WohnungsmangelWenn freie Wohnungen einfach nicht vermietet werden

Lesezeit: 3 Min.

Beatrice Wagner und Stefan Schmitt von der örtlichen SPD machen sich für die Ickinger Wohnraumbörse stark.
Beatrice Wagner und Stefan Schmitt von der örtlichen SPD machen sich für die Ickinger Wohnraumbörse stark. Harry Wolfsbauer
  • In der wohlhabenden Gemeinde Icking stehen laut SPD-Schätzung mindestens 50 Häuser und viele Einliegerwohnungen leer, obwohl Wohnraum dringend gebraucht wird.
  • Die SPD hat eine Wohnraumbörse gegründet, die wie ein Schwarzes Brett funktioniert und Angebote sowie Gesuche unter Wohnen@spd-icking.de sammelt.
  • Rechtsanwalt Stefan Schmitt klärt Eigentümer auf, dass der Kündigungsschutz bei Einliegerwohnungen und möblierten Zimmern deutlich geringer ist als bei normalen Mietverhältnissen.
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In Icking bei München stehen etliche Häuser und Einliegerwohnungen leer. Die SPD in der wohlhabenden Isartalgemeinde will das nun ändern – und hat deshalb eine Wohnraumbörse gegründet.

Von Stephanie Schwaderer, Icking

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Wer in Icking eine Zwei-Zimmer-Wohnung mieten möchte, hat zumindest nicht die Qual der Wahl. Die Online-Suche bei einem einschlägigen Immobilien-Portal ergibt exakt null Treffer. Das gleiche Ergebnis stellt sich bei Drei-, Vier- und Fünfzimmerwohnungen ein. Auch Häuser sind nicht im Angebot. Kein Zimmer frei in Icking? Oh doch, sagt Beatrice Wagner. In der Gemeinde, die zu den wohlhabendsten im Münchner Speckgürtel zählt, stehe viel Wohnraum leer. „Mindestens 50 Häuser dürften es sein“, schätzt die SPD-Ortsvorsitzende. Deshalb hat sie mit Gleichgesinnten eine Wohnraumbörse ins Leben gerufen.

Das Thema beschäftige sie schon einige Jahre, sagt Wagner, die in Icking eine Praxis betreibt, sich im Gemeinderat engagiert und die Ortsgruppe des Bundes Naturschutz leitet. 2023 sei sie auf eine Studie der TU München gestoßen, die ergab, dass in der Gemeinde Hebertshausen bei Dachau 118 Häuser leer standen. Hebertshausen hat knapp 6000 Einwohner, Icking etwa 3700. Belastbare Zahlen zu den Ickinger Leerständen gebe es nicht, sagt Wagner. „Aber im Prinzip sieht es bei uns nicht besser aus.“

Rund 3700 Einwohner hat die Gemeinde Icking – und alle wohnen im eigenen Haus? Nein, ist die örtliche SPD überzeugt.
Rund 3700 Einwohner hat die Gemeinde Icking – und alle wohnen im eigenen Haus? Nein, ist die örtliche SPD überzeugt. Hartmut Pöstges

Bei einer Ortsbegehung hat sich die SPD ein eigenes Bild gemacht. „Man sieht es einem Haus an, wenn es nicht mehr bewohnt ist“, sagt Wagner. „Wenn es nicht mehr gepflegt wird und der Garten verwildert.“ Zudem spreche sich in einer 3700-Einwohner-Gemeinde herum, wo jemand gestorben sei oder wo Familienhäuser nach Auszug der Kinder allmählich zu groß für ihre verbliebenen Bewohner würden.

Ein Bekannter habe zu ihr gesagt: „In Icking hat doch jeder sein eigenes Haus“, erzählt sie. „Aber das stimmt nicht. Auch in Icking gibt es Pflegekräfte, Arzthelferinnen oder andere Dienstleistende, die gerne hier wohnen würden. Aber sie haben keine Chance.“ Die Immobilienpreise seien „astronomisch“. Im Durchschnitt liegen sie derzeit bei 7600 bis 8100 Euro pro Quadratmeter.

