Süddeutsche Zeitung

Ausstellung im Rathaus Icking:Blutsbrüderschaft statt Blutvergießen

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Unter dem Motto "Art against war" gibt die Ickinger Künstlerin Uta Sienel Denkanstöße zum politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen.

Von Anja Brandstäter

Sieben Frauen in Tracht stehen Seite an Seite, die Hände vor dem Bauch gefaltet, die Köpfe erhoben, die Körper gespannt. Goldene Schmetterlinge tanzen kreuz und quer über die Szenerie. "Folks! Dance don't shoot" heißt das Bild, das 170 auf 140 Zentimeter misst und an einer ochsenblutrot gestrichenen Wand im Ickinger Rathaus hängt. Seine Urheberin ist die Ickinger Malerin Uta Sienel, eine Expertin für Mischtechnik aus Siebdruck auf Stoff, Acryl- und Aerosolfarben.

"Art against war" hat sie ihre aktuelle Ausstellung überschrieben. Darunter befindet sich auch das Werk "Best friends - Freundschaft statt Krieg", ebenfalls ein Siebdruck, ergänzt durch Acryl- und Aerosolfarben. Zu sehen sind Winnetou und Old Shatterhand, der auf seinem Rappen Hatatitla sitzt. Die berühmten Blutsbrüder aus den Karl-May-Filmen der 1960er Jahre stehen noch immer für grenzüberschreitende Brüderlichkeit. Auch wenn sich trefflich darüber streiten lässt, ob es sich bei den Filmen um Kitsch oder Kult handelt, verkörpert der Mescalero-Apache Winnetou einen Menschen, der sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzt.

"Die Ausstellung soll den Betrachter zum Reflektieren und Nachdenken anregen", sagt Uta Sienel. Sie verstehe "Kunst als Sprachrohr für gesellschaftliche Probleme und politische Konflikte, die jeden etwas angehen, da wir alle Weltbürger sind". Grenzen und Länder seien nicht naturgemacht, sondern von Menschenhand geschaffen.

Von Menschenhand gemacht sind auch die Pistolen auf dem kleinformatigen Bild "Color instead of weapons". Auf einem Hintergrund in Rot, Grün, Gelb und Blau mit teilweise geometrischen Flächen aus Acrylfarbe liegen sieben Pistolen kreuz und quer. Auf einigen von ihnen kann man die Seriennummer deutlich erkennen: Carl Walther Waffenfabrik Ulm/Do. P38 Cal. 9mm. Dieses Großkaliber gibt es nach wie vor zu kaufen.

Impressionen von Freundschaft und Nächstenliebe kontrastieren mit Bildern, die auf die Sinnlosigkeit des Krieges verweisen. "Ich möchte zeigen, wie schön und bunt das Leben sein kann, aber auch wie dunkel und schmerzhaft, wenn man einen Krieg anfängt, in dem Menschen sterben und verletzt werden, körperlich wie auch seelisch", erklärt die Künstlerin.

Ein anderes Thema, das sie bewegt, ist das Wasser. In der aktuellen Ausstellung setzt Sienel es ebenfalls mit einem Mix aus Acryl- und Aerosolfarben in Szene. Auf einer blau grundierten Leinwand sind hellere blaue Kreise zu erkennen, an die sich Kegel schmiegen. "H2O" lautet der schlichte Titel des Werks. Die Moleküle aus Sauer- und Wasserstoff bilden die Grundlage für das Leben auf der Erde und verbinden alle Menschen miteinander. Existenzielle Probleme kennen keine Ländergrenzen.

Die Ausstellung im Ickinger Rathaus ist bis 30. September zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.

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