Ickinger Politik:Nach der Flut ist vor der Flut

Die Gemeinde will Überschwemmungen mit Maßnahmenpaket vorbeugen - bei dem auch Anlieger mitfinanzieren

Von Susanne Hauck, Icking

Sintflutartige Wassermassen und tennisballgroße Hagelkörner: Der Starkregen hat im Juni die Gemeinde Icking voll erwischt. Die Isartalkommune setzt deshalb auf vorbeugende Maßnahmen, um die bekannten Brennpunkte zu entschärfen. Dabei werden in Zukunft auch einige Anlieger zur Kasse gebeten.

Bürgermeisterin Verena Reithmann (UBI) stellte am Montag in der Sitzung die Bestandsaufnahme und die Ergebnisse der Gespräche mit dem Wasserwirtschaftsamt vor. Zu den beiden größten Problemfällen zählen der unbefestigte Dickweg und Pischeltsriederweg, die in die Ulrichstraße münden. "Ein Regenguss reicht, und unten ist alles voll", meinte Reithmann. Der Plan ist nun, diese "massiv belasteten" Stichstraßen nachzurüsten, was aber heißt, dass 90 Prozent der Erschließungskosten auf die Anlieger umgelegt werden. Beim Eichendorffweg sieht es wegen der privaten Stichstraßen ähnlich aus, auch er bedarf einer verbesserten Entwässerungssatzung. Der Gemeinderat verständigte sich darauf, mit einer Grundlagenermittlung zu beginnen.

Ein schlimmes Bild gab es im Juni auch von einem Maisfeld, von dem sich Sturzfluten auf die Unterlieger in der Ulrichstraße ergossen. Hier wolle der Bauer selbst Abhilfe schaffen, berichtete die Rathauschefin.

Im Kerngebiet von Icking wiederum war die Grundschule mit dem Haus des Kindes (Hdk) mit teils kniehohem Wasserstand am meisten belastet. Hier ist guter Rat noch teuer. Wegen der ungünstigen topografischen Lage sei der Verlauf der Wasserströme kaum zu verhindern, erklärte Bürgermeisterin Reithmann. Mit dem Wissen von heute hätte es vor 50 Jahren eigentlich heißen müssen, "das Grundstück ist unbebaubar". So aber steht die Lösung mit einer Ableitung über den Talberg noch in weiter Ferne. Einstweilen soll sich ein Planer um eine bessere Entwässerung des Lichthofs vom Haus der Kinder kümmern. Als eine Sofortmaßnahme wurde außerdem beschlossen, eine verkieste Mulde einzurichten, um das vom Friedhof kommende Wasser aufzufangen. Im Bereich der Ludwig-Dürr-Straße soll der neu geplante Gehsteig nun mit Entwässerungsvorrichtungen gebaut werden.

All dies sind Einzelmaßnahmen zur Vorbeugung künftiger Überschwemmungsereignisse. Was der Gemeinde Icking zurzeit mit dem Wasserwirtschaftsamt klärt, ist die Ableitung des Regenwassers in die Isar. Es existiere eine Leitung aus den 1970er-Jahren zum Isarhang, an der man versuche "anzudocken", sagte Reithmann. Ob das allerdings möglich sein wird, "das wird eine spannende Frage." Dafür brauche es aber auch Retentionsflächen oberhalb. "Wir müssen oben handlungsfähig sein, bis wir unten soweit sind."

Im Ortsteil Irschenhausen sei es allerdings nicht möglich, das Wasser in die Isar abzuleiten. Hier setzt die Gemeinde weiter auf die Versickerung in landwirtschaftlichen Feldern, wie es schon lange über die Rothengasse Praxis ist. Da jedoch dieses eine Feld nicht ausreicht, ist die Gemeinde konkret auf der Suche nach weiteren Flächen.

© SZ vom 23.09.2021
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