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Icking:Netzwerk der Nächstenliebe

Langjährige Leiterin der Nachbarschaftshilfe: Brigitte Sokoll.

(Foto: Hartmut Pöstges)

In Icking feiert die ehrenamtliche Organisation "Nachbarschaftshilfe" 30-jähriges Jubiläum - die Gemeinde dankt

Von Claudia Koestler, Icking

Es ist ein außerordentliches Erfolgsmodell der Mitmenschlichkeit, auch und besonders in schwierigen Zeiten. Und es hätte ihr Jahr werden sollen - wenn das Wörtchen Pandemie nicht wäre: Seit 1990 gibt es in der Isartalgemeinde Icking ein Hilfsnetzwerk für ältere und alleinstehende Bürger, die Nachbarschaftshilfe. Das 30-jährige Jubiläum aber konnte heuer coronabedingt nicht feierlich begangen werden - weshalb Bürgermeisterin Verena Reithmann und ihre Stellvertreterin Claudia Roederstein (beide UBI) in einer Pressemitteilung an die Gründung und die Geschichte des Netzwerkes erinnern und zugleich den Dank der Gemeinde aussprechen.

Ideengeber für die Nachbarschaftshilfe Icking war der 1990 frisch ins Bürgermeisteramt gewählte Hubert Guggenmos. 48 Ickingerinnen und zwei Ickinger hatten sich nach einem Aufruf gemeldet. Sie sollten für Einkaufsfahrten oder Fahrten zum Arzt zur Verfügung stehen, ins Krankenhaus oder zu Behörden begleiten, oder Besuche bei Kranken und Alleinstehenden machen. Guggenmos hatte das Einsatzspektrum klar beschränkt und festgestellt, dass "wer nur eine Putzhilfe benötigt, hier an der falschen Adresse ist", zitieren Reithmann und Roederstein den damaligen Bürgermeister. Anfang Dezember 1990 fiel der Startschuss. Die Kontaktaufnahme erfolgte entweder über die Gemeinde oder die Pfarrämter, vor allem aber über die Leiterin und Organisatorin der ersten Stunde, Anneliese Schmidt. Unterstützung bei der Vermittlung von Helfern erhielt sie von Maria Nolde. "In den ersten zehn Jahre kristallisierte sich ein harter Kern aus zehn Helferinnen heraus", heißt es in der Chronik. Nach 16 Jahren übergab Schmidt 2006 die Leitung an Brigitte Sokoll. Das Aufgabenspektrum erweiterte sich stark. Die Vermittlung von Adressen und Angeboten bezüglich Pflege, Hausnotruf, Erstellung von Patientenverfügungen und Essen auf Rädern nahm größeren Raum ein. Dazu kamen auch die Vermittlung zur Unterbringung in Senioren- und Pflegeheimen und die Unterstützung beim Umzug dorthin. Dieses Programm stemmten neun Helferinnen - neben ihren Fahrten und Besuchen. Ende 2018 übernahmen Ingrid Vogel und Brigitte Weber die Organisation der Nachbarschaftshilfe. "Hilfsbereitschaft, Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe sind die Motivation der Mitglieder", sagen Weber und Vogel über den ehrenamtlichen Einsatz. Reithmann und Roederstein wiederum formulieren es so: "Der wahre Reichtum einer Gemeinde besteht aus Bürgern, die ehrenamtlich Aufgaben für die Allgemeinheit übernehmen, die ihre Freizeit und ihre Hilfsbereitschaft für Mitbürger einbringen." Dafür gebühre ihnen herzlicher Dank "für jede Stunde und jede Minute des Einsatzes". Ein dem Anlass angemessenes Beisammensein werde so bald wie möglich nachgeholt.

© SZ vom 31.12.2020
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