Wer regelmäßig mit der S7 unterwegs ist, kennt die Probleme: ständige Verspätungen, Zugausfälle, ungewisses Warten am Bahnsteig. Die Linie zwischen Wolfratshausen und München gilt seit Langem als Verdrusslinie, ja sogar als eine der unpünktlichsten Verbindungen Deutschlands. Wie es mit ihr weitergehen soll, stand im Mittelpunkt eines Bürgerdialogs der Ickinger Grünen am Donnerstagabend. Rund 60 Interessierte kamen in den Gasthof Klostermaier, viele weitere verfolgten die Veranstaltung per Livestream. Ein Abend, der wegen der Offenheit der geladenen Experten bemerkenswert war.
Seit Jahren häufen sich die Beschwerden über die S7. Der Ickinger Grünen-Politiker Philipp Geiger begann schließlich auf eigene Faust, die Pünktlichkeit zu messen. Mit dem Ergebnis, dass die S7 aus der Stammstrecke herausgenommen wurde und seitdem nur noch zwischen Hauptbahnhof und Wolfratshausen fährt. Im ersten Halbjahr 2025 verbesserte sich die Pünktlichkeit dadurch tatsächlich deutlich. Doch im Sommer folgte der Rückschlag. Züge schlichen bei Baierbrunn dahin, endeten vorzeitig in Höllriegelskreuth, die Pünktlichkeit fiel in der Hauptverkehrszeit zeitweise auf nur 37 Prozent. „Da ging es leider wieder zurück auf Los“, sagte Geiger.

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Beim Bürgerdialog stellten sich die Verantwortlichen den Fragen. „Wir sind nicht zufrieden“, räumte Philipp Ullmann ehrlich ein. Er ist bei der Deutschen-Bahn-Tochter DB Infrago zuständig für das Münchner Schienennetz. Ullmann erklärte die Schwellen zum Hauptproblem. Seit dem Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen im Jahr 2022 gelten verschärfte Sicherheitsregeln. Werden Schwellenrisse festgestellt, muss sofort eine Langsamfahrstelle eingerichtet werden, bis die betroffenen Schwellen ausgetauscht sind. Derzeit ist davon auch der Abschnitt bei Baierbrunn betroffen.
Dabei sind die verbauten Teile keineswegs uralt. „Die Schwellen stammen aus den Jahren 2000 bis 2010“, erläuterte Ullmann. Jedoch habe das damalige Herstellungsverfahren zu sogenanntem „Betonkrebs“ geführt. Zigtausende Schwellen müssen pro Jahr vorzeitig ersetzt werden. Der Abschnitt bei Baierbrunn war dafür bereits vorgesehen, allerdings führte ein Frosteinbruch kurz vor Weihnachten zu einer Verschiebung der Arbeiten.
Alte Bahnübergänge, störanfällige Technik und immer wieder Bäume auf Oberleitungen
Auch zur zweiten Langsamfahrstelle am Wolfratshauser Berg nahm Ullmann Stellung. Ursache sei hier keine mangelhafte Schwelle. Weil Bäume bei Unwettern immer wieder in die Oberleitung gefallen waren, seien aus Sicherheitsgründen viele stark zurückgeschnitten worden. In der Folge rutschte der Hang immer wieder in Richtung Gleis. Von 10. August an soll der Streckenabschnitt gesperrt und der Hang umfassend mit Beton stabilisiert werden. Die Arbeiten könnten bis zum Jahresende andauern. Noch ein Problem sind mehrere veraltete Bahnübergänge mit störanfälliger Technik entlang der Strecke bis München. Deren Erneuerung ziehe sich hin, da zahlreiche Beteiligte eingebunden sind und Mitspracherechte haben.
Auf die strukturellen Grenzen durch die weitgehende Eingleisigkeit der Strecke verwies René Neuhäuser, Leiter Produktion S-Bahn München bei DB Regio. „Der Betrieb wäre sonst nicht mehr beherrschbar gewesen“, verteidigte er die Trennung der S7 von der Stammstrecke, die vielen nicht gefällt. Danach ging Neuhäuser auf die Kritik an den eingesetzten Waggons ein. Ihr Einsatz ist auf die S7 beschränkt, da sie nicht durch die Stammstrecke fahren dürften. Anfangs kam es zu Türstörungen, inzwischen ist ein Konstruktionsfehler beim Klapptritt ein Sorgenkind. Ein weiteres Ärgernis sind falsche oder fehlende Fahrgastinformationen. „Auch hier sind wir nicht zufrieden“, räumte Neuhäuser ein.
Ursache dafür ist eine Softwareaktualisierung. Strenge Zulassungsregeln hätten die Installation verzögert. Die neue Version soll jedoch im Mai oder Juni aufgespielt werden. Ergänzt wurde der Abend durch Bernhard Fink, den Leiter für regionale Verkehrskonzepte beim MVV. Er stellte in Aussicht, dass im Laufe des kommenden Jahrzehnts autonom fahrende Busse zum Einsatz kommen könnten, um den zunehmenden Mangel an Busfahrern abzufedern.

Öffentlicher Nahverkehr:Unterwegs auf der Problemstrecke
Die S-Bahnlinie S7 steht wegen Unpünktlichkeit und unzuverlässigen Informationen nach wie vor in der Kritik. Fahrgäste berichten über ihre Erfahrungen.
In der Fragerunde wurde mehrfach der zweigleisige Ausbau der Linie gefordert. „Dafür gibt es keine Planung“, verwies Ullmann auf die mangelnde Wirtschaftlichkeit. Weiter kamen Sorgen um die Barrierefreiheit zur Sprache. Viele ältere Leute würden sich kaum mehr trauen, die Bahn zu benutzen, sagte jemand im Publikum. Laut Neuhäuser ist die Barrierefreiheit durch die unterschiedlichen Bahnsteighöhen nicht überall schlechter geworden, sondern habe sich an einzelnen Stationen sogar verbessert. Spekuliert wurde auch über eine mögliche Schließung eines Bahnübergangs in Hohenschäftlarn. Das sei nicht geplant, sagte Ullmann, allerdings könne alles kompliziert werden, wenn der Übergang bei einer Erneuerung den Bestandsschutz verliere und nicht die verschärften Anforderungen erfülle.