Es geht zuvorderst darum, potenziellen Vermietern ihre Sorgen zu nehmen

Beatrice Wagner und ihre politische Mitstreiterin Lisa Häberlein haben deshalb schon vor längerer Zeit angefangen, privat Wohnraum zu vermitteln. Auch in ihrem Haus habe sie schon junge Leute einquartiert, erzählt die SPD-Ortsvorsitzende. Die Erfahrungen seien rundum positiv gewesen. In einem anderen Fall habe ein hochbetagter Eigentümer Mieter bei sich aufgenommen, ohne deren Hilfe er nicht mehr in seinem Haus hätte bleiben können. „Dafür ist die Miete niedrig.“ So sei die Idee gewachsen, das begehrte Gut Wohnraum künftig koordiniert zu verteilen.

Die Ickinger Wohnraumbörse soll wie ein Schwarzes Brett funktionieren, an das man seinen Zettel pinnt. Angebote und Gesuche können unter Wohnen@spd-icking.de eingestellt werden. Sollte das Projekt wachsen, könnte es längerfristig bei der Gemeinde installiert werden, hofft Wagner.

Längerfristig könnte die Wohnraumbörse im Ickinger Rathaus angesiedelt werden, hofft Wagner.
Längerfristig könnte die Wohnraumbörse im Ickinger Rathaus angesiedelt werden, hofft Wagner. Harry Wolfsbauer

Wie aber bewegt man Eigentümer dazu, Wohnraum zu vermieten? Der Hauptgrund, der sie davon abhalte, sei die Sorge, sich Probleme ins Haus zu holen, sagt Wagner: „Werde ich die Mieter wieder los, wenn es Konflikte gibt oder ich selbst mehr Platz brauche?“ An dieser Stelle gelte es, den Leuten ihre Ängste zu nehmen.

Stefan Schmitt ist Rechtsanwalt und Zweiter Vorsitzender der Ickinger SPD. Er klärt in Vorträgen über die Rechtslage bei verschiedenen Wohnverhältnissen auf. „Dort, wo es eng wird, hat der Gesetzgeber den Mieterschutz reduziert“, sagt er. In Gebäuden „mit nicht mehr als zwei Wohnungen“ – also im klassischen Fall eines Einfamilienhauses mit Einliegerwohnung – müsse der Vermieter keinen Eigenbedarf nachweisen, um einen Mieter zu kündigen. Einzig die Kündigungsfrist verlängere sich dann.

„Es ist ein Frevel, Wohnungen nicht zu nutzen.“

Noch mehr Rechte habe man, wenn man ein möbliertes Zimmer in der eigenen Wohnung vermiete. „Vereinfacht kann man sagen: Je näher man beieinander lebt, desto geringer ist der Kündigungsschutz.“ Anders sehe es bei leerstehenden Häusern aus. „In dem Moment, wo ich nicht dort wohne, greift der normale Kündigungsschutz.“ Das gelte auch dann, wenn man eine Meldeadresse im Haus habe.

Weitere Hürden, die Eigentümer vor Vermietungen zurückschrecken lassen, bestehen laut Wagner in nötigen Reparaturen oder Umbauten. Gerade ältere Leute fühlten sich davon überfordert.  „Ihnen wollen wir eine Beratung anbieten und Handwerker oder Architekten vermitteln.“ Die vermeintlichen Probleme seien meist größer als die tatsächlichen.

Stehen Häuser dauerhaft leer, stecken oft Erbschaftsstreitigkeiten dahinter. An dieser Stelle würde Wagner gerne politisch mit einer Zweitwohnsitzsteuer ansetzen. „Wenn der Leerstand etwas kostet, sucht man eher nach einer Lösung.“ Bislang habe sich im Ickinger Gemeinderat keine Mehrheit dafür gefunden.

Auch was den Neubau von Wohnungen betrifft, bezieht die Partei eine klare politische Position. „Wir können es uns nicht mehr leisten, einfach auf der grünen Wiese loszubauen und noch mehr Boden zu versiegeln“, sagt SPD-Ortsvorsitzende Wagner. Zuerst müsse man den Bestand ausschöpfen. „Wir haben die Wohnungen. Es ist ein Frevel, sie nicht zu nutzen.“

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Literatur
:Wo Fraunhofer glücklich war

Zwölf Jahre lang lebte und forschte Joseph von Fraunhofer im Kloster Benediktbeuern. Zu seinem 200. Todestag hat Andreas M. Bräu ihm einen Wissenschaftsroman gewidmet. Ein Kloster-Rundgang mit erstaunlichen Einblicken.

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