Icking:Zu lange Rohre

Geothermieprojekt Attenhausen Icking

Im Juli zeigten Ballons die Dimensionen der geplanten Geothermieanlage. Jetzt steht fest, alternative Standorte kommen nicht infrage.

(Foto: Claudia Koestler)

Die Suche nach einem alternativen Standort für das Ickinger Kraftwerk verläuft ergebnislos - zu weit müsste das heiße Wasser in Druckleitungen zu den Turbinen geführt werden. Das wäre gefährlich.

Von Claudia Koestler, Icking

Das künftige Geothermiekraftwerk zwischen Walchstadt und Höhenrain soll nun doch in unmittelbarer Nähe des Bohrplatzes bei Attenhausen in der Gemeinde Icking gebaut werden. Die Mehrheit des Gemeinderates sprach sich am Donnerstag nach knapp dreistündiger Diskussion grundsätzlich für diesen Standort aus. Und das, obwohl der Gemeinderat nach einem Ortstermin Ende Juli noch eine Verlagerung gefordert hatte und die am Donnerstag zusätzlich einberufene Sitzung zur Eruierung von Standortalternativen diente. Neben dem Beschluss formulierten die Ickinger aber auch eine Bitte an die Projektentwickler: Sie sollen parallel eine Planungsvariante erarbeiten, bei der die Anlage zumindest teilweise in den angrenzenden Wald gerückt wird.

Zwar begrüßt Icking grundsätzlich, dass auf seiner Flur eine Geothermiezentrale zur Produktion von Ökostrom entstehen soll. Doch aufgrund der Ausmaße und der geplanten Lage des Kraftwerks hatten die Gemeinderäte Verbesserungsbedarf angemeldet, um die benachbarten Wohnsiedlungen besser vor Lärm und Sichtbeeinträchtigungen zu schützen.

Die nun vorliegende Planung sei eine Maximalplanung, betonte Markus Wiendieck, Geschäftsführer des Projektentwicklers Erdwärme Bayern. War bislang von 14,65 Metern Höhe bei den Lüfteranlagen, dem höchsten Element des Kraftwerkbaus, auszugehen, würden diese nun maximal zwölf Meter hoch werden. Je nach Heißwasserfunden könne das Kraftwerk auch kleiner ausfallen, nicht aber größer. Zum Sicht- und Lärmschutz will das Unternehmen einen zwölf Meter hohen Wall um die Anlage errichten. Weil mitten durch das Gelände eine Gasleitung führt, die nicht überbaut werden darf, ergibt sich eine unabänderliche Nord-Süd-Ausrichtung der Anlage.

Der Standort des Bohrplatzes sei alternativlos und obendrein flurstückgebunden, erklärte Wiendieck. Damit blieb nur, die Kraftwerksanlage vom Bohrplatz abzukoppeln an anderer Stelle zu platzieren. Doch sowohl den Überlegungen, die Anlage jeweils einen bis eineinhalb Kilometer weiter südlich oder nördlich zu errichten, musste Wiendieck eine Absage erteilen. Denn dann müsste das vermutlich 150 Grad heiße Wasser über weite Strecken zur Turbine transportiert werden, was "unverhältnismäßig aufwendig", teuer und nicht ungefährlich sei.

Gleiches gelte für das Planspiel, die Kraftwerksanlage gegenüber, also auf die westliche Seite der Autobahn zu stellen und die Leitungen unter der A 95 durchzuführen. Obendrein handle es sich bei diesen drei Standortvorschlägen meist um private Grundstücke, und mit den Eignern seien noch keine Gespräche geführt worden. Letztlich blieb nur eine Variante am bisherigen Standort übrig: Den angrenzenden, gemeindeeigenen Wald westlich des Bohrplatzes teilweise mit einzubeziehen. Allerdings dient der Forst als Emissionsschutzwald gegenüber der Autobahn. In ihn einen Teil der Anlage zu bauen, sei "schwierig, aber nicht unmöglich", so habe das Forstamt Bürgermeisterin Margit Menrad (UBI) signalisiert. Christian Mielich (SPD/Grüne) fand es "fragwürdig, den Grüngürtel zu beschneiden." Und auch Peter Schweiger (PWG) befürchtete, der Eingriff in die Natur würde dadurch nur vergrößert. Dennoch sprach sich die Mehrheit dafür aus, zumindest die Möglichkeiten zu eruieren, einen Teil des Waldes einzubeziehen.

In der kommenden Sitzung will Wiendieck eine Bauvoranfrage erst einmal wie bisher geplant einreichen. Er versprach allerdings, sich parallel darum zu bemühen, "dem Mehrheitswillen zu genügen, sprich diese Alternative anzugehen."

© SZ vom 20.08.2016
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