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Icking:Vergaloppiert

Nach dem Tod des Wasserbarons Johann Abfalter will die Ickinger Initiative die Pläne für dessen Reithallen-Gelände noch einmal auf den Prüfstand stellen lassen - kassiert im Gemeinderat aber eine Abfuhr.

Von Susanne Hauck

Die Ickinger Reithalle, die vor zwei Jahren einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen ist, war immer wieder Thema im Gemeinderat - am Montag nun erneut. Denn jetzt, da der Grundstückseigentümer und Wasserbaron Johann Abfalter überraschend gestorben ist, stand zur Debatte, alle bisherigen Pläne für das Areal auf Null zu stellen. Das hatte die Ickinger Initiative so beantragt. "Die Wohnungen sind zu kompakt, das Gewerbegebäude ist zu hoch und die Verkehrserschließung ist überhaupt nicht möglich", zeigte sich Vigdis Nipperdey gewohnt offensiv. "Das liegt uns alles sehr im Magen." Ihre Forderung: "Die Planungen abspecken und alles noch einmal neu überlegen."

Dass der medienscheue Seniorchef der St. Leonhardsquelle am 11. September im Alter von 79 Jahren gestorben ist, ist ohne großes Echo geblieben. Lediglich eine Todesanzeige in der Passauer Neuen Presse ist im Internet zu finden. Auch Bürgermeisterin Verena Reithmann (UBI) hat eher zufällig davon erfahren, wie sie auf Nachfrage sagte - und zwar weil der Interessent für das geplante Bürogebäude sich bei dem Rosenheimer Unternehmen nach dem Stand der Dinge erkundigen wollte.

Was hatte der Geschäftsmann Abfalter, der mit esoterischem Mineralwasser höchst erfolgreich war, nicht für große Pläne mit der Reithalle gehabt: Weil seine Pferde wegen des angeblich so gesunden Ickinger Wassers steinalt wurden, wollte er auch dort Quellen erschließen und eine Abfüllanlage einrichten, der Gemeinderat machte da aber nicht mit. Nach der Feuerkatastrophe 2018 näherten sich beide Seiten einander an, man wollte gemeinsam ein Bebauungskonzept entwickeln und einen Teil der Wohnungen zu sozialverträglichen Preisen anbieten. Glücklich war der Gemeinderat mit den bislang vorgestellten Entwürfen jedoch noch nicht. Der Tod des Firmenchefs ändere juristisch aber nichts am Status quo, stellte Bürgermeisterin Reithmann klar. "Unser Vertragspartner ist das Unternehmen, nicht Herr Abfalter persönlich."

In der anschließenden Diskussion schlossen sich SPD und Grüne der Forderung der Ickinger Initiative an, einen Schritt zurückzugehen und beispielsweise in einer Ortsentwicklungsklausur neue Weichen zu stellen. Laura Leismüller pochte als neu gewählte Grünen-Gemeinderätin auf ihr Recht, bisherige Entscheidungen in Frage zu stellen. "Ist so eine riesige Gewerbeimmobilie wirklich notwendig?", fragte sie. "Das ist doch alles andere als ortsverträglich." Aber eine Mehrheit im Gemeinderat habe in der Vergangenheit bekräftigt, Gewerbe zu wollen, erinnerte die Bürgermeisterin und warnte: "Man muss sich schon klar sein, was man jetzt für Signale an die Firma sendet, die hofft, umzuziehen." Es handelt sich bekanntlich dabei um das in Irschenhausen ansässige Unternehmen Vallen Systeme.

UBI und PWG wollen den eingeschlagenen Weg weiter beschreiten, schon weil die Gemeinde die Planungshoheit besitze und eben die Geduld aufbringen müsse, bis der Planer einen ordentlichen Entwurf präsentiere und das Problem mit der zu engen Zufahrt zufriedenstellend gelöst habe. Stefan Schneider (UBI) befürchtete, die Gegenseite zu vergraulen, "wenn wir die Ampel auf Rot stellen". Am Ende passiere dort unten gar nichts, das könne nicht im Interesse der Ickinger Bevölkerung sein.

Vigdis Nipperdey relativierte ihre vorangegangene Wortmeldung. Ihre Forderung nach Aussetzung bedeute nicht, dass die Planung ganz beendet werden solle. "Aber die frühere Bürgermeisterin Menrad hat das mit affenartigem Tempo vorangetrieben - und wir dürfen doch wohl etwas Vorsicht walten lassen." Der Antrag der Ickinger Initiative wurde trotz dieser Abmilderung abgelehnt. Einstimmig befürwortet wurde hingegen Reithmanns Vorschlag, die Örtlichkeit mit Abfalters Architekten noch einmal in Augenschein zu nehmen - vor allem wegen der Erschließung.

© SZ vom 28.10.2020
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