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Icking:Zwei teure Optionen

Ingenieur erläutert, wie in Icking künftig Überschwemmungen nach Starkregenfällen vermieden werden könnten

Von Claudia Koestler, Icking

Es ist ein Konglomerat an Problemen, das in Icking immer wieder zu massiven Überschwemmungen führt: Zum einen verzeichnet die Gemeinde im Isartal seit Jahrzehnten regen Zuzug und damit Verdichtung und Versiegelung, zum anderen sind es die Hanglage und zunehmende Starkregenereignisse, die Wasser in Massen auf Grundstücke und Straßen spülen. Seit Jahren bemüht sich die Gemeinde deshalb schon um probate Lösungen.

Im Rahmen der Gemeinderatssitzung am Montag erläuterte nun der Ingenieur Heiko Sieker seine Vorplanung für ein Regenwasserkonzept im Ortsteil Walchstadt, dem der Rat grundsätzlich zustimmte. Anhand dreier Straßen, die als besonders gefährdet für Überschwemmung gelten, legte Sieker sein Konzept dar: Angerl, Grainwinkel und Gert-Fröbe-Weg

Zwei Optionen führte der Ingenieur an: Zum einen eine zentrale Entwässerung mittels eines Regenwasserkanals aus Beton. Dabei würde das Wasser in ein sogenanntes Regenrückhaltebecken geführt und dann in die Isar eingeleitet. Die zweite Möglichkeit: eine dezentrale Entwässerung. In diesem Fall wäre jeder Anlieger selbst für die Entwässerung seines Grundstückes verantwortlich, beziehungsweise dafür, das Wasser auf seinem Grund zurückzuhalten. Regenwasser auf den Straßen hingegen könnte entweder versickern, was allerdings nicht zu empfehlen sei. Denn die Versickerung just in dem Areal der drei Straßen sei nicht sehr gut, sagte Sieker. Nach Sand folge eine sogenannte schluffige Schicht von bis zu fünf Metern, und diese sei quasi undurchlässig. Alfred Vogel indes sprach gar von 40 Metern, die er einst habe graben müssen, bis er auf versickerungsfähigen Grund stieß. Das Wasser könne aber in einem sogenannten Mulden-Rigolen-Systemen aufgefangen und dann langsam abgeführt werden. Rigolen sind Pufferspeicher, die dazu dienen, eingeleitetes Regenwasser aufzunehmen und zu versickern. Dazu sind sie mit Kies oder anderen abgestuften Materialien ausgefüllt. Sie zeichnen sich durch eine gute Rückhaltewirkung und geringen Flächenbedarf aus. Auf einer Wiese hangabwärts vor der Bundesstraße 11 könnte dann eine Sickermulde dazu dienen, das Wasser zwischenzuspeichern und langsam zu versickern. Ein Vorteil wäre auch: Das Wasser würde nicht in die Isar abgeleitet.

Konkret schlug Sieker für die Straße Angerl 1 bis 17 ein komprimiert vernetztes Mulden-Rigolen-System vor mit Tiefbeet-Elementen, das bepflanzt werden könnte. Für den engen Straßenverlauf vom Angerl 18 bis 29 empfahl er eine oberflächliche Rinne, die in die Flucht Grainwinkel führen sollte. Für Angerl 22 bis 28 indes regte er Versickerungsmulden neben der Straße an. Für Grainwinkel empfahl er Querrinnen, die das Wasser fassen und dann in Füllkörper-Rigolen führen, für den Gert-Fröbe-Weg indes Rigolen mit Drainage.

Allerdings stockte den Räten der Atem bei den Kosten: Je nachdem, als wie versickerungsfähig sich der Boden erweisen wird, nannte Sieker Kosten von 550 000 Euro bis hin zu 2,1 Millionen Euro. Obendrein sei keinerlei System, egal ob Kanal oder Mulden-Rigolen, für Stark- oder Jahrhundertregen auslegbar: "Das ist die Kunst, für normalen Regen anzulegen und doch Erleichterung zu schaffen im extremen Fall", sagte Sieker.

Claudia Roederstein (UBI) sah in der Vorplanung ein Pilotprojekt: "Wenn wir da gute Erfahrungen machen, dann haben wir Hoffnung, auch in anderen Bereichen das Riesenproblem zu lösen". Dem stimmten die Räte zu, wie auch der Fortführung der Vorplanung. Nun will die Gemeinde mit Sieker und dem Wasserwirtschaftsamt klären, ob eine Mulden-Rigolen und Sickermulde genehmigungsfähig wären, auch im Hinblick auf das Wasserschutzgebiet. "Wir wollen schließlich nicht den Teufel mit dem Beelzebub austreiben", sagte Bürgermeisterin Margit Menrad (UBI) abschließend.

© SZ vom 11.03.2015
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