bedeckt München 22°

Angriff auf Traditionen:"Maibaum ist kein Marterpfahl"

Nach dem Wahlplakate-Eklat in Icking beziehen die Dorfvereine Stellung

Von Claudia Koestler, Icking

Nachdem sich die Parteien und politischen Gruppierungen in Icking zur Plakat-Schändung zu Wort gemeldet haben, folgen nun die Dorfvereine. In einem gemeinsamen Brief des Trachtenvereins Isarlust Irschenhausen, des Burschenvereins Dorfen und des Burschenvereins Icking verurteilen sie die Tat und die damit verbundene Symbolik aufs Schärfste: "Der Maibaum ist kein politischer Marterpfahl", erklären die Vorsitzenden Franz Hirt, Kilian Schlickenrieder und Florian Eimer in ihrem Schreiben.

Nach dem Rechtsverständnis einer "aufgeklärten und weltoffenen Gesellschaft" könne es keine anderen Meinungen geben, als dass die nächtliche Aktion, bei der das Konterfei einer Bürgermeister-Kandidatin beschmiert und kopfüber an Maibäumen aufgeknüpft wurde, "einen äußerst makaberen Angriff auf Frau Zechmeister und unser demokratisches System darstellt". Auch im Wahlkampf dürfe nicht vergessen werden, dass es in einer Kommune wie Icking "primär um eine sachliche Diskussion und den besten gemeinsamen Nenner für die Gemeinde gehen sollte".

Dass für eine "solch geschmacklose Aktion ausgerechnet unsere Maibäume, die ein Symbol für das Miteinander in unserer Gemeinde darstellen, als Schauplatz missbraucht wurden, ist für uns als gewählte Vertreter der Vereine, welche die Maibäume aufstellen und pflegen, nicht tolerierbar", erklären die Vereinsvorsitzenden. "Wir stellen als unpolitische Vereine die Maibäume als Symbol unserer gelebten Tradition und Zeichen der dörflichen Gemeinschaft auf. In diesem Sinne sollten sie auch betrachtet und behandelt werden."

Jeder dürfe seine Meinung frei äußern und solle diese auch kundtun - "allerdings sollte man dann auch den entsprechenden Schneid haben, sich persönlich zu erkennen zu geben und sich direkt an Betroffene zu wenden", heißt es in dem Schreiben. Dafür gebe es schließlich genügend Möglichkeiten, etwa bei Wahlkampfveranstaltungen, über Leserbriefe oder auf Social Media-Plattformen.

"Egal, gegen wen sich derartige Aktionen primär richten - wer unsere Maibäume dafür missbraucht, missachtet nicht nur die Integrität und Persönlichkeit der Betroffenen, sondern auch unsere traditionellen Werte, welche wir vermitteln möchten", so die Vereinsvorsitzenden. Was in der vergangenen Woche passiert sei, "war definitiv kein Faschingsscherz, sondern eine Aktion, die in keiner Weise tolerierbar ist und sich hoffentlich nie wiederholt." Hirt, Schlickenrieder und Eimer schließen ihren Brief mit dem Wunsch, dass sich die Täter zeitnah ermitteln lassen, und dass Traditionen geachtet und respektiert werden.

© SZ vom 28.02.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite