Klavierkonzert:Mit vier Händen von Schubert bis Schachtner

Klavierkonzert: Sophie und Vincent Neeb schätzen das vierhändige Musizieren am Klavier als "einzigartig intensives musikalisches Erlebnis".

Sophie und Vincent Neeb schätzen das vierhändige Musizieren am Klavier als "einzigartig intensives musikalisches Erlebnis".

(Foto: schneiderphotography/oh)

Die preisgekrönten Geschwister Sophie und Vincent Neeb eröffnen in Icking die Saison von Klangwelt Klassik.

Von Ulrich Möller-Arnsberg, Icking

"Ich mag ja Klavierduo besonders gern", sagt Bettina Gaebel. Die Vorsitzende des Vereins Klangwelt Klassik freut sich über den ersten Duo-Abend im Programm. An diesem Samstag, 24. Februar, startet der Konzert-Zyklus "Meistersolisten im Isartal 2024". Von 19.30 Uhr an sind die Geschwister Sophie und Vincent Neeb im Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium zu Gast. "Im Falle Klavierduo war immer das Thema, dass es den Raum überfordert", so Gaebel. "Aber die beiden jungen Musiker haben sich die Aula angeschaut, und wir haben dann gemeinsam überlegt, wie der Abend funktionieren könnte." Herausgekommen ist ein Programm mit "Klavier zu vier Händen", das von Max Regers "Cinq pièces pittoresques op. 34" (Bearbeitung György Kurtág) über den Hymnus "Pacifico" des Münchner Komponisten Johannes X. Schachtner bis zu Werken von Schubert und Schumann reicht.

Lange Zeit stand der Verein Klangwelt Klassik für Streichquartett-Abende. Mit dem "Ickinger Frühling" im vergangenen Jahr öffnete sich das Spektrum. "Wir hatten je zur Hälfte Ensembles aus der Sparte Streichquartett und Klaviertrio eingeladen", so Bettina Gaebel. Grund war unter anderem, dass Susanne und Christoph Kessler mit der Reihe "Quartettissimo" und dem ersten Streichquartett-Wettbewerb in Bad Tölz eine Marke in unmittelbarer regionaler Nähe etabliert haben, worauf die Ickinger reagieren mussten. Man blicke "ein bisschen mit Neid" darauf, dass die Veranstalter in Bad Tölz im großen Stil renommierte Streichquartette zu Gast hätten, erzählt Georg Freitag aus dem Team von Klangwelt Klassik. In Icking gebe es glücklicherweise ein eigenes, treues Publikum.

"Auf Tasten zum Gipfel" lautet das Motto für das Konzert mit den Neeb-Geschwistern. Die beiden haben in den vergangenen zehn Jahren eine beeindruckende musikalische Entwicklung gemacht und wurden vielfach ausgezeichnet. Unter anderem gewannen sie 2013 den Wettbewerb beim Internationalen Klavierduo-Festival Bad Herrenalb, 2015 den WDR Klassikpreis der Stadt Münster und den ersten Preis des Südwestdeutschen Kammermusikwettbewerbs in Bad Dürkheim. 2017 erspielten sie sich den "Primo Premio Assoluto" sowie zahlreiche Sonderpreise beim "Concorso pianistico internazionale Roma" für Klavier vierhändig. Im folgenden Jahr wurden sie Stipendiaten der Hans-und-Eugenia-Jütting-Stiftung, außerdem sind sie Stipendiaten des Vereins Yehudi Menuhin Live Music Now. Beim Deutschen Musikwettbewerb 2019 erhielten sie mehrere Sonderpreise und ein Stipendium, verbunden mit der Aufnahme in die Bundesauswahl "Konzerte Junger Künstler*innen". Seitdem treten sie in renommierten Sälen wie dem Prinzregententheater München, dem Sendesaal Bremen und dem NDR Rundfunkhaus Hannover auf.

Den neunminütigen Hymnus "Pacifico" von Johannes X. Schachtner, der in Icking auf dem Programm steht, hat der Komponist 2014 geschrieben. Das italienische Wort "pacifico" (friedliebend, ruhig), habe ihn während seiner Komposition begleitet, erklärt der 38-Jährige, der beim Konzertabend für ein Gespräch über seine Musik anwesend sein wird. "Dabei spielt die Quinte als Intervall eine janusköpfige Rolle: einerseits als klares, helles, ruhiges Intervall, andererseits als Ausgangspunkt für die totale, schroffe Chromatik." Es ist dieser Gegensatz friedliebend und konfliktträchtig mit dem die Komposition von Johannes X. Schachtner über den musikalischen Aspekt hinaus die gegenwärtige gesellschaftspolitische Situation spiegelt.

Nach dem Saison-Auftakt mit dem Klavierduo Neeb folgt am 20./21. April der "Ickinger Frühling" mit dem Trio Incendio, dem Aris Quartett, dem Trio Sora und dem Goldmund Quartett. Auch das Genre "Duo" taucht im Laufe der Saison noch einmal auf. Am 28. September konzertiert der Pianist Herbert Schuch mit dem griechischen Violinisten Jonian Ilias Kadesha in Icking.

Weitere Informationen unter klangwelt-klassik.de

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