik. Die entdecke man in jedem Moment gemeinsam neu, wenn es optimal laufe. Als Kölcze davon spricht, haben sich er und seine beiden Trio-Kollegen, der Pianist Klaus Kämper und der Cellist Pablo Havenstein, schon in den musikalischen Rausch von Mendelssohns Klaviertrio op. 49 gespielt. Beseelt haben sie das Finale des Werks zelebriert und werden für diesen ersten Programmpunkt mit herzlichem Beifall gefeiert.

Altes loslassen und Neues begrüßen, darum gehe es zu Neujahr, sagt Kölcze, nachdem die drei ihr eröffnendes musikalisches Feuerwerk beendet haben. Weiter geht es mit Astor Piazzollas Zyklus "Vier Jahreszeiten". Kölcze, der schon vor 30 Jahren in einem der ersten Iffeldorfer Meisterkonzerte an den Osterseen konzertierte, versteht es exzellent, den Tango Nuevo des legendären argentinischen Bandoneonisten auf der Geige auszuloten. "Primavera portena", der Frühling schimmert in raffinierten Farben und Abgründen.

Die drei Musiker des Rubin-Trios, seit 25 Jahren gemeinsam unterwegs zwischen Klassik und Salonmusik, spielen sich mit einer Lust die Motive und Themen zu, dass das Zuhören zum faszinierenden Klangabenteuer wird. "Wir reisen gemeinsam", das ist nicht nur ein dahingesagter Gedanke, er lebt an diesem Abend auf fantastische Weise. Und lässt wahrlich Raum, Neues zu entdecken. Zum Beispiel, dass Piazzollas sicherlich schon oft gespielte Jahreszeiten in der Besetzung für Klaviertrio wieder etwas Besonderes sind. Ein Arrangement aus der Feder des Cellisten José Bragato, der mit seiner Familie in jungen Jahren von Italien nach Argentinien ausgewandert war, dort lange Jahre als Cellist im Teatro Colon gespielt hatte und später zum musikalischen Umfeld von Astor Piazzolla gehört hatte. Dass Bragato Piazzollas Musik einen eigenen Stempel aufgedrückt hat, zeigt sich im "Herbst" der Jahreszeiten, in dem er ein grandioses Solo für die Cellopartie untergebracht hat. Pablo Havenstein vom Rubin-Trio meistert die Herausforderung fulminant und virtuos.

Nach dem anschließenden "Winter" ist noch lang nicht Schluss - Wechsel von Buenos Aires nach Wien, wo das Rubin-Trio mehrmals schon auf dem Opernball aufgetreten ist. Jetzt folgen Polka und Walzer-Schmonzetten, für die Kölcze sich vom Sitzgeiger zum Stehgeiger verwandelt; und das aus gutem Grund. Denn das Temperament des aus Ungarn stammenden heute in München lebenden Geigers ist so groß, dass bei dieser Musik die Beine nicht stillhalten können.

Es sei Platz zu tanzen, kommentiert er nach den ersten Stücken von Johann Strauß und Fritz Kreisler. Dass bei diesem Neujahrskonzert die geräumige Fläche vor der ersten Reihe im Iffeldorfer Gemeindezentrum ungenutzt bleibt, liegt gewiss nicht an den Musikern. Denn tanztauglicher könnte ihr Spiel kaum sein. Aber um zum Csárdás von Monti den Schritt nach vorne zu wagen, braucht es halt doch noch besonderen Mut.

Vielleicht ist es auch einfach viel zu schön, bei diesem traumwandelnden Abend zuzuhören. Dem unglaublich groovenden Arrangement zur Titelmelodie zu "Miss Marple", bei dem Pianist Klaus Kämper ein betörend lockeres Swing-Händchen beweist, oder der rasanten "Petersburger Schlittenfahrt". Da haben die Wiener Lieder von Robert Stolz schon ihr Übriges getan mit "im Prater blühen wieder die Bäume". Naja, der Frühling ist sicherlich eine schöne Aussicht, aber ein bisschen Winter darf's schon noch sein. Langer, herzlicher Applaus nach drei Zugaben aus dem vollbesetzten Saal.

Das nächste Iffeldorfer Meisterkonzert gestalten die Munich Opera Horns am Samstag, 8. Februar, Beginn 19 Uhr