Schulpolitik:Es wird eng

Lesezeit: 2 min

Schulpolitik: Der Landkreis hat Probleme, das Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium zu erweitern.

Der Landkreis hat Probleme, das Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium zu erweitern.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Rückkehr zum G9, der Zuzug und die hohen Geburtenzahlen sorgen für mehr Schüler in den kommenden Jahren. Um alle unterzubringen, muss der Landkreis kräftig investieren.

Von Alexandra Vecchiato, Bad Tölz-Wolfratshausen

Seit Herbst 2018 ist Bayern wieder zum neunjährigen Gymnasium (G9) zurückgekehrt. Das bedeutet nicht allein für Schüler, Lehrer und Eltern eine Umorientierung, auch die Sachaufwandsträger müssen unter Umständen tief in die Tasche greifen. Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen rechnet jedenfalls mit hohen Investitionen wegen der zusätzlichen Klassenstufe. Denn was in den vergangenen Jahren an den Gymnasien neu gebaut, saniert oder erweitert wurde, war auf das achtstufige Gymnasium (G8) ausgerichtet. Das Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium in Icking hat als erste weiterführende Schule im Landkreis gemeldet, dass es eng wird.

Gut 790 Schülerinnen und Schüler werden nach der Erhebung des Instituts für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik (SAGS) dort unterrichtet. Das Büro erstellt im Auftrag des Landkreises eine Schulbedarfsplanung. Ein Zwischenbericht liegt seit Ende Mai vor. 399 Mädchen und Jungen, die das Ickinger Gymnasium besuchen, wohnen in anderen Landkreisen und Städten, darunter 192 in Schäftlarn und 106 in Baierbrunn. Hauptamtsleiter René Beysel führte im Kreis-Schulausschuss aus, dass eine schulaufsichtliche Genehmigung aus dem Jahr 2012 für ein G8 mit 26 Klassen vorliege. Nur eine Jahrgangsstufe mehr bedeute 30 Klassen - was keinesfalls reine Zukunftsmusik sei, so Beysel. Mit zusätzlichen 100 Schülern in Icking rechnet der SAGS-Experte Christian Rindsfüßer für das Schuljahr 2025/26. Trifft die Prognose ein, würde spätestens dann das Schulhaus aus allen Nähten platzen.

Schulpolitik: 2019 wurden die Außensportflächen am Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium eingeweiht. Die Turnhallenkapazitäten reichen allerdings nicht aus.

2019 wurden die Außensportflächen am Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium eingeweiht. Die Turnhallenkapazitäten reichen allerdings nicht aus.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Eng wird es nicht nur, was die Klassenräume betrifft. Auch der Bedarf an Sportstätten steigt, wie Beysel in der Sitzung hervorhob. In Icking unterhält der Landkreis eine Zweifachturnhalle am Gymnasium und bucht zusätzlich Stunden in der Grundschulturnhalle der Gemeinde, um den Sportunterricht gewährleisten zu können. "Aber mit dem G9 haben wir ein massives Problem", sagte Beysel. Kommenden Montag berät der Ickinger Gemeinderat über den Neubau einer Turnhalle für die Grundschule. Beysel wird auch in der Sitzung sein. Denn der Landkreis hofft, die Kommune baut ein "bisserl größer". Eine neue Zweifachturnhalle würde Entlastung für das Gymnasium Icking bringen. Dem Kreis schwebt ein ähnliches Modell wie in Bad Tölz vor, wo das Landratsamt die Jahnturnhalle angemietet hat. "Das wird eine spannende Entscheidung", meinte Beysel.

Doch nicht allein das G9 führt zu höheren Investitionen. Auch der Zuzug in den Landkreis und die laut Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) erfreulich hohen Geburtenzahlen sorgen für mehr Kinder und somit Schüler. Weshalb auch andere Bildungseinrichtungen wie Realschulen laut Bedarfsplanung mehr Platz brauchen werden. "Das sind nachhaltige Effekte. Was sie mit sich bringen, darüber werden wir intensiv sprechen müssen", sagte Niedermaier. Zuzug sei gut, denn er stärke die Wirtschaftskraft.

Hinzu kommen die Gastschüler, wie am Beispiel Ickings zu sehen. Mädchen und Buben aus den Nachbarlandkreisen an den Landkreisschulen nicht mehr aufzunehmen, ist für den Landrat keine Option. Natürlich müsse man mit den Nachbarn über künftige Investitionen sprechen, doch dürfe man nicht vergessen, dass auch Schüler aus Bad Tölz-Wolfratshausen auf Schulen in anderen Landkreisen gingen, sagte Niedermaier. Im Schuljahr 2021/22 besuchten 3323 Schüler ein Gymnasium im Landkreis, darunter 723 auswärtige. Im selben Zeitraum gingen 245 Schüler aus Bad Tölz-Wolfratshausen auf Gymnasien in Nachbarlandkreise. 152 Mädchen und Buben, überwiegend aus dem Loisachtal, besuchen den Unterricht am Gymnasium Penzberg. Und auf die Penzberger Heinrich-Campendonk-Realschule gehen 110 Schüler aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema