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Icking:Pachten statt Bauen

Die letzte Freifläche innerhalb Ickings weckt viele Gedankenspiele. Nun wollen Familien eine Bürgerstiftung gründen, die die Fläche pachten will.

(Foto: Hartmut Pöstges)

In Icking bereiten einige Familien die Gründung einer Stiftung zum Erhalt des freien Blicks am Talberg vor.

Von Claudia Koestler, Icking

In Icking könnte es schon bald zur Gründung einer Stiftung kommen, um das Feld zwischen Egartsteig und Talberg als Freifläche zu bewahren. Die Gemeinde war Anfang des Jahres mit ihrer grundsätzlichen Bereitschaft, mit dem Eigentümer der letzten großen Freifläche in der Ortsmitte über eine Umwandlung in Bauland zu verhandeln, auf großen Widerstand in der Bevölkerung gestoßen. Das Feld gilt derzeit als landwirtschaftlicher Grund.

325 Unterschriften haben Ickinger Bürger gegen eine Bebauung an diesem ortsbildprägenden Areal gesammelt und an die Gemeinde übergeben. In der Bürgerversammlung im April diesen Jahres hatte Rainer Trebuth schließlich die Idee ins Feld geführt, Interessierte könnten eine Bürgerstiftung für den Erhalt der Wiese gründen und damit die Aussicht auf das Alpenpanorama für die Isartalgemeinde erhalten. Der Ickinger Gemeinderat stand dieser Idee in seiner Mai-Sitzung zwar "grundsätzlich positiv" gegenüber, gab den Staffelstab aber an die Bürger zurück: Wie es der Name schon nahelege, sei eine solche Stiftung Aufgabe der Bürger und nicht der Gemeinde, hatte Bürgermeisterin Margit Menrad (UBI) erklärt.

Eine solche Bürgerstiftung steht nun offenbar kurz vor der Gründung: Wie es aus gut informierten Kreisen heißt, hätten sich in der Isartalgemeinde dafür bereits sieben Familien zusammengeschlossen. Diese "Bürgerstiftung in Gründung", wie die Initiatoren derzeit offiziell firmieren, hofft auf eine einvernehmliche Lösung mit dem Eigentümer der Wiese: Mit einem Brief wenden sich die Initiatoren an ihn mit der Anfrage, ob er sich vorstellen könne, das Areal langfristig zu verpachten. In dem Schreiben, das der SZ vorliegt, bieten die Initiatoren dem Eigner an, das Grundstück zu pachten und - sofern der Grundstückseigentümer auf diesen Vorschlag eingeht - dann die entsprechende Bürgerstiftung auch formalrechtlich zu gründen. Mit-Initiatoren gehen derzeit davon aus, dass sich noch deutlich mehr Familien an der Stiftung beteiligen werden, sollte der Eigentümer die Anfrage der "Bürgerstiftung in Gründung" positiv beantworten.

In dem Brief an den Eigner heißt es wörtlich: "Wie sicherlich bekannt ist, planen Bürger von Icking zur Erhaltung der Wiese Talberg/Egartsteig die Gründung einer Bürgerstiftung. In diesem Sinne möchten wir die Frage an Sie richten, ob Sie bereit wären, die Wiese langfristig zum verkehrsüblichen Preis an eine derartige Bürgerstiftung zu verpachten." Die Bürgerstiftung würde im Gegenzug für Pflege und Unterhalt der Wiese sorgen und diese der Gemeinde beispielsweise für die Durchführung von Veranstaltungen unentgeltlich zur Verfügung stellen. Auf diese Weise könnte die Wiese "als prägendes Element des ländlichen Charakters der Gemeinde Icking in ihrer jetzigen Form erhalten werden."

Für den Grundstückseigentümer hätte die Lösung durchaus Vorteile, schreiben die Initiatoren: Nämlich "dass der von Ihrer Seite übermittelte Einwand, für Sie sei eine wirtschaftliche Nutzung der Wiese nicht möglich, weil diese laufend betreten und im Übrigen auch von Hunden verunreinigt würde, damit gegenstandslos werden würde." Mit dem Pachtzins und der Pflege der Wiese durch die Bürgerstiftung "wäre auf diesem Wege eine wirtschaftliche Nutzung der Fläche für Sie sichergestellt", schließt das Schreiben.

© SZ vom 26.09.2015
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